Mittelstandsanleihen
Die Jagd nach den Traumrenditen

Der September dürfte der Monat mit den meisten Emissionen seit Bestehen des Marktes für Mittelstandsanleihen werden. Für Anleger wird das Geschäft immer lukrativer. Ganz ungefährlich ist es allerdings nicht.
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FrankfurtEs sind gute Zeiten für Unternehmen, sich am Kapitalmarkt Geld zu besorgen. Nicht nur die Großen zapfen momentan die Investoren an, die im aktuellen Niedrigzinsumfeld sehnsüchtig nach ein bisschen Rendite gieren. Auch die kleinen Mittelständler nutzen die Gunst der Stunde.

Karlsberg, eine traditionsreiche Brauerei aus dem Saarland, die wenig bis gar nichts mit dem dänischen Konkurrenten Carlsberg zu tun hat, war in der vergangenen Woche der Eisbrecher für die neue Emissionswelle von Mittelstandsanleihen in diesem Herbst. Deutschlandweit bekannt ist Karlsberg zwar nicht. Trotzdem war die Anleihe schon nach zweieinhalb Stunden doppelt überzeichnet. In Finanzkreisen wird geunkt, dass einige Investoren das Unternehmen wohl mit den Dänen verwechselt haben und deswegen so beherzt zugriffen.

Der September dürfte der bisher emissionsstärkste Monat für den Markt werden. Zu den 51 bisher begebenen Anleihen im Volumen von knapp drei Milliarden Euro könnten acht weitere kommen. „Nach der Sommerpause kommen häufig zuerst bekanntere Unternehmen an den Markt, die sich einfacher platzieren lassen“, sagt Dieter Kaiser von der auf Mittelstandsfremdkapital fokussierten Fondsgesellschaft Robus Capital.

Seit gestern werben der Onlinehändler Getgoods und das Versicherungsunternehmen Enterprise Holdings um Investorengelder. Demnächst folgen KTG Energie, BDT, Eterna Mode und Berentzen. René Parmantier, Chef von Close Brothers Seydler, schätzt, dass bis Jahresende noch 15 weitere Emissionen kommen. „Auch im Prime Standard in Frankfurt dürften wir im Oktober oder November die ersten beiden Emissionen sehen“, so Parmantier. In Finanzkreisen kursieren Gerüchte, dass es sich dabei um SAF Holland und Porr handelt.

Das gehobene Segment für Mittelstandsanleihen in Frankfurt wurde zu Jahresbeginn gegründet. Damit würde Frankfurt weiter gegenüber der Stuttgarter Börse punkten, die dieses Jahr nicht nur bei den Emissionen hinterherhinkt (siehe Grafik), sondern ebenfalls Pläne für ein Premiumsegment hat. Dafür haben die Stuttgarter im Handel mit Mittelstandsanleihen nach eigenen Angaben einen Marktanteil von fast 80 Prozent.

Kommentare zu " Mittelstandsanleihen: Die Jagd nach den Traumrenditen"

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  • @negocio

    Primär Zustimmung. Jedoch haben Sie das Problem der Inflation grundsätzlich bei allen Geldanlagen zu berücksichitgen - auch bei den Tagesgeldern zu 1,40%, die übrigens oft schon seit JAHREN mit täglicher (!) Verfügbarkeit vorgehalten werden.

    Um also die doch bessere Verzinsung (bei sicherlich größerem Risiko, das ist ja schließlich der eigentliche Aufschlaggrund)für sich nutzbar zu machen, achte ich darauf, dass ich einigermaßen liquide Papiere wähle, die auch zeitnah auch während der langen Laufzeit wieder losgeschlagen werden können.

  • Traumrendite 8 % ? Wenn das Traumrenditen sein sollen, dann buenas noches ! Eine Anleihe hat i.d.R. eine Laufzeit von 10 Jahren, manche laufen 5 Jahre. Nach diesem Zeitraum wird die Anleihe zum Nennwert zurückbezahlt, wenn zwischenzeitlich nichts gravierendes passiert ist. In zehn Jahren sind 1.000,- Euro leider nicht mehr 1.000,- wert, sondern... Einfach mal Barwert googlen und die gefühlte Inflation seiner Wahl eintragen. Selbiges gilt für den Coupon, dieser ist auch mit den jeweiligen Inflationsraten abzuzinsen, der Gesamtbetrag mit der Abgeltungssteuer. Wenn man dann die Realzinsen plus abgezinsten Nennwert am Ende der Laufzeit zusammenrechnet... Traumrenditen sehen wirklich anders aus. Netter Versuch hier unbedarfte Anleger zu ködern.

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