Nach ESM-Urteil
Deutschland muss deutlich höhere Zinsen zahlen

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Rettungsschirm beschert Bundesanleihen deutliche Verluste. Außerdem muss die Bundesrepublik mehr Zinsen für neue Anleihen bieten. Spanien und Italien profitieren.
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Deutschland muss nach dem grünen Licht des Bundesverfassungsgerichts für den Euro-Rettungsschirm ESM höhere Zinsen für frisches Geld zahlen. Die Versteigerung von Bundesobligationen mit fünfjähriger Laufzeit spülte knapp vier Milliarden Euro in die Staatskasse, wie die für das Schuldenmanagement des Bundes zuständige Finanzagentur am Mittwoch mitteilte. Die Durchschnittsrendite verdoppelte sich nahezu auf 0,61 Prozent. Im August war sie noch auf das Rekordtief von 0,31 Prozent gefallen. Trotz der höheren Rendite ließ die Nachfrage nach: Die Versteigerung war 1,4-fach überzeichnet, im August war sie es noch 2,6-fach.

"Das Ergebnis ist für den Bund als wirtschaftlich gut zu bewerten", sagte ein Sprecher der Finanzagentur. Experten führten die steigende Rendite und die schwächere Nachfrage auch auf die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes zurück, die riskantere Anlagen wie Aktien und Anleihen von Krisenländern attraktiver macht. "Der Appetit auf deutsche Staatsanleihen lässt nach", sagte Nick Stamenkovic von RIA Capital Markets. "Wenn die Spannungen in der Währungsunion nachlassen, dann verlieren die als sicherer Hafen geltenden deutschen Bonds an Anziehungskraft."
Auch am Markt stiegen die Zinsen für deutsche Anleihen nach dem Gerichtsurteil spürbar. Für fünfjährige Bonds kletterten sie auf 0,52 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit Anfang Juli.

Dagegen fielen die Renditen von Staatsanleihen der Krisenländer. Italien sammelte problemlos eine Milliarden Euro ein. Der Zins für die einjährigen Bonds fiel auf 1,69 Prozent, nachdem er im August noch 2,77 Prozent betragen hatte. Im Juni waren es noch fast vier Prozent. "Die Euro-Zone erhält jetzt einen zweiten wichtiger Stützpfeiler in ihrer Architektur - mit dem ESM und Fiskalpakt auf der einen Seite sowie den EZB-Anleihenkäufen auf der anderen Seite", sagte UniCredit-Ökonom Andreas Rees. "Diese beiden Stützen werden die Finanzmärkte beruhigen. Viele Krisenländer erhalten jetzt Zeit, um ihre Reformen voranzubringen."

Am Sekundärmarkt verzeichneten deutsche Bundesanleihen deutliche Kursverluste. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen lag zuletzt sieben Basispunkte höher bei 1,61 Prozent. Der Terminkontrakt Bund-Future sank um 78 Basispunkte auf 139,59 Prozent. Zehnjährige Staatsanleihen von Italien und Spanien haben zugelegt. Die Renditen sanken um zwei beziehungsweise neun Basispunkte.

Am Geldmarkt konnte Italien einjährige Papiere im Volumen von neun Milliarden Euro zu 1,692 Prozent platzieren, das war die niedrigste Rendite seit März. In seiner ersten Auktion von Staatsanleihen seit der Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), Anleihen von Krisenstaaten bei einem Hilfsantrag unbegrenzt und unbefristet aufzukaufen, zahlte Italien 0,7 Prozent Zinsen auf dreimonatige Anleihen.

Bei der letzten Auktion im Mai waren es noch 0,865 Prozent gewesen. Die Rendite auf Anleihen mit zwölfjähriger Laufzeit lag bei 1,692 Prozent, gegenüber 2,767 Prozent im August. Die Nachfrage für die Drei-Monats-Papiere war 2,25 mal so hoch wie das Angebot, für die zwölfmonatigen Anleihen lag sie 1,65 mal so hoch.

Am Markt für US-Staatsanleihen sind die Kurse deutlich gesunken. Die Rendite der zehnjährigen Treasuries lag zuletzt vier Basispunkte höher bei 1,74 Prozent. In den USA beginnt im Tagesverlauf die zweitägige Sitzung der US-Notenbank Federal Reserve. Ökonomen rechnen in einer Umfrage von Bloomberg News zu Zweidrittel mit der Ankündigung weiterer Bondkäufe. Darüber hinaus wird erwartet, dass die Fed ihre Null-Zins-Politik bis ins Jahr 2015 beibehält.

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  • Deutschland muss deutlich höhere Zinsen zahlen?

    Ist doch bestens!

    So bekommen Sparer endlich wieder eine Rendite die über der Inflationsrate liegt.

    Die abartig niedrigen Zinssätze für Bundesanleihen der vergangenen Monate waren lediglich auf die panische Flucht in sichere Anlagen zurückzuführen, und alles andere als gesund.

    Eine Renditekurve von 3% bis 4% wäre bei langfristigen Inflationsaussichten von 2% für gute Schuldner normal.

    Das eröffnet dem Bund-Future eine Perspektive von 116.

  • 'O-Ton 'DeutscherMichel
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    1. im Moment leben wir wie Gott in Frankreich
    ------------------------

    Anstieg der Einkommen aus Lohn, Gehalt und Sozialleistungen pro Kopf 2001-2011

    Deutschland: 16,3 %
    Italien: 32%
    Portugal: 42,1%
    Irland: 44,1%
    Spanien: 44,6%
    Griechenland: 68,8%
    Zypern: 69,7%

    Wer lebt hier "wie Gott in Frankreich"?

    ++++

    O-Ton 'DeutscherMichel'
    --------------------------
    und z.T.auf Kosten der schwächeren EU-Länder die sich gegen unsere Exportlawine wegen der EU-Verträge (Freihandelszone) nicht wehren können und nicht wehren dürfen.
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    Können sich nicht wehren?

    Selten so einen Schwachsinn gehört.

    Die hätten einfach nur ihre Löhne und Preise nicht wie die Irren erhöhen müssen.

    Dann hätte es gar keine Importlawine gegeben.

    Anstieg der Preise 2001-2011

    Deutschland: 18,1 %
    Irland: 21,4%
    Italien: 25,5%
    Portugal: 26,3%
    Zypern: 28,8%
    Spanien: 32,4%
    Griechenland: 39,1%

    Nicht wehren dürfen? Seit wann ist Lohn- und Preisdisziplin verboten?

    +++

    O-Ton 'DeutscherMichel'
    --------------------------
    Somit können wir unsere Arbeitslosigkeit über unseren Leistungsbilanzüberschuss exportieren (15 Milliarden im Schnitt PRO MONAT und das seit 17 Jahren)
    2. Die paar Milliarden die wir jährlich netto an Brüssel zahlen müssen sind Peanuts im Verhältnis zum Leistungsbilanzüberschuss den wir durch unseren Mitgliedsbeitrag an Brüssel (EU) realisieren dürfen und können.
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    Und schon wieder einer der nicht kapiert hat daß Leistungsbilanzüberschüsse nichts wert sind wenn sie mit amerikanischen subprime-Ramschpapieren und griechischen Staatsanleihen bezahlt werden.

    Deretwegen der Steuerzahler per Bankenrettung oder Griechenlandrettung die Exporte bezahlen muß.

    Man hätte genauso gut die nach USA und Griechenland exportierten BMWs auf Staatskosten kaufen und im Wattenmeer versenken können.

  • Dieser Artikel ist einer Wirtschaftszeitung leider nicht wuerdig. Die Investoren lassen die Renditen fuer deutsche Staatsanleihen in die Hoehe schiessen, weil das Risiko derselben gestiegen ist. Die ClubMed Anleihen dagegen werden als sicherer angesehen, weil jetzt ESM Geld da ist, um es abzusichern.
    Das Ganze ist kurz gesagt ein weiterer grosser Schritt in die Schuldenunion.
    Keiner der Politiker erklaert es allerdings dem Wahlvieh und die deutschen Medien spielen dabei mit. Traurig!

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