Mittelstandsanleihen
Berentzen begibt Anleihe

Der Spirituosen-Hersteller möchte 50 Millionen Euro einsammeln. Der Zinssatz soll bei 6,5 Prozent liegen. Berentzen möchte mit dem Geld ins Ausland expandieren.
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Bisher waren Mittelstandsanleihen vor allem für Unternehmen ein Thema, die zwar einen guten Namen, aber noch keine Erfahrung mit dem Kapitalmarkt hatten. Der Spirituosenhersteller Berentzen ist seit 18 Jahren an der Börse notiert und hat sich trotzdem entschieden, eine Anleihe über 50 Millionen Euro zu begeben. Für Vorstandschef Stefan Blaschak ist der Schritt vor allem ein Misstrauensvotum gegen die Banken: "Bei den Banken hätten wir auch Geld bekommen. Aber auf dieser Diskussion hatten wir wenig Lust, nachdem uns einige Institute in der Finanzkrise nicht unterstützt hatten", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview. Damals hatten einige Banken die Kreditlinien in der Krise gekündigt.

Mit 6,5 Prozent bietet Berentzen den Anlegern für das fünf Jahre laufend Papiere etwas weniger Zinsen als der Großteil der Emittenten von Mittelstandsanleihen, die zwischen sieben und acht Prozent abwerfen. Ein Bonus dafür, dass die Bilanzen des Apfelkorn-Spezialisten aus dem Emsland seit Jahren öffentlich sind. Vom kommenden Montag an kann die Anleihe gezeichnet werden. "Das Interesse ist groß, und wir gehen davon aus, dass die Anleihe stark nachgefragt sein wird", sagte Finanzvorstand Ralf Brühöfner.

Mit dem Geld soll die Expansion im Ausland finanziert werden. Die Türkei, Indien und China sind die ersten Ziele. "Berentzen hat zehn Jahre versäumt, jetzt müssen wir dafür die nächsten fünf Jahre etwas schneller laufen", sagte Vorstandschef Blaschak. Das auch für "Puschkin Vodka" bekannte Unternehmen hat eine Schrumpfkur hinter sich. "Wir sind jetzt wieder in der Lage, unsere eigenen Geschicke zu bestimmen", so Blaschak. Doch es gehe eher um den Ausbau des eigenen Vertriebs als um Zukäufe von Marken oder Fabriken: "Wenn wir etwas kaufen, wird es etwas Kleineres sein."

Gegen die Aufnahme von frischem Eigenkapital hat Berentzen sich aus zwei Gründen entschieden. "Eine Kapitalerhöhung wäre komplizierter gewesen", sagte Brühöfner. Die Eigenkapitalquote sei mit 45 Prozent ohnehin schon hoch genug. Und selbst mit dem Bond werde sie voraussichtlich nicht unter 30 Prozent sinken. Bei einer Kapitalerhöhung wäre Berentzen zudem vom Großaktionär Aurelius abhängig. Der börsennotierte Finanzinvestor war 2008 eingestiegen, als es Berentzen schlecht ging, und hält 60 Prozent des Grundkapitals. Und ohne Not schießen Private-Equity-Gesellschaften ungern Geld bei ihren Beteiligungen nach.

Als eine der ersten Mittelstandsanleihen wird das Papier von Berentzen nicht in Stuttgart oder Düsseldorf, sondern in Frankfurt gelistet werden. Eine bewusste Entscheidung, wie der Finanzvorstand erklärte: "Ich bin sicher, dass hier irgendwann das größte Volumen sein wird. Ich höre, hier ist noch viel in der Pipeline."

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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