Mögliche Trendwende bei Firmenbonds
Angst vor Bond-Krise wächst

Die Risikoaufschläge für Unternehmensbonds bleiben weiterhin sehr niedrig. Experten befürchten jedoch Zahlungsausfälle. Zudem habe sich „definitiv eine Kursblase“ gebildet, deren Kollaps in naher Zunkunft drohe. Schuld soll der sorglose Umgang mit Investitionen sein.

LONDON. An den internationalen Anleihe- und Kreditmärkten nimmt die Furcht vor dem Platzen einer Kursblase zu. Noch immer liegen die Risikoaufschläge für Unternehmensbonds auf historischen Tiefständen, genau wie die Zahlungsausfälle. Doch die Zahl der Skeptiker, die fürchtet, dass sich das bald ändern wird, wächst.

In dieser Woche warnte Keith McGregor von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, dass sich am Markt für Firmenbonds „definitiv eine Kursblase“ gebildet habe. Willem Sels, Leiter des Credit Research von Dresdner Kleinwort, rechnet mit einer Trendwende im kommenden Jahr. Seiner Meinung nach verhalten sich die Investoren „viel zu sorglos“.

Die Ratingagentur Standard & Poor’s sagt Anlegern, die ihr Geld in so genannte Payment in Kind Notes (Pik) investiert haben, „schlaflose Nächte“ voraus. Bei den Pik-Notes handelt es sich um besonders riskante Schuldeninstrumente, die unter anderem zur Finanzierung von Übernahmen durch Beteiligungsgesellschaften eingesetzt werden. Bereits seit Anfang 2006 warnen Experten wie die Analysten von Morgan Stanley vor einer überfälligen Trendwende am Markt für Unternehmensanleihen und syndizierten Krediten. Vor allem die immer ehrgeizigeren Kreditfinanzierungen für Übernahmen durch Private–Equity-Investoren schüren die Angst vor einem Kollaps. So warnte die Beratungsgesellschaft Alix vor wenigen Wochen, dass bis 2008 Beteiligungsfinanzierungen mit einem Wert von 30 Mrd. Euro platzen könnten. Dass die Furcht berechtigt ist, zeigten vor dem Wochenende die Nachrichten über die britische Druckerei Polestar. Das Unternehmen, das mehrheitlich der Beteiligungsgesellschaft Investcorp gehört, konnte nur durch eine Umschuldung in letzter Minute vor dem Zusammenbruch gerettet werden. Investcorp und die Gläubiger, zu denen auch die Deutsche Bank gehört, sollen nach Informationen aus Finanzkreisen dadurch 700 Mill. Pfund verloren haben.

In Deutschland sorgte der Fall des Autozulieferers Kiekert für Aufsehen. Um das angeschlagene Unternehmen zu retten, zog sich der Finanzinvestor Permira zurück und verzichtete auf Darlehen in Höhe von 145 Mill. Euro.

Zur Angst vor Private-Equity-Pleiten gesellt sich die Furcht, dass Probleme bei einigen großen Schuldnern zu einem Kurssturz bei Unternehmensanleihen führen könnten – so wie Mitte 2005, als die Ratingagenturen die Bonität der Autohersteller General Motors und Ford auf Ramschstatus herabgestuft hatten.

Dresdner-Analyst Sels warnt, dass 2007 die Risikoaufschläge für Unternehmensbonds gegenüber sicheren Staatsanleihen deutlich steigen könnten. Dadurch würden sich die bislang günstigen Finanzierungsbedingungen für Unternehmen verschlechtern. In der Folge könnten weitere hoch verschuldete Beteiligungen von Private-Equity-Investoren in Schwierigkeiten geraten.

Bislang rechnet der DresdnerAnalyst mit einer Erhöhung der Risikoaufschläge um mindesten 15 Basispunkte am Anleihe- und Kreditmarkt. Doch auch ein düstereres Szenario ist möglich. Die wichtigste Variable in Sels Modellen ist die Entwicklung der US-amerikanischen Wirtschaft. Die Volkswirte der Dresdner Bank befürchten, dass sich das Wachstum der US-Ökonomie 2007 in zwei aufeinander folgenden Quartalen auf bis zu 1,5 Prozent abkühlen wird. Sollte dies tatsächlich eintreten, rechnet Sels mit einem deutlich schärferen Anstieg der Risikoaufschläge.

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