Nach Herabstufung: Investoren erhöhen den Druck auf Frankreich

Nach Herabstufung
Investoren erhöhen den Druck auf Frankreich

Die Ratingagentur Moody's hält Frankreich für riskanter und stuft die Bonität um eine Note herab. Das könnte das Land diesmal teuer zu stehen kommen. Die Regierung macht ihre konservativen Vorgänger verantwortlich.
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FrankfurtMoody's hat Frankreich wegen Reformmangel das wertvolle Spitzenrating "AAA" entzogen. Die Ratingagentur senkte am späten Montagabend die Bewertung der Bonität um eine Stufe auf "Aa1". Gleichzeitig versah Moody's auch die neue Note für die Kreditwürdigkeit mit einem negativen Ausblick und drohte damit weitere Herabstufungen an.

Die Abwertung war nach einem ähnlichen Schritt von Standard & Poor's zu Jahresanfang zwar allgemein erwartet worden. Sie ist aber dennoch ein Rückschlag für das Bemühen von Präsident Francois Hollande, das Haushaltsdefizit in den Griff zu bekommen und gleichzeitig der lahmen Wirtschaft auf die Sprünge zu helfen. Der Euro gab in Reaktion auf die Moody's-Entscheidung nach.

Die Renditen französischer Anleihen stiegen zunächst nur leicht. So kletterten die Zinsen für die zehnjährigen Staatsanleihen auf 2,098 Prozent von 2,076 Prozent am Vorabend. Die Zinsen für fünfjährige Papiere legten drei Basispunkte auf rund 0,79 Prozent zu, die Renditen für die zweijährigen Anleihen etwa fünf Basispunkte auf 0,16 Prozent. Der französische OAT-Future verlor 23 Ticks auf 136,28 Zähler. Auch die Kreditausfallversicherungen erhöhten sich Markit zufolge.
Insgesamt fiel die Reaktion an den Rentenmärkten aber recht moderat aus, was die Analysten der Commerzbank als durchaus rational beschrieben. In der Euro-Zone spielten Ratings nur noch eine begrenzte Rolle. "Der Rettungsschirm ESM ist ja gerade so konstruiert worden, dass durch eine Herabstufung eines AAA-Landes das mögliche Kreditvolumen nicht mehr tangiert wird (wie es beim EFSF der Fall gewesen wäre)", führten die Experten weiter aus.

Moody's will erst später entscheiden, ob sich die Herabstufung Frankreichs auf die Bonität der Euro-Rettungsschirme EFSF und ESM auswirkt. Für die beiden Rettungsfonds bestätigte Moody's am Dienstag das Spitzenrating "Aaa". Für die Kreditwürdigkeit beider Rettungsfonds gelte ein negativer Ausblick. Damit droht in nächster Zeit eine Herabstufung.

Der Bund-Future konnte denn auch kaum von der Entwicklung profitieren und legte moderate acht Ticks auf 143,08 Zähler zu. Die Renditen der deutschen Bundesanleihen waren wenig verändert. Generell liegen sie etwas niedriger als die ihrer französischen Pendants. Zum Vergleich: Die zehnjährigen rentieren 1,35, die fünfjährigen 0,36 und die zweijährigen minus 0,02 Prozent. Die Renditen der spanischen und italienischen Papiere liegen dagegen deutlich höher beispielsweise bei 5,95 beziehungsweise 4,93 Prozent im zehnjährigen Bereich.

Moody's diagnostizierte einen anhaltenden Verlust der Wettbewerbsfähigkeit in Frankreich. Dieser gefährde sowohl das Wirtschaftswachstum als auch den Staatshaushalt. Schuld seien unter anderem der starre Arbeitsmarkt sowie ein Mangel an Innovationen. Diese wirtschaftlichen Probleme untergraben nach Einschätzung der Agentur nach und nach die exportorientierte Industrie des Landes.

Frankreich ist nach Deutschland die zweitgrößte Volkswirtschaft Europas. Derzeit schrammt das Land am Rande einer Rezession entlang. Auch im kommenden Jahr dürfte die Wirtschaft kaum zulegen.

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"Zeitbombe" im Herzen Europas

Kommentare zu " Nach Herabstufung: Investoren erhöhen den Druck auf Frankreich"

Alle Kommentare
  • Rente mit 67, Praxisgebühr, Zuzahlung für Medikament und Zahnarzt ... dies ist die Realität im schuldenfreien Norwegen. In vollkommener Realitätsverweigerung senkt Frankreich das Renteneintrittsalter auf 60 und Deutschland schafft die Praxisgebühr ab. Willkommen im Luftschloß.

  • Die Lösung heißt: Für jeden eine S-Klasse und gebratene Hähnchen, die uns mühelos und ohne Arbeit in den Mund fliegen.

    Das gibt's nur im real existierenden Sozialismus

  • Pfui ! ja ja die Strukturpromleme in Frankreich lösen heisst: weiter Dumpinglöhne einführen, knapp an der armutsgrenze leben, den sozialstaat abbauen, arbeitnehmerrechte abschaffen, indem man immer kleinere unternehmenseinheiten schafft, wo kein BetrVerfG gilt, bis 80 arbeiten, Minimal-Rente erhalten, für Pflege im Alter 5000 EUR zahlen, tja um optimal wettbewerbsfähig zu sein heisst es kinderarbeit einzuführen und sich selbst zu prostituieren, währen die reichen dicher und dicker werden und unsere schulkinder hungrig für die zukunft lernen sollen, igitt bäh!

  • @ schnippschnappschnudi
    Zitat : Solange Frankreich nicht wieder einen Visionaer wie Charles De Gaulle hervorbringt, sondern nur noch lahme Beamtentypen..

    Damit haben Sie es auf den Punkt gebracht ! Man muss sich aber auch mit der Realität auseinandersetzen : es wird in Frankreich weder einen Mythos De Gaulle mehr geben, noch unlahme Beamte....!

    Dieses Land hat sich seinen Sozialismus aufgebaut, eine Erbschaftsgeneration erzeugt und versucht auf Kosten anderer Europäer ( EU-Märchen ) sein parasitäres Dasein weiter zu führen ! Und wir wollen ( und können ) diese parasitären Kreaturen nicht aushalten !!!
    Deswegen ist es an der Zeit, die EU-Utopie an den Nagel zu hängen, und die deutschen sollen sich um deutsche Probleme kümmern ( und die haben genug davon ), die Franzosen sollen sich um französische Probleme kümmern, die Griechen um griechische u.s.w. ! Alles andere wird die Europäer auseinandertreiben und gegenseitig aufhetzen! Das ist die Realität, and an ihr kommt man nicht vorbei !

  • ..Ihnen gehts zu gut. Gehen Sie kalt duschen und dann auf die Couch, Ihren Selbsthass therapieren. Ohne Worte.

  • So, jetzt geht's los. Wir erleben den Auftakt zu einem bunten Strauß an schön getakteten, Vertrauen zerstörenden, Desolation herbeibringenden Reuters-Meldungen - künftig nun über F, kaummehr über PIGS.

    Ratingeinstufungen hier, Interview da, Studie dort - alles schön aus einem Guss.

    Für mich zeigt es sich so, dass hier über Jahre systematisch und Stück für Stück Europas Währungen medial zerbröselt werden (übrigens egal, ob Euro oder dann nationale Währungen) - und jetzt ist nach PIGS eben F dran. Zur Erinnerung: Die USA gäben deutlich mehr Anlass zur fiskalischen Sorge denn nun F, wird komischer weise aber nicht thematisiert.

    Per ESM war die Vergemeinschaftung zur Haftungsunion geplant, vom BVerfG vereitelt. In derselben Woche dann aber per EZB-Ankaufsbeschluss auf Umwegen erreicht. Effekt derselbe: Wir sind per EZB bereits in einer Haftungsunion.

    Frankreich nun runterzuschreiben ist der nächste logische Schritt, lässt es nämlich absehbar als Zahler ausfallen - Deutschland ist als letztverbleibende Potenz überfordert, Eurozone als solche bankrott.

    Und die DARAUS resultierende Krise wird benötigt, um die neuen Zentralbank- und Staatsmacht-Strukturen zu schaffen, die von langer Hand angestrebt werden

  • @ Poilu

    Zitat : Eine Fiskalunion für die Währungsunion und Teilverzicht auf Steuerhoheit der Einzelländern ist die einzige Lösung.

    Das riecht aber sehr stark nach Sozi-Demagogie ! Haben sie sich mal gefragt, wer diesen EU-Nonsens bezahlen will und kann...! Der Bürger Europas, der für sein Geld arbeiten geht, mit Sicherheit nicht. Die Schmarotzer Europas, die fremdes Geld verteilen, wie sie, ja...?!

  • @ Poilu

    Der Geruchsinn ist eine sehr subjektive Sache. Des öfteren riecht man das , was man riechen will...manchmal stinkts auch !

    Für meinen Begriff riechts nach Realität ! Für ihre Nase kann ich nichts ....!

  • @Gnomoon:
    Die ständigen neoliberalen Rezepte haben uns in Deutschland (und weltweit) in die Situation gebracht, dass immer mehr Vermögen "nach oben" wandert bzw. sich auf immer wenige Menschen konzentriert. Wer soll denn noch in Zukunft die wettbewerbsfähigeren franz. Produkte (in Masse) kaufen ?
    Frau Quandt kauft keinen "ordentlichen" Bordeaux.

    Wem haben wir denn die Deregulierung zu verdanken, die diese Krise maßgeblich mitverursacht hat ? Doch wohl der neoliberalen Denke.

    In Deutschland und zunehmend auch anderswo geht die Einkommens- und Vermögensschere immer weiter auseinander. Immer mehr Menschen sind von sozialem Abstieg bedroht. Haben Sie schon vom aktuellen Armutsbericht gehört ?

    Und kommen Sie mir bitte nicht mit solchen Scheinargumenten wie, wer ist schon arm in Deutschland.

    Machen sie mal die Augen auf - abseits ihrer schönen Scheinwelt.

    Es ist unfassbar, dass nach alldem was in den letzten 10 Jahren passiert ist, sich immer noch Leute hinstellen und den Arbeitnehmern Verzicht predigen, damit die Bezieher leistungsloser Einkommen wie Frau Quandt noch größeren Reichtum anhäufen können.

  • Vielleicht will der Militärmachtkomplex ja Krieg?? Da ist es doch gut, die Völker gegeneinander aufzuhetzen! Wir wären alle schon viel weiter, könnten friedlich und in einem vernünftigen Wohlstand miteinander in Europa, ja der Welt, zusammen leben....wäre da nicht immer nur die permanente Angsteinflösung der Eliten und die Hetze des Großkapitals...

    Der Mensch an sich ist von Natur aus sozial! Er wird nur immer deformiert und manipuliert! Und das aus purem Eigennutz und vorallem Kapitalinteressen! Geld regiert die Welt...deswegen schafft sich die Menschheit auch irgendwann selber ab!

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