Moody's Emittenten-Rating
Kreditwürdigkeit europäischer Firmen verschlechtert sich

Die Ratingagentur Moody’s Investors Service geht davon aus, dass in diesem Jahr insgesamt mehr Emittenten von Anleihen in Europa ein schlechteres als ein besseres Rating bekommen werden.

HB FRANKFURT. Im dritten Quartal stufte die Ratingagentur die Kreditwürdigkeit von 34 Emittenten nach unten. Dem gegenüber standen nur 14 Heraufstufungen. Schon in den ersten beiden Quartalen gab es mehr Herab- als Heraufstufungen, die Lage hat sich aber seit Juni deutlich verschärft.

„2006 dürfte das erste Jahr seit 2003 mit einer durchweg negativen Entwicklung sein“, sagte Andreas Zazzarelli, Volkswirt bei Moody’s, in einer Telefonkonferenz. Bis Mitte nächsten Jahres werde sich dieser Trend voraussichtlich fortsetzen. Das lässt sich schon daran absehen, dass mehr Emittenten einen negativen als einen positiven Ratingausblick haben.

Betroffen von den Herabstufungen sind vor allem Unternehmen abseits der Bankenbranche. Zu den „Fallen Angels“, also den Unternehmen, deren Ratings aus dem sicheren Bereich Investment-Grade in den unsicheren Bereich Non-Investment-Grade abgestuft wurden, gehören der niederländische Marktforschungs- und Verlagskonzern VNU und der britische Flughafenbetreiber BAA. VNU hatten Finanzinvestoren übernommen, BAA gehört inzwischen zur spanischen Ferrovial-Gruppe. Den Sprung in den Bereich Investment-Grade schafften als so genannte „Rising Stars“ unter anderem der schweizerische Industriekonzern ABB und der französische Elektrokonzern Legrand. Moody’s erklärte die unter dem Strich schlechtere Kreditqualität vor allem mit den steigenden Fusionen und Übernahmen. Außerdem schlage sich die restriktive Geldpolitik, sprich die Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB), negativ auf die Firmenbilanzen durch, meinte Paul Guest, Chefvolkswirt von Moody’s.

Die Agentur geht aber davon aus, dass kurzfristig belastende Investitionen die Firmen längerfristig rentabler machen und sich so positiv auf die Ratings auswirken.

Anders sieht die Lage bei kreditfinanzierten Übernahmen aus, bei denen Private-Equity-Häuser den Kauf eines Unternehmens durch dessen Überschuldung finanzieren. Gerade mit Blick auf das gestiegene Zinsniveau werde sich die Bonität dieser Firmen mit Ratings im unsicheren Non-Investment-Grade noch weiter verschlechtern. Deshalb sei künftig auch mit einer steigenden Ausfallquote zu rechnen. In den vergangenen Jahren gab es fast keine Ausfälle am europäischen Bondmarkt.

Sollte die Ausfallrate wieder steigen, wird das nach Ansicht von Moody’s auch die Renditen von Junk-Bonds, also Firmenanleihen mit schlechten Ratings, wieder steigen lassen.

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