Mittelstandsanleihen

Börse Stuttgart beerdigt den Mittelstandsmarkt

Die Börse Stuttgart hat resigniert: Der Handelsplatz will keine neuen Minibonds mehr im Mittelstandssegment annehmen. Was das für Anleger und Besitzer von Mittelstandsanleihen bedeutet.
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Die Börse Stuttgart begräbt die Mittelstandsanleihen. Quelle: dpa

Die Börse Stuttgart begräbt die Mittelstandsanleihen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfAm Ende waren es doch zu viele Pleiten bei den Mittelstandsanleihen. Der erste Börsenplatz hat nun resigniert. Die Börse Stuttgart wird die im Segment bondm notierten Anleihen lediglich auslaufen lassen, aber keine neuen Anleihen mehr annehmen, berichtet die Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

„Der Markt für Mittelstandsanleihen ist tot“, sagte Vorstandsvorsitzender Christoph Lammersdorf der FAZ. Auch erfahrene Kapitalmarktexperten seien von Emittenten getäuscht worden. Wenn kriminelle Energie im Spiel sei, hätten auch Experten kaum Chancen, Risiken zu erkennen. Das Thema sei daher für ihn durch.

In der Tat hat es auch 2014 wieder auch Unregelmäßigkeiten gegeben. Beim Fahrradhersteller Mifa und dem Telekommunikationsanbieter Mox Telecom – zwei Emittenten, die Insolvenz anmelden mussten – ermittelt die Staatsanwaltschaft. Bereits in der Vergangenheit hatten Emittenten Anleger betrogen.

Insgesamt sind mittlerweile 24 Emittenten von insgesamt rund 140 in die Insolvenz gerutscht, 28 Anleihen sind betroffen. Allein 2014 hatten der Maschinenbauer Rena, der Suppenhersteller Zamek, das Modelabel Strenesse, der Immobilienentwickler Golden Gate und zuletzt die MS „Deutschland“ Beteiligungs GmbH ihre Zahlungsunfähigkeit erklärt.

Über die Frage, wie es mit dem Segment Mittelstandsanleihen weitergeht, wird derzeit bereits heftig diskutiert. Marktbeobachter gehen davon aus, dass sich künftig ein höherwertiges Mittelstandssegment und ein „Ramschsegment“ entwickeln könnte. Die eigentliche Pleitewelle könnte aber erst noch kommen. Das Gros der Anleihen wird in den kommenden zwei Jahren fällig.

Diese Emittenten sind pleite

BKN biostrom AG

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BKN biostrom AG
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BKN biostrom: Mit gutem Rating in die Pleite

Am 6. Juni 2011 legte der Ökostromanbieter an der Börse Hamburg-Hannover eine Anleihe mit einem Kupon von 7,5 Prozent auf, die bis Juni 2014 laufen sollte. Doch im Juni 2012 ging das Unternehmen in die Insolvenz. Die Ratingagentur Creditreform wertete das Papier bei der Emission mit einem guten "BBB"-Rating und änderte diese Wertung bis zur Pleite nicht mehr.

Centrosolar

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Centrosolar
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Centrosolar: Dieselbe Note bei Emission und Insolvenz

Das Unternehmen legte im Februar 2011 eine Anleihe im Wert von 50 Millionen Euro an der Börse Stuttgart auf. Der Kupon lag bei sieben Prozent. Zwei Jahre später war der Emittent insolvent. Creditreform bewertete die Bonität bei der Auflegung mit einem guten BBB und änderte das Rating dann nicht mehr.

FFK Environment

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FFK Environment
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FFK Environment: Ein halbes Jahr vor dem Aus herabgestuft

Der Hersteller für Ersatzbrennstoffe legte im Juni 2011 an der Börse Düsseldorf eine Anleihe über 25 Millionen Euro auf. Im Oktober 2013 war der Emittent insolvent. Creditreform bewertete das Papier bei Emission mit einer Note von BB+, senkte die Bewertung im April 2013 auf „B“ und im Oktober schließlich auf „C“.

Hkw Personalkonzepte

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Hkw Personalkonzepte
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Hkw Personalkonzepte: Insolvenz noch vor dem Weihnachtsfest

Der Anbieter von Personaldienstleitungen und Zeitarbeit legte am 15.11.2011 eine fünfjährige Anleihe im Wert von zehn Millionen Euro an der Börse Düsseldorf auf. Der Kupon lag bei 8,25 Prozent. Im Dezember 2013 meldete die Geschäftsführung Insolvenz an. Die Ratingagentur Creditreform bewertete das Unternehmen noch im Juni 2013 mit der Note "BBB-".

Getgoods.de

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Getgoods.de
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Getgoods.de: Schlechte Chancen für Technikfans

Der Online-Versandhändler für Elektronikprodukte ging im November 2013 in die Insolvenz. Am 2.Oktober 2012 hatte das Frankfurter Unternehmen eine Anleihe mit einem Volumen von 60 Millionen Euro und einem Kupon von 7,75 Prozent aufgelegt. Die Ratingagentur Creditreform bewertete die Firma Ende 2012 mit "BBB-" und stufte das Unternehmen ein Jahr später immerhin auf "BB" herunter. Zum Zeitpunkt der Pleite lag die Wertung bei "D".

RENA GMBH INH.SCHULDVERSCHR. V.13(16/18)

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DE000A1TNHG1
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Chart von RENA GMBH INH.SCHULDVERSCHR. V.13(16/18)
Rena
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Rena: 77 Millionen Euro Anlegergeld stehen auf dem Spiel

Als 15. mittelständischer Anleiheemittent hat der Gütersloher Maschinenbauer Rena Ende März Insolvenz angemeldet. Der Niedergang hatte sich bereits abgezeichnet: Das Unternehmen, das Maschinen für die Solarindustrie fertigt, litt seit längerem unter schwindendem Absatz. Allein im dritten Quartal 2013 vermeldete das Unternehmen einen Verlust in Höhe von 5,5 Millionen Euro. Im Februar dann musste Unternehmenschef Jürgen Gutekunst die Pleite der Tochtergesellschaft SH+E verantworten. Eulerhermes hatte Rena zuletzt nur noch mangelhafte Bonität bescheinigt („B“).

SAG Solarstrom (10/15)

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SAG Solarstrom (10/15)
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SAG Solarstrom (2010/2015): Vom Hoffnungsträger zum Insolvenzfall

Einer der größten unabhängigen Hersteller von Solarmodulen legte im Dezember 2010 eine Anleihe im Wert von 50 Millionen Euro an der Börse Frankfurt auf. Das börsennotierte Unternehmen bot einen Kupon von 6,25 Prozent. Doch im Dezember 2013 meldete der Anbieter Insolvenz an. Die Ratingagentur Creditreform hatte SAG Solarstrom bei der Emission der Anleihe mit dem guten Rating "BBB+" bedacht und stufte die Firma im Mai 2012 auf "BB+" herunter. Diese Note wurde im Mai 2012 nochmals bestätigt.

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