Mittelstandsbonds
Der riskante Renditekick

Anleger sehen Mittelstandsanleihen als Ersatz für Aktien, heißt es in einer aktuellen Studie. Demnach gibt es bei den Anleihen teilweise eine Extra-Rendite. Doch dafür besteht auch die Gefahr eines Ausfalls.
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FrankfurtAnleger sind sich der höheren Risiken bei Mittelstandsanleihen bewusst. Das ist eines der Ergebnisse einer neuen Studie der Börse Stuttgart, gemeinsam mit dem Prüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte und der Fachhochschule Münster, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.

712 Investoren, die sich für Mittelstandsanleihen interessieren, wurden befragt; davon 85 Prozent Privatanleger. Über die Hälfte der Teilnehmer hat die Mini-Bonds, die ein durchschnittliches Volumen von rund 50 Millionen Euro besitzen, bereits im Depot - allerdings nur in geringer Stückzahl zur Diversifikation.

Denn die größte Gefahr der Anleihen sehen die Anleger im Ausfall des Emittenten. Folglich bewerten sie die Sicherheit dieser Anlageklasse schlechter als bei Standardaktien, den sogenannten Blue Chips. Der Grund dafür: In dem seit rund zwei Jahren bestehenden Markt von börsennotierten Anleihen mittelständischer Unternehmen gab es auf 51 Emissionen schon drei Unternehmenspleiten, zum Zeitpunkt der Befragung bereits die erste.

Doch neben den Risiken, sieht die Mehrheit der befragten Anleger auch größere Chancen als bei Blue-Chip-Aktien. „Es ist davon auszugehen, dass sie Mittelstandsanleihen je nach Börsensituation als Substitut für Aktien sehen“, heißt es in der Studie. Zu dem durchschnittlichen Kupon von 7,8 Prozent gibt es bei Mittelstandsanleihen teilweise noch eine Extra-Rendite, weil die Papiere unter ihrem Nennwert gehandelt werden. Starke Kurssprünge sind jedoch am Markt keine Seltenheit.

Dazu passt, dass die Mehrheit der Befragten das Risikoprofil „ausgewogen, Tendenz chancenorientiert“ hat, nur zwei Prozent sind „sicherheitsorientiert“. Zudem haben 85 Prozent eine Kapitalmarkterfahrung von fünf Jahren und mehr, treffen Investitionsentscheidungen ohne Berater und informieren sich selbst.

Die Anlage wird vorwiegend nach Renditegesichtspunkten und Unternehmensmerkmalen wie Rentabilität, Eigenkapitalausstattung, Geschäftszweck, Mittelverwendung und Ratingnote getroffen. Daher ist die Informationsbeschaffung wichtig. „Privatanleger benötigen verlässliche und aktuelle Informationsquellen im Internet. Alle dauerhaft an Mittelstandsanleihen interessierten Emittenten und Dienstleister sollten ein Interesse haben, diese bereitzustellen“, erläutert Heinz-Gerd Bordemann von der Fachhochschule Münster.

Die Qualität und Verlässlichkeit der Ratings muss für die Mehrheit der institutionellen Anleger (nur diese wurden befragt) allerdings noch unter Beweis gestellt werden. Die bisherigen Noten bei Emission liegen fast ausschließlich im BBB- oder BB-Bereich und besitzen deshalb höchstens eine mittlere Investmentqualität. Preisbildung und Liquidität sind die Schwachpunkte des Sekundärmarkts aus Sicht von Großinvestoren, die Informationsversorgung (Qualität, Aktualität und Umfang) aus Sicht der Privatanleger.

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