Mittelstandsanleihen an der Börse Düsseldorf
„Scheinqualitätssiegel vermeiden“

Auf der Suche nach lukrativen Geldanlagen wurden Mittelstandsanleihen beliebt. Doch viele Anleger müssen nach Firmenpleiten um ihr Geld bangen, das Segment kam in Verruf. Die Börse Düsseldorf nun gegensteuern.
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DüsseldorfMittelstandsanleihen sind wegen der Pleiten mehrerer Firmen in Verruf geraten. Die Börse Düsseldorf hat auf die Entwicklung reagiert und hofft mit einer neuen Plattform für Unternehmensanleihen auf eine Trendwende. „Wir erwarten, dass im laufenden Jahr noch Emissionen kommen“, sagte der Vorstandschef der Börse Düsseldorf, Dirk Elberskirch, der Deutschen Presse-Agentur.

Die Börse stellt das Segment Mittelstandsmarkt ein und schafft im sogenannten Primärmarkt, für den strengere Informationspflichten gelten, eine Plattform speziell für Firmenanleihen. Diese ist - abhängig von der Höhe der Rendite bei der Emission - unterteilt in drei Risikoklassen. Anlegerschützer nannten dies sinnvoll.

„Wir reagieren damit auch auf die problematische Entwicklung der letzten zwei Jahre und auf Kritik, Anleger könnten das Risiko bei Mittelstandsanleihen nicht erkennen“, erklärte Elberskirch. Zugleich sollten sich damit auch Unternehmen Geld über den Kapitalmarkt beschaffen, die Renditen von weniger als sieben Prozent bieten.

Ein Benotung durch Ratingagenturen ist künftig nicht mehr erforderlich. „Wir wollen ein Scheinqualitätssiegel vermeiden“, sagte Elberskirch. Informationsgrundlage für Anleger sollten vor allem Finanzkennzahlen sein, die Firmen regelmäßig veröffentlichen müssen.

Privatanleger sollen so Chancen und Risiken eines Investments besser erkennen können. In der Vergangenheit war Kritik an Ratingagenturen laut geworden, weil einige Unternehmen trotz guter Noten in die Insolvenz schlitterten und Anleger um ihr Geld fürchten müssen.

Emissionen, bei denen nur Privatanleger Unternehmensanleihen zeichnen, wird es in Düsseldorf auch künftig nicht geben. „Denn es besteht die Gefahr, dass nicht so erfahrene Privatanleger allein wegen eines bekannten Markennamens investieren“, sagte Elberskirch.

Mittelstandsanleihen sind Schuldverschreibungen von kleineren Unternehmen. Die Papiere verbriefen den Anspruch auf Tilgung und Verzinsung des geliehenen Kapitals. Einige Unternehmen verkaufen ihre Papiere selbst, die meisten werden aber an Börsen gehandelt.

Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) bezeichnete das Vorgehen der Börse Düsseldorf als sinnvollen Ansatz mit mehr Transparenz für die Anleger. „Es bleibt aber dabei: Mittelstandsanleihen sind nur etwas für erfahrene Anleger, das wird durch das neue Modell vielleicht etwas klarer.“

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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