Nach Medienbericht Paris weist schlechten Ratingausblick zurück

Frankreich ist Sorgen entgegengetreten, dass seine Spitzenbonitätsnote bei der Ratingagentur Standard & Poor's gefährdet ist. Ministerpräsident Francois Fillon bezeichnete einen entsprechenden Pressebericht als haltlos.
Update: 29.11.2011 - 18:36 Uhr 16 Kommentare
Die Ratingagentur S+P hat Frankreich womöglich im Visier. Quelle: dpa

Die Ratingagentur S+P hat Frankreich womöglich im Visier.

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DüsseldorfDem Artikel von La Tribune zufolge könnte S&P den Ausblick für das französische AAA-Rating schon in den nächsten zehn Tagen auf negativ senken und damit die gefürchtete Herabstufung des Landes androhen. „Ich kann ihnen sagen, dass „La Tribune' Unsinn berichtet“, sagte der Regierungschef am Rande einer Veranstaltung in Paris. S&P habe dies bereits am vergangenen Freitag mitteilen wollen, die Ankündigung dann aber aus unbekannten Gründen verschoben, schrieb die französische Zeitung „La Tribune“ in ihrer Internetausgabe unter Berufung auf Diplomaten. Die Agentur wollte sich dazu nicht äußern.

Der Euro büßte kurzzeitig an Wert ein. Der Bericht erhöht den Druck auf die Finanzminister der Euro-Zone, bei ihrem Treffen am Abend entschiedene Schritte zur Eindämmung der Schuldenkrise zu unternehmen.

Derzeit hat S&P das französische „AAA“ noch mit einem stabilen Ausblick versehen und signalisiert damit, dass in naher Zukunft eine Herabstufung nicht zu erwarten ist. Allerdings gibt es an den Finanzmärkten Zweifel an der Fähigkeit der Regierung in Paris, die Schulden in den Griff zu bekommen. S&P hatte Frankreich Anfang November versehentlich herabgestuft und wenig später den Irrtum mit einer Computerpanne begründet. Dies löste unter französischen Politikern einen Sturm der Entrüstung aus - so wurden etwa Rufe nach einer Entschädigungszahlung laut. Präsident Nicolas Sarkozy hat versprochen, mit allen Mitteln die Top-Note zu verteidigen.

Französische Staatsanleihen verbuchten zuletzt herbe Wertverluste. In Folge des Zeitungsberichtes nahmen die Risikoaufschläge auf die Papiere im Vergleich zu den als noch sicherer geltenden deutschen Anleihen am Dienstag weiter zu. Die beiden S&P-Konkurrenten Fitch und Moody's haben Frankreich bereits gewarnt, dass es sein „AAA“-Rating im Sog der Schuldenkrise verlieren könnte.

Die Rating-Agentur Moody's gab zu allem Überfluss bekannt, möglicherweise die nachrangigen Schulden von 87 Banken aus 15 europäischen Staaten herabzustufen. Grund hierfür sei die Befürchtung, dass die Regierungen im Falle einer finanziellen Schieflage der Institute möglicherweise zu knapp bei Kasse seien, um für nachrangige Gläubiger aufzukommen, erklärte die Agentur. Betroffen von der Überprüfung sind neben zahlreichen französischen Instituten auch viele Banken in Spanien, Italien und Österreich, jedoch kein deutsches Institut. Möglicherweise dürften die nachrangigen Papiere der betroffenen Geldhäuser um durchschnittlich zwei Stufen abgewertet werden, erläuterte Moody's. Im Insolvenzfall sind nachrangige Schulden anderen Schuldenpapieren untergeordnet. Sie sind deshalb eine risikoreichere Anlageklasse.

 

  • rtr
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16 Kommentare zu "Nach Medienbericht: Paris weist schlechten Ratingausblick zurück"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @downshift61: Warum sollten wir mit der DM exportunfähig sein? Das ist Einschüchterungspropaganda - die DM gabs schon und wir waren Exportweltmeister. Wenn der Exportanteil an die Med-Staaten zurück gehen sollte, kann man sich immer noch überlegen ob man die soganannten Exporte einfach freiwillig spendet - nichts anderes passiert heute - nur nicht freiwillig sondern unter Druck und Erpressung.

  • Eigentlich braucht man gar keine Ratingagentur um sich
    ein Bild des franz. Haushalts zu machen, wo man es seit
    drei Jahrzehnten nicht geschafft hat einen einzigen aus-
    geglichenen Haushalt vorzuweisen. Das rächt sich jetzt
    am Ende des Eurozeitalters!!

  • Das ist schon richtig und ich teile Ihre Verärgerung. Wir sollten allerdings nicht vergessen, daß wenn allen voran Deutschland die finanzielle Hife für die armen Länder Europas einstellt, diese recht schnell pleite sein sollten. Ein verbleibender Kern-Europa bestehend aus starken Ländern und mit einer starken Währung, wäre schon bald nahezu exportunfähig. Speziell Deutschland mit einer exportorientierten Wirtschaft, könnte die gleiche Richtung wie die Schweiz nehmen. Diesen ist bekanntlich die eigene Stärke neuerdings zum Verhängnis geworden.Die Auftragsbücher deutscher Unternehmen sind prall gefüllt, doch siehe dies bei einem starken Euro auch noch so aus?

  • @Planung
    Ich gebe Ihnen absolut Recht. Dabei bin ich ein Europäer. Aber die Deutschen sind als Europäer in Europa allein - den anderen reicht es völlig, wenn weiter die Lippenbekenntnisse den Schein wahren und Deutschland einfach nur bezahlt.
    Allerdings, solange die Idee von den "Vereinigten Staaten von Europa" fern schien, war sie positiv besetzt. Jetzt zeigt sich überdeutlich, dass es eine Utopie ist. Wie der Sozialismus früher im Osten.
    Deshalb ganz aktuell: Wenn die EU auseinanderfliegt, habe ich nichts mehr dagegen. Die deutsche Zukunft liegt im Osten. Und das hat sich der Elysée selbst zuzuschreiben. Es wird niemals funktionieren - auch nicht mit Hilfe der eigenen Regierung und Opposition! - den deutschen Steuerzahler dauerhaft zu versklaven. So tief ist noch nie ein Volk gesunken!

  • 1000% Zustimmung seitens meiner Familie!

  • Warum sollte man eine Ratingagentur klassifizieren ? Ich sehe darin keinen Sinn, da Ratingagenturen nicht kapitalmarktorientiert sind. Anzumerken wäre bei den drei größten Agenturen Moody´s, Fitch & S&P, dass diese im amerikanischen Raum ansässig sind und die die größten Anteilseigner us-amerikanische Investoren sind, u.a Warren Buffet bei Moody´s.
    Die derzeitigen Diskussionen und Herabstufung von Staaten ist eine Folge jahrzehntelanger indiskutabler Haushaltspolitik und auch zum Teil Folge der Finanzmarktkrise. Durch Stützungmaßnahmen von Finanzinstituten und Konjunkturpaketen hat sich in den letzten Jahren die Staatsverschuldung überproportional nach oben entwickelt, auch in Deutschland.

  • Das trifft es auf den Punkt! Es sind nicht die bösen Kapitalmärkte oder sonst wer. Die Staaten sind hoffnungslos überschuldert. Investoren verlangen bei einem höheren Risiko eben einen höheren Zinssatz. Eigentlich ganz simpel. Und das Deutschlands Auktion letztens mehr oder weniger floppte, liegt wohl eher daran, das die "bösen Finanzmärkte" wohl zurecht davon ausgehen, daß Deutschland mit Eurobonds und XXL-Hebelrettungsschirmchen enefalls nicht mehr in der lage sein wird, sicher weiter am Kapitalmarkt günstig zu refinanzieren. EIGENTLICH GANZ EINLEUCHTETND.

  • Wenn die Ratingagenturen nicht wären, würden sich die Staatsschulden noch exorbitanter entwickeln als ohnehin schon. Die Leidtragenden sind unsere Kinder und Enkel.

    Oder glaubt hier einer ernsthaft, dass Politiker aus eigenem Antrieb sauber haushalten?

    Also, von mir und stellvertretend für all unsere Kinder und Enkelkinder mal ein Ganz Herzliches Dankeschön an die Ratingagenturen - haut den Schuldenpolitikern weiter so auf die Finger, sonst bewegt sich hier GAR NIX.

  • Die Planung der Grande Nation Frankreich...

    ...wie die anderen Med-Staaten hat Frankreich ihren Mitbürgern einen gravierenden Schuss Lebensstandard nach Einführung des Euro spendiert. In Deutschland wurden HartzIV, Kürzung Arbeilslosengeld und Lohndumping spendiert. Seltsamer oder logischer Zusammenhang?! Natürlich logisch - das war die Grundidee des EURO! Hinzu kam der volkswirtschaftliche Wahnsinn der einhergehenden Wettbewerbsnachteile der Med-Staaten aufgrund geringerer Produktivität die zur Alimentierung, heisst der Vergemeinschaftung der Schulden führen muss. Namen zur Umsetzung hierzu sind Eurobonds, EFSF, EZB, Fiskalunion! Versailles II wurde in einem wunderbaren Spektakel verpackt! Zur Erinnerung - Merkel: "Deutschland profitiert vom Euro!" - infam! Was wurde alles vor Einführung des Euro versprochen? Was wurde in Verträge geschrieben? Die Verträge wurden gebrochen. Vor diesem Hintergrund ist Versailles II keine Verschwörungstheorie sondern nackte Realität! Genial geplant...

  • Die Klagen über Ratingagenturen sind nur eine Ablenkung vom eigentlichen Problem. Auch immer wieder gerne von unseren Politikern gebraucht. Jemand, der sauber wirtschaftet, braucht keine Angst vor Ratingagenturen haben.

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