Moody's senkt Ausblick Ratingagentur knöpft sich Deutschland vor

Die Ratingagentur Moody's droht Deutschland mit Herabstufung. Sie setzt den Ausblick für die Kreditwürdigkeit auf negativ. Auch die Niederlande und Luxemburg sind betroffen. Das Bundesfinanzministerium reagiert umgehend.
Update: 24.07.2012 - 06:10 Uhr 42 Kommentare
huGO-BildID: 27173428 ARCHIV: Das Firmenlogo der Ratingagentur Moody's in New York. Quelle: dapd

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(Foto: dapd)

London/Washington/New YorkDie Ratingagentur Moody's hat den Ausblick für die Kreditwürdigkeit Deutschlands auf "negativ" herabgestuft. Grund dafür seien mögliche weitere, hohe finanzielle Kosten im Gefolge der Euro-Krise für Griechenland, Spanien und Italien, erklärte die Agentur am späten Montagabend. Solche Kosten müssten dann vor allem wirtschaftlich starke Länder wie Deutschland als größte Volkswirtschaft der Euro-Zone schultern, hieß es. Auch der Ausblick für die Niederlande und Luxemburg wurde auf "negativ" gesenkt. Bei der Kreditwürdigkeit als solcher behielt Deutschland aber auch bei Moody's nach wie vor die Bestnote, die es auch bei den anderen beiden großen Ratingagenturen innehat.
Das Bundesfinanzministerium reagierte umgehend und betonte, Deutschland bleibe weiter Stabilitätsanker in der Euro-Zone. Man befinde sich auch weiter in einer sehr soliden wirtschaftlichen und finanziellen Lage. Die Einschätzung von Moody's stelle die kurzfristigen Risiken in den Vordergrund, während längerfristige Stabilisierungsaussichten unerwähnt blieben.

Am Geldmarkt kamen die Nachrichten nicht gut an. Der Euro verlor gut 0,2 Prozent, hielt sich mit etwas über 1,21 Dollar aber über dem Zweijahres-Tief von 1,2067 vom Montag. An der Aktienbörse in Tokio verlor der Leitindex Nikkei 0,7 Prozent. Allerdings nannten Händler nicht den geänderten Moody's-Ausblick als Grund, sondern weiter die zugespitzte Lage in Spanien. Die US-Börsen hatten am Montag ebenfalls nachgegeben, was aber ebenfalls auf Spanien und Griechenland zurückgeführt wurde. Die Moody's-Mitteilung kam erst nach US-Börsenschluss.

Moody's erklärte, es sei inzwischen wahrscheinlicher geworden, dass Griechenland die Euro-Zone verlassen könnte. Das könne zu einer ganzen Kette von Schocks an den Finanzmärkten führen, die die Politik nur zu sehr hohen Kosten eindämmen könnten. Zudem könne es sein, dass Deutschland und andere Länder mit der Spitzen-Bonität "Aaa" ihre Unterstützung für angeschlagene Euro-Länder wie Spanien und Italien aufstocken müssten. Die Hauptlast für eine solche Stützung würde auf die stärkeren Staaten der Euro-Zone fallen. Das spiegele sich nun in dem von "stabil" auf "negativ" geänderten Ausblick wider.

Die Hauptlast der Euro-Rettung
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42 Kommentare zu "Moody's senkt Ausblick: Ratingagentur knöpft sich Deutschland vor"

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  • Versagen tun hier nicht nur die Regierungen und Ratingagenturen. Das ganze System versagt: Presse, Bevölkerung, Wirtschaft.
    Die einzigen, die hier nicht versagen sind die Banken und ihre Lobby. Die haben die Regierungen heute voll im Griff und lassen diese voll nach ihrer Nase tanzen.
    Warum sollen Banken nicht insolvent gehen. Das ist kein Beinbruch. Auch bei großen nicht. Das klärt das System und fördert Verantwortung. Es ist schon Wahnsinn. Wenn bei uns Unternehmern die Zahlen nicht stimmen, dann gibt es sofort Stress und am Liebsten die persönliche Haftung des Unternehmers. Da sind die Banken ganz schnell. Und heute gibt es ja fast keinen Kredit mehr ohne persönliche Haftung. Wenn es aber um die Haftung der Banken bzw. deren Aktionäre und Gläubiger geht, dann ist plötzlich Totenstille. Eine scheinheilige Branche. Wenn es nicht so traurig wäre und mal wieder der kleine Mann die Zeche zahlen wird.

  • Moodys liegt schon alleine deshalb vollkommen richtig, weil in Deutschland weit und breit nicht ansatzweise ein Politiker von Format existiert, der die Situation nur näherungsweise treffend analysiert - von Lösungsansätzen ganz zu schweigen!

    Wer sollte den Wahn stoppen???

  • Noch etwas zu Moodys und Co:

    Wenn heute der Analyst einer Investmentbank eine Empfehlung für das Wertpapier eines Unternehmens abgibt, folgt dem immer ein Hinweis darauf, in welcher Form diese Investmentbank selbst in Verbindung mit diesem Unternehmen steht. Warum müssen nicht auch Ratingagenturen deren Interessen aufdecken ?

    Es ist mittlerweile einigermaßen bekannt, daß diese US-amerikanische Ratingagenturen eine Verbindung zur Politik haben. Diese Verbindung besteht nicht nur in Form von Beziehungen, sondern es ist tatsächlich so, daß Familienangehörigen US-amerikanischer Politiker in den Gremien dieser Agenturen sitzen.

    Es ist eine Aufgabe des europäischen Journalismus auf diesen Umstand in einer Form hinzuweisen, daß das jeder weiß. Aber leider erschöpft sich Journalismus heute in der Weitergabe von irgendwelchen Informationen. Recherche ist anstrengend und lohnt sich nicht.

  • Es ist logisch und konsequent den Ausblick zu senken. Der Schuldenflächenbrand wird jeden Tag schlimmer. Feuer bekämpft man mit Wasser, Schulden nicht mit neuen Schulden. Die Agenturen preisen nur die Möglichkeit des Durchwinkens des ESM durch das BVG ein. Nimmt der ESM seine Arbeit auf, ist das gleichzusetzen mit der Freigabe zur Plünderung der deutschen Staatskasse. Dann kommt die echte Herabstufung. Wir haben einen gefährlichen Finanzminister!

  • Die Macht in der Welt wird neu verteilt. Die Amerikaner fürchten um ihre Vormachtstellung. Auf der einen Seite die Chinesen und auch Europa hat sich formiert. Die USA müssen sich dagegen wehren.

    Wie also können die USA Europa "diplomatisch richtig verpackt" angreifen ? Die Ratingagenturen scheinen ein perfektes Instrument zu sein. Die sind den USA ja seit der Immobilienkrise ja einiges "schuldig". Ein Deal ?

    Jedenfalls sind sie damit erfolgreich. Alle rennen hinten nach mit der Auswirkung, daß vor allem die Länder in der europäischen Peripherie -zig und auf längere Sicht hunderte Milliarden an überhöhten Zinsen zahlen müssen. In Deutschland haben sich auch 150 "Ökonomen" gefunden, die mitrennen. Und diese "Experten" werden durch das Downgrade durch Moodys jetzt auch noch bestärkt. Der Alt-68er Mr. Sinn kann sich jetzt mit stolzgeschwellter Brust vor uns alle hinstellen und sagen: "Ich habe es gewußt". Und seine Fangemeinde wird Hurra schreien. Ob das gut für Deutschland und Europa ist, steht auf einem anderen Papier. Aber Mr. Sinn ist seiner "Selbstverwirklichung" ein Stück näher gekommen. Ich persönlich finde halt, daß uns diese Art der Selbstbefriedigung ein bißchen zu teuer kommt.

  • Im Moment bekommen sie eine Negativrendite.Und bis "A- mit stabilem Ausblick",darf investiert werden.Wenn jetzt also,was ich nicht glaube,die Zinsen anziehen,wäre das nur gut für die Sparer .

  • Der Austritt Griechenlands aus der Eurozone ist kein "Schock". Er muss niemandem Angst machen. Sondern er ist das beste Heilmittel, dass die Eurozone zu ihrer Gesundung hat. Wartet keinen Tag mehr mit dem Rauswurf Griechenlands. Das ist gut für die Bonität aller anderer Staaten in der Eurozone. Und wenn es dafür noch keine Rechtsgrundlage gibt, dann wisst Ihr, was Ihr seit den 90er Jahren falsch gemacht habt.

  • http://suite101.de/article/ratingagenturen---die-macht-der-gesetzlosen-a117976

  • Dieses Rating gilt unseren Politikern. Allen voran unserem Wirtschaftsminister. Wer soll denn dieser Regierung noch vertrauen, wenn der Finanzminister "Hü" sagt und der Wirtschaftsminister "Hott".

  • Die Herabstufung ist nicht willkürlich sondern ein Ergebnis der Analyse der Schäuble-Merkel-Geheimhaltungseuropapolitik. Es zeichnet sich immer deutlicher die Stunde der Euro-Bonds ab, gemeinsame Schulden machen die Suppe eben für alle dünner.... Aber der negative Ausblick hat nicht zwangsläufig eine negative Entwicklung zur Folge, entscheidend ist jetzt die Gestaltung Europa-Politik und die Kooperation der europäischen Staaten. Für alle Fälle haben wir ja noch die BVG-Notbremse in zwei Monaten um Italien, Frankreich und Spanien wieder auf Kurs zu bringen. Tricksen die drei weiter, dann wird es böse --- für die drei.

    Alles nicht so wild....

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