Nach Medienbericht
Paris weist schlechten Ratingausblick zurück

Frankreich ist Sorgen entgegengetreten, dass seine Spitzenbonitätsnote bei der Ratingagentur Standard & Poor's gefährdet ist. Ministerpräsident Francois Fillon bezeichnete einen entsprechenden Pressebericht als haltlos.
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DüsseldorfDem Artikel von La Tribune zufolge könnte S&P den Ausblick für das französische AAA-Rating schon in den nächsten zehn Tagen auf negativ senken und damit die gefürchtete Herabstufung des Landes androhen. „Ich kann ihnen sagen, dass „La Tribune' Unsinn berichtet“, sagte der Regierungschef am Rande einer Veranstaltung in Paris. S&P habe dies bereits am vergangenen Freitag mitteilen wollen, die Ankündigung dann aber aus unbekannten Gründen verschoben, schrieb die französische Zeitung „La Tribune“ in ihrer Internetausgabe unter Berufung auf Diplomaten. Die Agentur wollte sich dazu nicht äußern.

Der Euro büßte kurzzeitig an Wert ein. Der Bericht erhöht den Druck auf die Finanzminister der Euro-Zone, bei ihrem Treffen am Abend entschiedene Schritte zur Eindämmung der Schuldenkrise zu unternehmen.

Derzeit hat S&P das französische „AAA“ noch mit einem stabilen Ausblick versehen und signalisiert damit, dass in naher Zukunft eine Herabstufung nicht zu erwarten ist. Allerdings gibt es an den Finanzmärkten Zweifel an der Fähigkeit der Regierung in Paris, die Schulden in den Griff zu bekommen. S&P hatte Frankreich Anfang November versehentlich herabgestuft und wenig später den Irrtum mit einer Computerpanne begründet. Dies löste unter französischen Politikern einen Sturm der Entrüstung aus - so wurden etwa Rufe nach einer Entschädigungszahlung laut. Präsident Nicolas Sarkozy hat versprochen, mit allen Mitteln die Top-Note zu verteidigen.

Französische Staatsanleihen verbuchten zuletzt herbe Wertverluste. In Folge des Zeitungsberichtes nahmen die Risikoaufschläge auf die Papiere im Vergleich zu den als noch sicherer geltenden deutschen Anleihen am Dienstag weiter zu. Die beiden S&P-Konkurrenten Fitch und Moody's haben Frankreich bereits gewarnt, dass es sein „AAA“-Rating im Sog der Schuldenkrise verlieren könnte.

Die Rating-Agentur Moody's gab zu allem Überfluss bekannt, möglicherweise die nachrangigen Schulden von 87 Banken aus 15 europäischen Staaten herabzustufen. Grund hierfür sei die Befürchtung, dass die Regierungen im Falle einer finanziellen Schieflage der Institute möglicherweise zu knapp bei Kasse seien, um für nachrangige Gläubiger aufzukommen, erklärte die Agentur. Betroffen von der Überprüfung sind neben zahlreichen französischen Instituten auch viele Banken in Spanien, Italien und Österreich, jedoch kein deutsches Institut. Möglicherweise dürften die nachrangigen Papiere der betroffenen Geldhäuser um durchschnittlich zwei Stufen abgewertet werden, erläuterte Moody's. Im Insolvenzfall sind nachrangige Schulden anderen Schuldenpapieren untergeordnet. Sie sind deshalb eine risikoreichere Anlageklasse.

 

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • @downshift61: Warum sollten wir mit der DM exportunfähig sein? Das ist Einschüchterungspropaganda - die DM gabs schon und wir waren Exportweltmeister. Wenn der Exportanteil an die Med-Staaten zurück gehen sollte, kann man sich immer noch überlegen ob man die soganannten Exporte einfach freiwillig spendet - nichts anderes passiert heute - nur nicht freiwillig sondern unter Druck und Erpressung.

  • Eigentlich braucht man gar keine Ratingagentur um sich
    ein Bild des franz. Haushalts zu machen, wo man es seit
    drei Jahrzehnten nicht geschafft hat einen einzigen aus-
    geglichenen Haushalt vorzuweisen. Das rächt sich jetzt
    am Ende des Eurozeitalters!!

  • Das ist schon richtig und ich teile Ihre Verärgerung. Wir sollten allerdings nicht vergessen, daß wenn allen voran Deutschland die finanzielle Hife für die armen Länder Europas einstellt, diese recht schnell pleite sein sollten. Ein verbleibender Kern-Europa bestehend aus starken Ländern und mit einer starken Währung, wäre schon bald nahezu exportunfähig. Speziell Deutschland mit einer exportorientierten Wirtschaft, könnte die gleiche Richtung wie die Schweiz nehmen. Diesen ist bekanntlich die eigene Stärke neuerdings zum Verhängnis geworden.Die Auftragsbücher deutscher Unternehmen sind prall gefüllt, doch siehe dies bei einem starken Euro auch noch so aus?

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