Nachholbedarf besteht nur bei Auto- und Versicherungsbonds
Unternehmensanleihen geht die Luft aus

Mit Unternehmensanleihen konnten Anleger in diesem Jahr viel Geld verdienen. Wer rechtzeitig eingestiegen ist, profitierte in den vergangenen Monaten von kräftigen Kurssteigerungen. Nahezu alle Firmenbonds notieren inzwischen deutlich über dem Ausgabekurs von 100 %. Dadurch sind die Gewinnaussichten für Neueinsteiger aber begrenzt. Die Renditen der Bonds, die sich gegenläufig zu den Kursen bewegen, locken kaum noch zum Kauf von Unternehmensanleihen. Nur in wenigen Branchen sehen Experten noch Potenzial.

DÜSSELDORF. „Es wird inzwischen sehr, sehr eng für Unternehmensanleihen“, sagt Holger Kammel, Renten-Stratege der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Viel gebe der Markt nicht mehr her. Bei einem durchschnittlichen Renditeaufschlag (Spread) von 70 Basispunkten für Unternehmensanleihen gegenüber Staatsanleihen sieht Kammel kaum noch Raum für weitere Kursgewinne. Andererseits sei der Markt aber auch nach unten gut abgesichert: „Zwei Haupteinflussfaktoren für die Entwicklung von Unternehmensanleihen sind die Konjunktur und die Lage am Aktienmarkt. Und beide sorgen im Moment für ein positives Umfeld“, meint Kammel. Starke Kursverluste seien daher nicht zu erwarten.

Auch die Anleihestrategen der Bayerischen Landesbank raten Investoren zu einer vorsichtigen Haltung. Auf dem aktuellen Spreadniveau sollten die Bestände gehalten und größere Positionen erst wieder bei Renditeaufschlägen von mehr als 85 Basispunkten aufgebaut werden. Sollten die Spreads gar unter 70 Basispunkte fallen, wäre dies ein Anlass „zum Abbau von Coporate-Bond-Positionen“, schreiben sie in einer Studie.

Aber nicht nur das geringe Kurspotenzial spricht zurzeit gegen Unternehmensanleihen. Hinzu kommt das Fehlen eines Leitsektors. In den vergangenen Monaten hatte die Telekombranche diese Rolle übernommen. Die operativen Fortschritte und die großen Erfolge der Konzerne beim Schuldenabbau wurden von den Bond-Anlegern honoriert. Inzwischen sind die Renditeaufschläge der Telekomanleihen aber so weit zusammengeschrumpft, dass weitere Spreadeinengungen unwahrscheinlich sind. „Die Telekommunikationsbranche als einstiger Anführer der Spreadrally kann kaum noch Impulse verleihen“, schreibt die BayernLB.

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