Nach dem Euro-Gipfel
Italien entgleitet das Vertrauen der Anleger

Für Italien hat der Euro-Gipfel nur eine kurze Atempause gebracht. Eine enttäuschende Anleiheauktion des Landes zeigt, wie schwach das Vertrauen der Anleger in den Schuldenstaat ist. Italien kommt das teuer zu stehen.
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DüsseldorfVertrauen sieht anders aus: Die Euro-Mitglieder haben Europas zweitgrößten Schuldenstaat dazu verpflichtet, strenger zu sparen und seinen Haushalt in Ordnung zu bringen – und trotzdem verlangen Investoren einen gehörigen Aufschlag bei der Rendite neuer Staatsanleihen.

„Um Reformen durchzusetzen, ist es wichtig, eine solide Mehrheit und Regierung zu haben“, sagte Ministerpräsident Silvio Berlusconi heute im italienischen Fernsehen. Offenbar glauben die Anleger gerade daran nicht mehr, dass Berlusconi mit seinem bröckelnden Rückhalt im eigenen Volk wie in der Eurozone das Steuer herumreißen kann. Die Ratingagenturen hatten die Kreditwürdigkeit Italiens zuletzt herabgestuft. Die Europäische Zentralbank (EZB) kauft immer wieder italienische Anleihen am Markt, um einen weiteren Zinsanstieg zu verhindern.

Italien hat am zweiten Tag nach dem Euro-Gipfel 7,93 Milliarden Euro an Anleihen an den Markt gebracht. Erhofft hatte sich der Staat sogar 8,5 Milliarden Euro an frischem Bargeld – doch die Nachfrage der Investoren reichte nicht aus. Und für die erfolgreich verkauften Papiere muss Italien so hohe Zinsen zahlen wie seit Einführung des Euro nicht mehr.

Ein Teil der Emission, Anleihen für gut drei Milliarden Euro, werden 2014 fällig. Das Preisschild: 4,93 Prozent, ein Viertel Prozentpunkt mehr als bei der letzten Auktion am 29. September. Für längerfristige Papiere muss Italien noch tiefer in die Taschen greifen: Für 871 Millionen Euro an achtjährigen Papieren muss das Schuldenland 5,81 Prozent Zinsen zahlen, drei Milliarden Euro mit Fälligkeit im Jahr 2022 lassen sich die Anleger sogar mit 6,06 Prozent verzinsen.

Am Sekundärmarkt zogen die Renditen italienischer Staatsanleihen nach der enttäuschenden Auktion wieder an. Zehnjährige Papiere rentierten mit 5,95 Prozent und damit nur noch knapp unter der kritischen Marke von sechs Prozent, der sich gegenläufig entwickelnde Kurs fiel auf 91,67 Prozent. Am Donnerstag hatten die Papiere als Reaktion auf die Gipfel-Beschlüsse der europäischen Staats- und Regierungschefs zum Teil deutlich zugelegt. Auch griechische, spanische und französische Staatstitel gaben ihre Gewinne vom Vortag zumindest in Teilen wieder ab.

Annika Reinert
Annika Williamson
Handelsblatt / Freie Mitarbeiterin

Kommentare zu " Nach dem Euro-Gipfel: Italien entgleitet das Vertrauen der Anleger"

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  • Absolut nachvollziehbar, dieser schleppende Anleihenverkauf.

    Kein Mensch kauft mehr solche Anleihen, auch nicht bei 6 % Rendite, wenn ihm stark steigende Renditen und somit massive Kursveruste drohen.

    Warum soll Italien noch sparen, wenn der griechischen Mafia einfach 50 % der Schulden erlassen werden?

    Die Bonität italienischer Anleihen ist sehr schlecht und niemand geht mehr in solche Bonds rein.

  • 200mrd Griechisches Schwarzgeld in der Schweiz, dazu kommt England, etc etc.. warum soll Deutschland bzw. der Deutsche Steuerzahler dafür zahlen?

    http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/wie_man_mit_der_schweiz_in_steuersachen_verfaehrt_1.13147302.html

  • wäre keine Lösung: Dann würde sich keiner mehr um Griechenland scheren, niemand würde denen Geld leihen (auch nach einem Staatsbankrott) dies würde zur Anarchie in Griechenland führen

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