Mittelstandsanleihen: „Ist das Kapital eingesammelt, ist erstmal Ruhe“

Mittelstandsanleihen
„Ist das Kapital eingesammelt, ist erstmal Ruhe“

An den Anleihebörsen von Stuttgart, Frankfurt und Düsseldorf buhlen neben Großkonzernen auch Mittelständler um das Geld der Anleger. Doch nur wenige der Firmen verstehen die Regeln des Kapitalmarkts, zeigt eine Umfrage.
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DüsseldorfDie Vorstellungen von Unternehmen und Investoren über die Gestaltung von Mittelstandsanleihen klaffen häufig weit auseinander. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage mit Unterstützung der Frankfurt School of Finance und der Finanzierungsberatung Fox Capital. Demnach erachten viele der befragten mittelständischen Firmen die Emission einer Anleihe als interessante Alternative zum Bankkredit. Doch häufig weisen Geschäftsführer oder Finanzvorstände erhebliche Wissenslücken in Kapitalmarktfragen auf.

Vor allem mangelt es am Verständnis für das Bedürfnis der Investoren nach Transparenz und Information. „Das Wesen und die Konsequenzen einer Börsennotierung waren vielen Gesprächspartnern nicht bewusst“, berichtet Sabine Münch, Autorin der Studie und Geschäftsführerin von Fox Capital. „Der Investor selbst wurde oftmals nicht als wichtig angesehen, noch hatte man ein Gefühl für die unterschiedlichen Zielgruppen unter den Inverstoren.“

Für die Masterarbeit an der Frankfurt School of Finance befragte Münch rund 160 Unternehmen, für die der Gang an den Kapitalmarkt per festverzinstem Papier interessant sein könnte. In einem ersten Schritt stellte sie eine Liste von Kriterien auf, welche Kapitalmarktexperten für bedeutsam bei der Emission einer Anleihe halten. Dann füllten die befragten Firmen einen Fragebogen aus. Schließlich führte Münch zahlreiche Gespräche mit Geschäftsführern oder Finanzvorständen. Die Studie ist nicht repräsentativ, gibt aber einen guten Einblick in die Denke der Unternehmen.

„Einige Unternehmen gehen eine Anleihe-Emission sehr professionell an und bereiten sich gut darauf vor“, erläutert Münch. Viele machten sich aber keine Gedanken über die Zeit nach der Bond-Emission. „Bei dem Management regiert offenbar die Einstellung: Wenn das Kapital eingesammelt ist, habe ich erst mal Ruhe“, sagt Münch. „Das ist zu kurzfristig gedacht.“

Der Markt für Mittelstandsanleihen erfuhr in den vergangenen Jahren einen Boom. Vorreiter in dem Markt war die Börse Stuttgart mit BondM, auch die Handelsplätze in Frankfurt und Düsseldorf haben inzwischen bedeutende Mittelstandssegmente aufgebaut. Allerdings erlebte der noch junge Markt erhebliche Rückschläge. So gerieten einige der Emittenten in finanzielle Schieflage, waren von der Zahlungsunfähigkeit bedroht wie der Solar- und Halbleiterzulieferer SIC Processing oder rutschten gar ganz in die Pleite wie der Analgenbauer SIAG Schaaf Industrie oder der Photovoltaik-Hersteller Solarwatt.

Ingo Nolden, Anleiheexperte bei der britischen Großbank HSBC, warnte jüngst in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sogar: „Hier besteht die Gefahr einer spekulativen Blase.“ Angesichts der ersten Pleiten werden die Emittenten um das Vertrauen der Anleger ringen müssen. Doch Informationsoffenheit für Anleger ist für viele Firmen eher ein Lippenbekenntnis, wie die Umfrage von Sabine Münch zeigt. Mittelständische Betriebe lassen sich ungern in die Karten schauen und öffnen sich ungern für Investoren, sei es aus Unwissen oder Geheimniskrämerei.

Kommentare zu " Mittelstandsanleihen: „Ist das Kapital eingesammelt, ist erstmal Ruhe“"

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  • die ALBA anleihe ist auch so ein ballon.

    im grunde genommen sind mittelstandsanleihen strohhalme für unternehmen,die bei betrachtung ihrer bilanzkennzahlen von banken ihre finanzierungswünsche nicht mehr erfüllt bekommen,da das ausfallsrisiko zu hoch ist.

    hohe zinasen sind ein eindeutiges indiz

    da kann der dauerabwesende chef ein noch so hoher arbeitgeberfunktionär sein

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