Mögliche Marktmanipulation
BaFin lässt Bondhändler aufatmen

Wenige Tage vor dem Jahresende hat sich ein möglicher Skandal um Preismanipulationen im Börsenhandel mit Unternehmensanleihen in Luft aufgelöst. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hatte seit April 374 Fälle an der Frankfurter Wertpapierbörse unter die Lupe genommen, bei denen es zum Jahreswechsel 2008/2009 ungewöhnlich hohe Kursschwankungen gab. Nun gab die BaFin Entwarnung.
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FRANKFURT. "Wir haben jeden einzelnen Fall genau untersucht, aber keine Anhaltspunkte für eine Marktmanipulation gefunden", sagte eine Sprecherin der Behörde. Die Kurse von Unternehmensanleihen schwanken pro Tag üblicherweise um weniger als ein halbes Prozent. Am letzten Handelstag des vergangenen Jahres waren die Kurse von 374 Firmenbonds indes um mehr als zehn Prozent von ihren Durchschnittspreisen der Vorwoche abgewichen. Bei einzelnen Bonds lagen die Abweichungen bei 50 Prozent. Erste entsprechende Fälle hatte die für die Frankfurter Wertpapierbörse zuständige Handelsüberwachungsstelle der BaFin schon im Januar gemeldet.

Verweis auf außerbörslichen Handel

Die BaFin erklärte die Kurssprünge am Montag damit, dass auch die Kurse an den Referenzmärkten stark geschwankt hätten. Gemeint ist damit vor allem der außerbörsliche Handel OTC-Handel mit Unternehmensanleihen am Telefon oder über elektronische Handelsplattformen. Bis zu 80 Prozent des Handels mit Unternehmensanleihen entfallen auf diese OTC-Geschäfte. Für die an der Börse zugelassenen Skontroführer, die regelmäßig Kurse für Unternehmensanleihen stellen, spielen die OTC-Märkte eine wichtige Rolle.

Außerdem erklärte die BaFin die Kursschwankungen mit tatsächlichen Kauf- und Verkaufsaufträgen. Diese habe es vor allem von Privatanlegern gegeben. Eine Rolle spielte dabei die seit 2009 geltende Abgeltungssteuer. Wer zuvor noch Anleihen kaufte, musste Kursgewinne bei Bonds nicht versteuern, wenn er die Zinspapiere länger als zwölf Monate hielt. Andere Privatanleger hätten Anleihen massiv verkauft, um Verluste zu realisieren und diese steuerlich geltend machen zu können, so die BaFin.

Der Verdacht der Marktmanipulation hatte sich zunächst aufgedrängt, weil Banken, Fondsgesellschaften, Versicherer, Pensionskassen und Unternehmen zu Stichtagen wie dem Jahresultimo die Kurse der Wertpapiere in ihren Portfolios ausweisen müssen. Dabei gibt es im Sinne einer Bilanzkosmetik Interesse an möglichst hohen Kursen.

Die BaFin monierte am Montag lediglich, dass es in über 200 Fällen Anhaltspunkte dafür gegeben habe, dass die Skontroführer die Kurszusätze "Geld (G)" oder "Brief (B)" verwendet hätten, ohne dass es entsprechende Kauf- oder Verkaufsaufträge in den Büchern gegeben habe. Nach Angaben eines Sprechers des Hessischen Wirtschaftsministeriums, bei dem die Börsenaufsicht angesiedelt ist, widersprach dies allerdings nicht dem Regelwerk. Dieses habe indes "Spielräume" gelassen, die jetzt konkretisiert wurden.

Regelwerk angepasst

So gelten seit einer Woche an der Frankfurter Wertpapierbörse neue Regeln. Sie betreffen Kursfestellungen, die ohne Umsätze zustande kommen und von den Skontroführern geschätzt werden. Diese „umsatzlose Bewertungspreise“ dürfen bei Anleihen nur dann fünf Prozent vom letzten festgestellten Kurs abweichen, wenn die Handelsüberwachungsstelle dies geprüft und genehmigt hat. Zudem dürfen Skontroführer Kurse ohne Umsätze nur noch taxieren, wenn sie konkrete Volumina für Geschäfte angeben, die bei dem geschätzten Kurs zustande kommen würden.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

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