Nach der historischen Zinssenkung
Anleihen sind extrem gefragt

Die unerwartet deutliche Zinssenkung der US-Notenbank hat die Kurse der Staatsanleihen noch weiter beflügelt. Im Gegenzug rutschte die Rendite zehnjähriger US-Anleihen gestern im frühen Handel auf das neue Rekordtief von 2,08 Prozent ab.

FRANKFURT. Die zehnjährige Bundesanleihe - Maßstab für die Entwicklung der Kapitalmarktzinsen im Euro-Raum - fiel knapp unter die Marke von drei Prozent, die sie zuletzt kurzzeitig Anfang Dezember unterschritten hatte.

Seit Jahresanfang sind die zehnjährigen Renditen in den USA um knapp die Hälfte und in Deutschland um fast ein Drittel abgesackt. Auch die Renditen anderer Euro-Länder sind im Zuge der Finanzkrise seit Jahresanfang deutlich gesunken, allerdings weniger stark als die der besonders gut handelbaren deutschen Staatsanleihen.

Trotz der schon extrem niedrigen Renditen bleiben Experten zumindest mit Sicht auf die nächsten Monate optimistisch für Staatspapiere. Angesichts des weiterverbreiteten Pessimismus im Zuge der Rezession seien Bonds nicht zu teuer, schreiben die Volkswirte von Goldman Sachs. Auch von den Notenbanken erwarten Fachleute weitere positive Impulse für die Bondmärkte. Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) werden weitere Zinssenkungen des derzeitigen Satzes von zwei Prozent erwartet, die auch die Kapitalmarktzinsen in den Euro-Ländern weiter drücken sollten.

Die US-Notenbank hat nach der Senkung des Leitzinses auf einen Korridor von 0,25 bis null Prozent zwar kaum noch Spielraum für weitere Lockerungen, trotzdem dürfte auch sie noch für positive Impulse sorgen, meint Wilson Chin, Zinsstratege bei der niederländischen Großbank ING. Der Grund: Die US-Währungshüter erwägen selbst Staatsanleihen der USA zu kaufen und wären somit ein großer Nachfrager. Unicredit-Chefvolkswirt Marco Annunziata geht davon aus, dass allein die Möglichkeit direkter Treasury-Ankäufe durch die Fed die Rendite zehnjähriger Papiere auf bis zu 1,5 Prozent drücken könnte. Für die zehnjährige Bundesanleihe prognostiziert Unicredit einen Fall der Rendite auf historisch niedrige 2,2 Prozent.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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