Moody's senkt Ausblick
Ratingagentur knöpft sich Deutschland vor

Die Ratingagentur Moody's droht Deutschland mit Herabstufung. Sie setzt den Ausblick für die Kreditwürdigkeit auf negativ. Auch die Niederlande und Luxemburg sind betroffen. Das Bundesfinanzministerium reagiert umgehend.
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London/Washington/New YorkDie Ratingagentur Moody's hat den Ausblick für die Kreditwürdigkeit Deutschlands auf "negativ" herabgestuft. Grund dafür seien mögliche weitere, hohe finanzielle Kosten im Gefolge der Euro-Krise für Griechenland, Spanien und Italien, erklärte die Agentur am späten Montagabend. Solche Kosten müssten dann vor allem wirtschaftlich starke Länder wie Deutschland als größte Volkswirtschaft der Euro-Zone schultern, hieß es. Auch der Ausblick für die Niederlande und Luxemburg wurde auf "negativ" gesenkt. Bei der Kreditwürdigkeit als solcher behielt Deutschland aber auch bei Moody's nach wie vor die Bestnote, die es auch bei den anderen beiden großen Ratingagenturen innehat.
Das Bundesfinanzministerium reagierte umgehend und betonte, Deutschland bleibe weiter Stabilitätsanker in der Euro-Zone. Man befinde sich auch weiter in einer sehr soliden wirtschaftlichen und finanziellen Lage. Die Einschätzung von Moody's stelle die kurzfristigen Risiken in den Vordergrund, während längerfristige Stabilisierungsaussichten unerwähnt blieben.

Am Geldmarkt kamen die Nachrichten nicht gut an. Der Euro verlor gut 0,2 Prozent, hielt sich mit etwas über 1,21 Dollar aber über dem Zweijahres-Tief von 1,2067 vom Montag. An der Aktienbörse in Tokio verlor der Leitindex Nikkei 0,7 Prozent. Allerdings nannten Händler nicht den geänderten Moody's-Ausblick als Grund, sondern weiter die zugespitzte Lage in Spanien. Die US-Börsen hatten am Montag ebenfalls nachgegeben, was aber ebenfalls auf Spanien und Griechenland zurückgeführt wurde. Die Moody's-Mitteilung kam erst nach US-Börsenschluss.

Moody's erklärte, es sei inzwischen wahrscheinlicher geworden, dass Griechenland die Euro-Zone verlassen könnte. Das könne zu einer ganzen Kette von Schocks an den Finanzmärkten führen, die die Politik nur zu sehr hohen Kosten eindämmen könnten. Zudem könne es sein, dass Deutschland und andere Länder mit der Spitzen-Bonität "Aaa" ihre Unterstützung für angeschlagene Euro-Länder wie Spanien und Italien aufstocken müssten. Die Hauptlast für eine solche Stützung würde auf die stärkeren Staaten der Euro-Zone fallen. Das spiegele sich nun in dem von "stabil" auf "negativ" geänderten Ausblick wider.

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Die Hauptlast der Euro-Rettung

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  • Versagen tun hier nicht nur die Regierungen und Ratingagenturen. Das ganze System versagt: Presse, Bevölkerung, Wirtschaft.
    Die einzigen, die hier nicht versagen sind die Banken und ihre Lobby. Die haben die Regierungen heute voll im Griff und lassen diese voll nach ihrer Nase tanzen.
    Warum sollen Banken nicht insolvent gehen. Das ist kein Beinbruch. Auch bei großen nicht. Das klärt das System und fördert Verantwortung. Es ist schon Wahnsinn. Wenn bei uns Unternehmern die Zahlen nicht stimmen, dann gibt es sofort Stress und am Liebsten die persönliche Haftung des Unternehmers. Da sind die Banken ganz schnell. Und heute gibt es ja fast keinen Kredit mehr ohne persönliche Haftung. Wenn es aber um die Haftung der Banken bzw. deren Aktionäre und Gläubiger geht, dann ist plötzlich Totenstille. Eine scheinheilige Branche. Wenn es nicht so traurig wäre und mal wieder der kleine Mann die Zeche zahlen wird.

  • Moodys liegt schon alleine deshalb vollkommen richtig, weil in Deutschland weit und breit nicht ansatzweise ein Politiker von Format existiert, der die Situation nur näherungsweise treffend analysiert - von Lösungsansätzen ganz zu schweigen!

    Wer sollte den Wahn stoppen???

  • Noch etwas zu Moodys und Co:

    Wenn heute der Analyst einer Investmentbank eine Empfehlung für das Wertpapier eines Unternehmens abgibt, folgt dem immer ein Hinweis darauf, in welcher Form diese Investmentbank selbst in Verbindung mit diesem Unternehmen steht. Warum müssen nicht auch Ratingagenturen deren Interessen aufdecken ?

    Es ist mittlerweile einigermaßen bekannt, daß diese US-amerikanische Ratingagenturen eine Verbindung zur Politik haben. Diese Verbindung besteht nicht nur in Form von Beziehungen, sondern es ist tatsächlich so, daß Familienangehörigen US-amerikanischer Politiker in den Gremien dieser Agenturen sitzen.

    Es ist eine Aufgabe des europäischen Journalismus auf diesen Umstand in einer Form hinzuweisen, daß das jeder weiß. Aber leider erschöpft sich Journalismus heute in der Weitergabe von irgendwelchen Informationen. Recherche ist anstrengend und lohnt sich nicht.

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