Nach drastischsten Ratingaktionen aller Zeiten
Die Angst vor der Kettenreaktion

Die Subprime-Krise zieht immer weitere Kreise: Der Angstvirus der Besitzer von Unternehmensanleihen und Derivaten schon lange befallen hat, droht jetzt auf die weltweiten Aktienmärkte überzugreifen. Auslöser sind die sich zuspitzenden Probleme auf dem US-Immobilienmarkt im Allgemeinen und auf dem Markt für zweitklassige private Hypothekenschuldner im Besonderen.

FRANKFURT. Selten hatten Strategen für Unternehmensanleihen und Derivate so viel zu tun wie in diesen Tagen. Denn nicht nur die Investoren in festverzinslichen Wertpapiere interessieren sich aktuell brennend für die Meinung der Experten für so genannte Credits. "Wir bekommen viele Anfragen von Aktienanlegern, die sich Sorgen um die Entwicklung der Finanzierungskosten für Unternehmen machen", erzählt Willem Sels, leitender Credit-Stratege bei Dresdner Kleinwort, der Investmentbank-Tochter der Allianz.

Bereits im März gingen zahlreiche Baufinanzierer in den USA, die sich auf die bonitätsschwachen Hausbauer konzentriert hatten in die Knie. Fallende Immobilienpreise auf der einen und steigende Zinsen auf der anderen Seite ließen die Ausfallraten bei den Krediten der wenig zahlungskräftigen Hypothekennehmer drastisch steigen.

Hauptproblem ist, dass die Risiken aus den Subprime-Hypotheken in vielen Portfolios professioneller Anleger wie Hedge-Fonds, Banken und auch Publikumsfonds schlummern. Der Grund: Die entsprechenden Kredite wurden in großem Stil in spezielle strukturierte Anleihen und damit in handelbare Wertpapiere verpackt und weiterverkauft. Dabei dienen die Kredite als Besicherung für die Anleihen. Die steigenden Zahlungsausfälle lassen aber auch die Ausfallwahrscheinlichkeiten der entsprechenden Anleihen steigen, vor allem die derjenigen Tranchen, die schon per Definition leichter von einem Zahlungsausfall bedroht sind.

Das hat jetzt auch die Ratingagenturen auf den Plan gerufen, die die Kreditwürdigkeit von Anleiheemittenten und einzelnen Emissionen und Tranchen bewerten. Standard & Poor?s (S&P) kündigte am Dienstag an, die Bonitätsnoten von mit Subprime-Hypotheken besicherten Anleihen über insgesamt zwölf Milliarden Dollar herabzustufen, Moody?s zog am späten Abend die Notbremse bei ähnlichen Papieren über gut fünf Milliarden Dollar. So drastische Ratingaktionen gab es bislang noch nie. "Und das ist erst der Anfang", meint Philip Gisdakis, Stratege für strukturierte Anleihen bei Unicredit. Die direkten ökonomischen Auswirkungen der Krise seien zwar noch nicht besonders hoch, aber Bremseffekte in der US-Wirtschaft möglich.

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