Moody's-Studie
Auf eine Pleite folgt die nächste

Wenn Staaten ihren Gläubigern einen Haircut bescheren, ist es damit meist nicht getan. Nach Umschuldungen gibt es oft weitere Ausfälle in der Folgezeit, warnt die Ratingagentur Moody's.
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Angeschlagene Staaten, die ihren Gläubigern einen Haircut bescheren, durchlaufen oft noch eine zweite Restrukturierung. Davor hat Moody's Investors Service in einer neuen Studie gewarnt. Das Papier dürfte zeigen, welche Herausforderungen auf Griechenland zukommen.

Bei 30 Umschuldungen angeschlagener Länder seit 1997 gab es bei mehr als einem Drittel noch einen weiteren Ausfall in der Folgezeit, heißt es in der Studie der Ratingagentur. Den Angaben zufolge bewegten sich die Verluste für Investoren zwischen fünf und 95 Prozent, bei einem Schnitt von 47 Prozent.

“Wenn die ursprünglichen Anleiheumtausche eher klein waren im Verhältnis zu den Gesamtschulden, dann gab es noch andere Umschuldungen mit privaten und öffentlichen Gläubigern - und zwar selbst dann, wenn die Haircuts im ursprünglichen Umtausch groß ausfielen,” erklärte Elena Duggar, Group Credit Officer bei Moody's in London. Das sei der Grund, warum “die Ratings oft eher niedrig bleiben - also im Bereich von “Caa” bis “C” - nach einer erfolgten Umschuldung”.

Griechenland, das Land im Zentrum der Schuldenkrise von Europa, hat laut Moody's den bislang größten Schuldentausch in der Geschichte durchgeführt. Und das Ende ist womöglich noch nicht erreicht. Auch wenn derzeit keine Gespräche dazu laufen, so könnten etwa laut Norbert Barthle, dem Haushaltsexperten der Unionsfraktion im Bundestag, noch weitere Abschreibungen nötig werden. Moody's bewertet den griechischen Staat derzeit mit C, der allerniedrigsten Stufe.

Der luxemburgische Premierminister und Chef der Euro- Finanzministergruppe, Jean-Claude Juncker, hatte erst Dienstag Stellung zu einem immer wieder diskutierten Austritt von Griechenland aus der Eurozone bezogen. “Es wäre aus heutiger Sicht ein beherrschbarer Vorgang. Deshalb ist das noch nicht ein wünschenswerter Vorgang. Es wäre mit erheblichen Risiken verbunden, vor allem für die einfachen Menschen in Griechenland”, sagte er dem WDR. Juncker reagierte damit auf Anmerkungen des deutschen Vizekanzlers und Wirtschaftsministers Philipp Rösler. Der hatte im ARD-Sommerinterview im Juli gesagt, ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone habe “längst seinen Schrecken verloren”.

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  • Sie können davon ausgehen, dass das Fachwissen und das Interesse von Frau Merkel dafür definitiv nicht ausreicht. Die Oppositionsparteien verfolgen mit kleinen Abweichungen aber denselben Kurs wie Merkel. Wenn dieser Staat noch ein Rechtsstaat auf Verfassungsgrundlagen sein will, könnten sie Sigmar Gabriel schon mal präventiv festnehmen, da er für die Schuldenunion ist und damit auch für eine weitgehende Enteigung von dem Rest der Geldbestände der Mittelschicht.

    Mfg

  • Weder Sie noch ihr Vorredner liegen hierbei völlig korrekt. Fakt ist, dass die Geldschöpfung dem Wirtschaftswachstum vorrausgeht und sich weder an den Bedürfnissen der Realwirtschaft ausrichtet noch dass die Giralgeldschöpfung in irgendeiner Form reguliert oder begrenzt wird. Die horrenden Staatsschulden resultieren notwendigerweise aus dieser privaten Geldmengenausweitung und der damit verbundenen Inflation, die in Europa zusätzlich noch durch die Geldpolitik der Dezitländer durch die EZB.

    Die Alternativen sind vorhanden und müssen nur umgesetzt werden.

    1.) Nationale Währungen wiedereinführen
    2.) Inflationsfreies Geldsystem (Vollgeldreform), in der Banken ohne Probleme für die Kontoinhaber pleitegehen können und Spekulation verhindert wird. Es beseitigt zudem den Großteil der Staatsschulden ohne Schuldenschnitte oder Inflation.
    3.) Umwandlung der EZB zu einer europäischen Handelsbank um Bargeldtransport innerhalb der EU durch Einlagenüberschreibung von Handelspartnern
    4.) Ein Antisteuerbetrugsgesetz nach amerikanischem Vorbild (Tax Haven Abuse Act), das Geldgeschäfte und Transaktionen in Steueroasen wie z.B. die Schweiz grundsätzlich haftbar macht
    5.) Ein gerechtes Steuersystem mit steigenden Steuern bis zu 70% für Einkommens-Multimilionäre (Tide Taxation System genannt)
    6.) Einführung eines Kapitalbilanz-Ausgleichssystem nach Vorbild des von Keynes vorgeschlagenen Bancors, um importierte Geldmengeninflation vorbeugen zu können.

    Man muss nur wissen wie :-)

    Mit freundlichen Grüßen

    Ein angehender VWL-Student und besorgter Mitbürger

    PS: Steuern müssen natürlich weiterhin gezahlt werden.

  • Herr Kohl hat den vernünftigen Vertrag Target 1 ohne Haftung der einzelnen Staaten füreinander geschaffen. Frau Merkel hat daraus Target 2 mit einer Haftung von 730 Milliarden in nur 5 Jahren für Deutschland gemacht. Für diesen Unsinn werden die Deutschen noch hart mit ihr ins Gericht gehen, wenn sie endlich aufwachen. Jeden Tag wächst der Schuldenstand weiter. Wie soll das Enden für Deutschland Frau Merkel?

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