Nach Pleiteserie
So picken Sie gute Minibonds heraus

Zamek, Rena und nun Strenesse: Mehrere Hundert Millionen Euro haben Anleger bei Mittelstandsanleihen schon verloren. Dabei lassen sich „gute“ von „weniger guten“ Minibonds unterscheiden. Worauf Anleger schauen sollten.
  • 0

DüsseldorfNun also auch noch Strenesse: Erst im Februar stimmten die Gläubiger des bayerischen Modelabels dafür, die Laufzeit der Anleihe zu verlängern. Doch es nützte nichts mehr. Mitte April musste das Unternehmen Insolvenz anmelden, als dritter mittelständischer Anleihe-Emittent in diesem Jahr, nach dem Tütensuppenhersteller Zamek und dem Maschinenbauer Rena.

Laut Ratingagentur Scope sind allein 2013 Minibonds in Höhe von 380 Millionen Euro ausgefallen. Mit den jüngsten Insolvenzen stehen weitere 134 Millionen Euro Anlegergeld auf dem Spiel. Und ein Ende scheint nicht in Sicht. „Es werden sicher weitere Unternehmen in Schwierigkeiten geraten“, sagt Klaus Nieding, Anlegeranwalt von der Nieding + Barth Rechtsanwaltsaktiengesellschaft. Der Ruf des jungen Segments – er scheint arg ramponiert.

Wer nach den Verantwortlichen der Misere sucht, tut sich schwer. Solide wirtschaftende Mittelständler erwarten mehr Regulierung von Seiten der Börsen. Die wiederum verweisen auf ihre Rolle als Handelsplatz und sehen eine größere Sorgfaltspflicht bei den Emittenten. Gescheiterte Mittelständler beschuldigen Berater, sie in die Emission getrieben zu haben. Berater wollen sich aber auf das geprüfte Zahlenwerk verlassen haben. Professionelle Investoren zweifeln an der Unabhängigkeit der Ratings, während Privatanleger gern auf die hohen Zinskupons schielen, das höhere Risiko dagegen ausblenden.

Am Ende sind gegenseitige Schuldzuweisungen wenig zielführend, wenn es darum geht, neues Vertrauen für das angeschlagene Segment zu schaffen. Und daran haben alle Beteiligten Interesse – nicht zuletzt, um den eigenen Ruf als verlässlicher Handelsplatz, verlässlicher Emissionsbegleiter und verlässlicher Anlagepartner zu wahren.

Einen ersten Vorstoß für mehr Durchblick – und bestenfalls mehr Vertrauen in Minibonds – hat nun der Frankfurter Handelsplatz unternommen. Gemeinsam mit Emissionsbanken, Beratern, Anwaltskanzleien und Vermögensverwaltern hat die Börse einen „Best Practice Guide“ für Unternehmensanleihen des Entry Standard herausgebracht – eine Art Leitfaden also, der darlegt, was es für einen erfolgreichen Minibond alles braucht.

Der Guide richtet sich zunächst an Unternehmen, die mit dem Gedanken spielen, eine Anleihe zu begeben. Allerdings nützt er auch Anlegern, die sich fragen, wie sich „gute“ eigentlich von „weniger guten“ Unternehmen unterscheiden lassen. Die (unverbindlichen) Empfehlungen decken dabei grob ab, was Ratingagenturen und Investoren bereits gesondert vorgebracht haben. In einigen Punkten reichen deren Forderungen aber noch weiter.

Kommentare zu " Nach Pleiteserie: So picken Sie gute Minibonds heraus"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%