Nachgefragt: Oliver Kastner
Währungsverluste bedrohen Zinserträge

Anleihen in Mittel- und Osteuropa bieten nach wie vor attraktive Chancen, meint Oliver Kastner, Analyst für Anleihen aus diesen Staaten bei Deka Investment. Allerdings sollten Währungsrisiken berücksichtigt werden.

Die Kurse der Anleihen in Mittel- und Osteuropa sind stark gestiegen und die Renditen gesunken. Sind die Bonds noch attraktiv?

Durchaus. Man muss allerdings zwischen den neuen EU-Mitgliedern und den EU-Aspiranten unterscheiden. In Euro bieten die Anleihen von Bulgarien, Rumänien und Kroatien – also der nächsten Beitrittskandidaten – noch zwischen 0,40 und 0,65 Prozentpunkte mehr Rendite als Bundesanleihen. Wir gehen davon aus, dass diese Renditeaufschläge noch weiter sinken werden, und die Anleihen von daher noch Potenzial bieten.

Und wie sieht es mit den Anleihen der neuen EU-Mitglieder aus?

Da ist die Lage schwieriger. Anleihen von zum Beispiel Ungarn, Polen oder Tschechien rentieren nur noch zwischen 0,15 und 0,20 Prozentpunkte über Bundesanleihen. Da ist die Luft ziemlich raus.

Viele Profi-Investoren kaufen Bonds in lokalen Währungen der neuen EU-Länder. Sie auch?

Wir setzen schon länger auf lokale Währungen – zum Beispiel in Polen, wo Anleihen bei einer Laufzeit von zehn Jahren 2,40 Prozentpunkte mehr Rendite als Bundesanleihen bieten. Hierin spiegelt sich das Risiko von höheren Inflationsraten sowie Budget- und Leistungsbilanzdefizite wider. Die Attraktivität wird andererseits durch höhere Wachstumsraten als bei langjährigen Mitgliedern der EU untermauert.

Was ist Ihr Favorit unter den Anleihen in lokaler Währung?

Polen. Das Land macht wirtschaftlich große Fortschritte und gilt auch politisch – trotz der in diesem Jahr anstehenden Wahlen – als stabil. Außerdem hat der polnische Zloty gegenüber dem Euro stark aufgewertet. Bislang sind wir mit Anleihen in Zloty sehr gut gefahren.

Ist der Kauf von mittel- und osteuropäischen Anleihen in anderen Währungen als dem Euro für Privatanleger zu empfehlen?

Nur eingeschränkt. Denn die Risiken, dass die höheren Zinsen über Währungsverluste aufgezehrt werden, sind hoch. Devisenmärkte sind generell sehr volatil. Und noch ist nicht abzusehen, welche Wechselkurse die Länder mit Blick auf eine mögliche Einführung des Euros festschreiben werden. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Länder anstreben werden, ihre Währungen gegenüber dem Euro etwas zu schwächen. Denn das sichert ihnen Vorteile im Export.

Wie gehen professionelle Anleger mit diesen Risiken um?

Wir streuen die Risiken breit und sind in unseren Fonds jederzeit bereit und in der Lage, unsere Strategie zu ändern. So können wir die Risiken wesentlich geringer halten als Privatanleger, die nur wenige Bonds in ihrem Depot halten.

Die Fragen stellte Andrea Cünnen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%