Nach Rekordverlust
Air Berlin sammelt bei Anlegern Millionen

Air Berlin hat gute Überzeugungsarbeit geleistet: Trotz eines Millionenverlusts und hoher Schulden haben Investoren Anleihen im Wert von mindestens 250 Millionen Euro gezeichnet. Für Privatanleger ist Vorsicht geboten.
  • 1

Ulf Hüttmeyer und James Rigney scheinen gute Überzeugungsarbeit geleistet zu haben: Eine knappe Woche lang waren die Finanzchefs von Air Berlin und Etihad am Genfer See, Zürich und London unterwegs, um bei Investoren um neues Geld zu werben. Angesichts der 315 Millionen Verlust, die Air Berlin im abgelaufenen Jahr angesammelt hat, und einem Schuldenberg größer als das Vermögen, keine leichte Aufgabe – sollte man meinen.

Doch schon am Freitag war es vollbracht: Die Airline konnte das Orderbuch für neue Anleihen schließen. Mindestens 250 Millionen Euro hat das Unternehmen bereits zusammen. Teils haben Investoren neue Anleihen gezeichnet, die Air Berlin erst 2019 zurückbezahlen und zwischendurch zu einem vergleichsweise günstigen Satz von 6,75 Prozent verzinsen muss. Teils waren alte Gläubiger bereit, bestehende durch neue Anleihen zu ersetzen. Auch der Kupon dieser Anleihen wird am Ende um die 6,75 Prozent liegen.

250 Millionen Euro oder mehr: Sie markieren eine weitere Etappe für das finanziell stark angeschlagenen Unternehmen auf seinem Weg, sich neu aufzustellen. Bereits Anfang der vergangenen Woche hatte Großaktionär Etihad Deutschlands Nummer zwei 300 Millionen Euro über Wandelanleihen zugeführt – ein Betrag, der das zuletzt negative Eigenkapital wieder ins Positive dreht, und laut Analysten reichen wird, das Unternehmen einige weitere Monate am Leben zu halten.

Mit den mindestens 250 Millionen Euro aus den neuen Anleihen ist nun gesichert, dass Air Berlin im November seine Gläubiger auszahlen kann –150 Millionen Euro werden da auf einen Schlag fällig, eine 2011 aufgelegte Anleihe läuft aus.

Anleger, die bereit sind, Air Berlin zum jetzigen Zeitpunkt neues Geld zuzuschießen, haben Hoffnung, dass eine Sanierung früher oder später gelingen kann. Tatsächlich steht mit Etihad eine hochprofitable Fluggesellschaft an Air Berlins Seite. Bereits seit 2011 kauft sich Etihad, die im Besitz der Scheichs von Abu Dhabi ist, in finanzschwache Airlines ein, immer mit dem Ziel, das eigene Streckennetz auszubauen und zu wachsen – Air Berlin passt also ins Bild. „Dass Etihad noch einmal 300 Millionen Euro in Air Berlin gesteckt hat, zeigt Investoren: Die haben einen Plan“, sagt Marius Hoerner, Experte für Mittelstandsanleihen bei Artus Asset Management.

Seite 1:

Air Berlin sammelt bei Anlegern Millionen

Seite 2:

Anlegern droht der Totalverlust

Kommentare zu " Nach Rekordverlust: Air Berlin sammelt bei Anlegern Millionen "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Hallo, ich schreibe gerade an meiner Bachelor-Arbeit, in der ich den deutschen Kapitalmarkt aus Sicht der Privatanleger untersuche. Deshalb gibt es derzeit einen kurzen Fragebogen von mir, der nur aus 7 Fragen besteht. Bin jedem "Freiwilligem" für seine Teilnahme dankbar :-)

    Hier geht es zum kurzen Formular
    goo.gl/IGwAZF

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%