Nach Rating-Herabstufung
Die USA schlagen zurück

Im sonst zerstrittenen Washington herrscht derzeit Einigkeit über Parteigrenzen hinweg. Die Rating-Herabstufung der USA durch Standard & Poor's soll nicht ungesühnt bleiben. Eine Untersuchung ist bereits eingeleitet.

New YorkAm schlagzeilenträchtigsten dürfte ein Untersuchungsausschuss werden, den der Bankenausschuss des Senats derzeit vorbereitet. Dabei könnte es zu tribunalartigen, im TV live übertragenen Anhörungen der S&P-Topmanager kommen. "Alle Optionen sind auf dem Tisch", sagte dazu ein Mitarbeiter dem "Wall Street Journal".

Historische Herabstufung

Die Ratingagentur hatte die Bonitätsbewertung der USA am Freitag um einen Stufe auf "AA+" von "AAA" herabgestuft und dies zunächst mit der unkontrolliert wachsenden Schuldenlast der USA begründet. Als die US-Regierung nachwies, dass sie sich bei der Berechnung des Defizits um rund zwei Billionen Dollar verrechnet hatte, änderte S&P die Begründung. Die US-Politik habe ihre Unfähigkeit bewiesen, das Schuldenproblem anzugehen, hieß es später in der Studie. "Auch ein Weg, den Kongress zu beleidigen", sagte dazu Lee Munson, Anlagestratege beim Hedge-Fonds-Portfolio LLC.

Entsprechend regt sich nun der Widerstand in Washington. So attackierte der einflussreiche demokratische Kongressabgeordnete Dennis Kucinich am Mittwoch frontal die Muttergesellschaft von S&P, McGraw-Hill. Die Firma habe einen bislang nicht aufgedeckten Interessenkonflikt, weil sie nach Angaben aus dem Geschäftsbericht wohl in US-Staatsanleihen investiert habe. In einem Brief an das Management von McGraw-Hill verlangte er binnen zwei Wochen eine detaillierte Dokumentation der Anlagen. Wenn es diese nicht vorlege, müsse er annehmen, dass die Firma etwas zu verbergen habe, und das müsse dann genau untersucht werden.

Zudem wurde am Mittwoch bekannt, dass die Finanzmarktaufsicht SEC an neuen Vorgaben für die Regulierung der Ratingagenturen arbeitet. Dazu gehört unter anderem, dass Fehler in Ratings und Berechnungen öffentlich gemacht werden müssen. Die Ratingagenturen waren bei der Neuregulierung des Finanzsektors in den USA nach der Krise relativ glimpflich davongekommen. Möglicherweise droht ihnen nun, dass die Politik sich als Nächstes ihnen zuwendet.

Konkurrenz zeigt mit dem Finger auf Standard & Poor's

Daher versuchen die Konkurrenten von S&P, die die USA bislang noch nicht heruntergestuft haben, nun offensichtlich, sich von dem in die Schusslinie geratenen Wettbewerber abzusetzen. "Wir würden es begrüßen, wenn jede Ratingagentur an ihren eigenen Taten gemessen würde", sagte etwa ein Sprecher von Fitch Ratings.

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