Mittelstandsanleihen
Achtung, Minusgeschäft!

Wer Mittelstandsanleihen kauft, geht ein vergleichsweise hohes Risiko ein. Vielen Anlegern ist das aber nicht bewusst. Inzwischen sind drei Unternehmen insolvent. Weitere Pleiten sind nicht ausgeschlossen.
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Frankfurt/DüsseldorfEs gibt Banker, die sagen, dass der Markt für Mittelstandsanleihen in einem Desaster enden könne. So wie damals, als der Neue Markt für Technologieaktien zusammenbrach. Weil viele der Mittelständler, die zuletzt Anleihen begeben haben, die nächsten Jahren nicht überleben werden. Die ersten Unternehmen stehen bereits vor der Pleite.

Der Hersteller von Solarmodulen Solarwatt beispielsweise hat am Mittwoch beim Amtsgericht Dresden wegen drohender Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung einen Insolvenzantrag gestellt. Die Verhandlungen über die Sanierungsbeiträge der Aktionäre seien erfolglos gewesen, teilte das 1993 gegründete Unternehmen mit. Zu den Anteilseignern zählen BMW -Aktionär Stefan Quandt, das Photovoltaik Systemhaus IBC Solar und dessen Gründer und Vorstand Udo Möhrstedt. Solarwatt plant jetzt die „Sanierung in Eigenverwaltung“, bei der die bisherige Unternehmensleitung von einem externen Sanierungsexperten begleitet wird. Solarwatt hatte über die Börse Stuttgart eine Anleihe im Volumen von 25 Millionen Euro begeben. Das Papier wurde vom Handel ausgesetzt. Sollte die Sanierung scheitern, drohen Anlegern herbe Verluste. Laut den Anleihebedingungen haben die Gläubiger das Recht, im Fall einer Insolvenz die Anleihe zu kündigen. Ob sie ihr gesamtes Geld wiedersehen, ist derzeit ungewiss. Sie erhalten wie üblich nach Abschluss des Insolvenzverfahrens ihre Zuteilung.

Solarwatt ist nicht allein. Am selben Tag meldete auch BKN Biostrom, ein Betreiber von Biogas-Anlagen, der ebenfalls eine Mittelstandsanleihe begeben hat, Insolvenz an. Die 25-Millionen-Euro-Anleihe, von der nur 13 Millionen platziert wurden, wurde ebenfalls vom Handel ausgesetzt. BKN hatte bereits am Dienstag gemeldet, dass es die Anfang Juni fälligen Zinsen für seine Anleihe nicht zahlen kann. Für den BKN-Bond besteht jedoch Hoffnung: Er ist besichert durch Projektgesellschaften, die derzeit nicht von der Insolvenz betroffen sind.

Mit Solarwatt und BKN sind nun schon drei Unternehmen aus dem Mittelstandssegment in die Schieflage gerutscht. Im März hatte bereits der Windanlagenbauer Siag als erster Emittent einer Mittelstandsanleihe Insolvenz angemeldet. Und auch bei anderen Bonds machen sich die Anleger Sorgen. Besonders die Kurse der Unternehmen aus dem Bereich erneuerbare Energien sind seit Monaten im Keller. So notieren die Anleihen von Centrosolar nur noch bei 33 Prozent des Nominalwertes. Anleger, die 1000 Euro in Papiere von Payom Solar gesteckt haben, bekommen derzeit gerade einmal 215 Euro dafür.

Seit zwei Jahren gibt es den Markt für Mittelstandsanleihen. Viele Börsen haben extra ein eigenes Segment dafür eingerichtet und bewerben dies kräftig. Insgesamt haben bislang 45 Unternehmen Bonds begeben. Die Anleger lassen sich meist von den hohen Zinscoupons anlocken. Viele Anleihen versprechen einen jährlichen Zins von sieben Prozent und mehr. Das Risiko, dass das Unternehmen die nächsten Jahre möglicherweise nicht überlebt, scheint vielen Anleger nicht bewusst.

Bis auf wenige Ausnahmen müssen alle Unternehmen zwar ein Rating vorweisen; aus Kostengründen nutzt die große Mehrzahl allerdings die Dienste der Auskunftei Creditreform. Vereinzelt gibt es Einschätzungen von Euler Hermes. Professionelle Investoren, vornehmlich Vermögensverwalter, wundern sich daher zuweilen, wie gut einige Unternehmen bewertet wurden. Die häufigsten Noten sind BB und knapp dahinter sogar BBB. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Emittenten während der meist fünfjährigen Laufzeit ihrer Anleihe pleitegehen, liegt demnach bei neun beziehungsweise zwei Prozent. Eine trügerische Sicherheit, wie das Beispiel Solarwatt zeigt: Das sächsische Unternehmen hatte ein Rating von B. Die BKN-Anleihe war sogar mit der Note BBB bewertet. Diese Note war jedoch Anfang Mai abgelaufen und nicht aktualisiert worden.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen

Kommentare zu " Mittelstandsanleihen: Achtung, Minusgeschäft!"

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  • Meines Wissens wurde von Euler Hermes bisher kein Unternehmen an der Mittelstandsbörse besser als BB+ bewertet. Komisch Komisch. Rating Shopping und Moral Hazard "ick hör Dir trapsen". Interessant finde ich auch, dass eine PWC Studie aufgedeckt hat, dass Creditreform Rating ja auch schon im Standard-Mezzanine-Programmbereich erfolgreich mitgemischt hat. Das Programm H.E.A.T. II was von Creditreform Rating begleitet wurde, hatte den größten Ausfall. Über 27 % bisher, da steht dem Mittelstandanleihemarkt ja noch einiges bevor.

  • Danke.

  • Der Satz im Text sagt aus, dass die Note BB am häufigsten vergeben wurde. Am zweithäufigsten wurde die (in der Tat bessere) Note BBB vergeben.

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