Nach der Wahl: Zinsen für frisches Geld steigen

Nach der Wahl
Zinsen für frisches Geld steigen

Italien konnte bei einer Anleihenauktion wie geplant frischen Geld einsammeln. Allerdings ging die Nachfrage zurück und die Zinsen stiegen. In ganz Europa hatten die Wahlen Auswirkungen auf die Märkte.
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Rom Der drohende politische Stillstand hat die Zinskosten Italiens spürbar erhöht. Bei einer Versteigerung staatlicher Schuldtitel mit einer Laufzeit von einem halben Jahr stieg die zu zahlende Rendite auf 1,24 Prozent, wie die italienische Notenbank am Dienstag in Rom mitteilte. Das ist rund ein halber Prozentpunkt mehr als bei einer vergleichbaren Auktion Ende Januar. Das Ergebnis folgt der Entwicklung im freien Handel, wo die Risikoaufschläge italienischer zu deutschen Staatsanleihen deutlich zulegten.

Trotz der politischen Pattsituation in Italien gelang es dem Land allerdings, mit 8,75 Milliarden Euro so viel Geld wie geplant einzusammeln. Die Nachfrage war jedoch leicht rückläufig. Die Auktion galt als Test für eine am Mittwoch anstehende Versteigerung langlaufender Anleihen im Volumen von 6,5 Milliarden Euro. Italien versucht ausgerechnet in der turbulenten Wahlwoche Staatspapiere im Gesamtvolumen von fast 20 Milliarden Euro zu platzieren. Bereits am Montag hatte das Land den Investoren höhere Zinsen für Staatsanleihen zahlen müssen.

Am Mittwoch will das Land zudem fünf- und zehnjährige Anleihen am Markt unterbringen. Das Volumen soll bei bis zu 6,5 Milliarden Euro liegen. Zuletzt rentierten zehnjährige Bonds 39 Basispunkte höher bei 4,87 Prozent.

Der Euro fiel auf ein Sechs-Wochen-Tief, die Kurse der italienischen Staatsanleihen gaben nach. Hingegen stiegen die Kurse von deutschen Bundesanleihen und US-Treasuries. Italien hat nach Griechenland die zweithöchste Staatsverschuldung in Europa- sie beläuft sich auf 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das Finanzministerium muss dieses Jahr monatlich Geldmarktpapiere und Anleihen im Volumen von über 30 Milliarden Euro am Markt unterbringen.

“Ethisch, politisch, ideologisch und persönlich gibt es keinen Weg, eine dauerhafte Koalition zu schmieden, daher erscheinen Neuwahlen unvermeidlich”, schrieb James Walston, Professor für Politikwissenschaft an der American University in Rom, per E-Mail.

Sollte Bersani keine Koalition zustande bringen, dürfte Staatspräsident Giorgio Napolitano einen Übergangsministerpräsidenten berufen, um dringende Reformen durchzubringen, oder Neuwahlen ausrufen. Falls die gemäßigteren Parteien die Probleme nicht angehen, dürften bei Neuwahlen die populistischen Parteien noch besser abschneiden, erwartet Walston, was schlimmstenfalls das gesamte Euro-System gefährden könnte.

Der Wahlausgang hatte auch Auswirkungen auf die Anleihen anderer Euro-Länder. Die deutschen Bundesanleihen haben am Dienstag deutlich zugelegt. Die relative Sicherheit der Papiere war nach dem unklaren Wahlausgang in Italien wieder stärker gefragt. Italienische und spanische Bonds verzeichneten dagegen kräftige Kursverluste. Die Rendite der zehnjährigen Bundeanleihen sank um neun Basispunkte auf 1,48 Prozent. Der Terminkontrakt Bund-Future stieg um 130 Basispunkte auf 144,65 Prozent. Am Markt für US-Staatsanleihen sind die Kurse nach anfänglichen Gewinnen gesunken. Die Rendite der zehnjährigen Treasuries lag zuletzt bei 1,88 Prozent zwei Basispunkte höher. Investoren spekulieren, dass die US-Ausgabenkürzungen ab dem 1. März die Wirtschaft des Landes belasten werden.

In Südeuropa hat sich die Situation an den Anleihemärkten hingegen verschärft. In Portugal erhöhte sich die Rendite zweijähriger Staatsanleihen am Dienstagvormittag um 0,8 Prozentpunkte auf 3,7 Prozent. In Spanien stieg der Effektivzins um jeweils knapp 0,4 Punkte auf 2,07 und 2,95 Prozent. Zehnjährige Anleihen rentierten in Spanien etwa 0,4 Punkte höher bei 5,5 Prozent.

Am Primärmarkt will der Rettungsschirm EFSF dem Vernehmen nach dreijährige Anleihen im Benchmarkvolumen anbieten. Die Rendite dürfte im Bereich von fünf Basispunkten über dem mittleren Swapsatz festgelegt werden.


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Bloomberg / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Die Investoren hätten es eigentlich in der Hand, um die Politiker auf den Weg der Tugend zu bringen. Schickt die Mediaset Aktien in den Keller, so wie die Indizes und den Euro. Das würde Berlusconi gar nicht gefallen, da müsste er die Hosen runter lassen.

  • Deutschland sollte aus der EU austreten und die Nord- und Mitteleuropäer ebenfalls dazu auffordern (...)

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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