Nach der Zamek-Pleite
Düsseldorfer Börse vergeht die Lust am Karneval

Eigentlich wollte sich die Düsseldorfer Börse ordentlich ins Narrengetümmel mischen. Doch jetzt hat sie ihre Teilnahme auf dem Mottowagen des deutschen Mittelstands abgesagt. Börsenchef Elberskirch hat triftige Gründe.
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DüsseldorfDer Zeitpunkt könnte ungünstiger nicht sein: Ausgerechnet in der Woche, in dem sich acht deutsche Mittelständler rüsten, auf einem eigenen Mottowagen beim Düsseldorfer Rosenmontagszug ihre Anleihen zu bewerben, ausgerechnet da meldet der Düsseldorfer Lebensmittelhersteller und Anleiheemittent Zamek Insolvenz an. Anleger bangen nun um Einlagen in Höhe von insgesamt 45 Millionen Euro.

Als Handelsplatz für Mittelstandsanleihen zieht die Düsseldorfer Börse nun Konsequenzen aus den jüngsten Geschehnissen. Ihre Teilnahme auf dem Mottowagen, initiiert von der Düsseldorfer Artus Vermögensverwaltung, hat die Börse abgesagt. „Wir halten den Auftritt für uns als Börse jetzt für unpassend“, sagte Vorstand Dirk Elberskirch auf Nachfrage. Man könne nicht mit Kamelle werfen und feiern, wenn ein lokales Traditionsunternehmen, das darüber hinaus noch an der Düsseldorfer Börse gelistet sei, seine Geschäftstätigkeit möglicherweise einstellen müsse.

Die Absage sei eine Handlung aus Respekt heraus. Vom eigentlichen Thema des Mottowagens, der schwierigen Finanzierungssituation von Mittelständlern, wolle man sich dagegen nicht distanzieren. „Die Mittelstandsfinanzierung ist ein dauerhaft wichtiges Thema“, hatte Elberskirch noch in der vergangenen Woche gegenüber Handelsblatt Online erklärt. Dazu stehe er auch jetzt noch, allerdings räumt der Börsenvorstand auch ein, dass sich das Segment der Mittelstandsanleihen noch weiter entwickeln müsse.

Tatsächlich hatte der Ruf der sogenannten Minibonds zuletzt stark gelitten. Schuld daran sind zahlreiche Unternehmenspleiten: Allein 2013 seien zehn Anleihen mit einem platzierten Anleihevolumen von 380 Millionen Euro ausgefallen, berichtet die Ratingagentur Scope. Fast jeder achte Euro, den Anleger in die Minibonds investiert haben, landete demnach in einer Pleitefirma.

Anlegeranwalt Klaus Nieding rechnet mit weiteren Pleiten. „Das geht munter weiter. Es werden sicher weitere Unternehmen in Schwierigkeiten geraten“, sagt der Experte für Anlegerrecht von der Nieding + Barth Rechtsanwaltsaktiengesellschaft. Lange Zeit seien Regeln zu lax gewesen und finanziell schwach aufgestellte Firmen konnten an den Markt gehen.

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