Nachrangige Anleihen
Flucht aus der zweiten Reihe

Besonders riskante Anleihen von Banken stehen noch stärker unter Druck als die Aktien der gebeutelten Finanzinstitute. So genannte Tier-1-Anleihen, die risikoreichste Variante unter den nachrangigen Anleihen, werden Investoren zu riskant - die Folge sind einbrechende Kurse.

FRANKFURT. Europäische Bankenaktien haben in diesem Jahr gemessen am Index Euro-Stoxx-Banken 26 Prozent verloren. Mit auf Euro lautenden sogenannten Tier-1-Anleihen machten Investoren nach Daten von Merrill Lynch seither Verluste von 32 Prozent - trotz der hohen Zinskupons.

Tier-1-Anleihen sind keine Bonds im herkömmlichen Sinne (s. "Tückische Papiere") und die risikoreichste Variante unter den nachrangigen Anleihen. Ihre Besitzer stehen in der Rangfolge der Gläubiger ganz unten. Die Zinszahlungen sind oft an einen Bilanzgewinn oder eine Dividendenzahlung gekoppelt. Die Laufzeit der Papiere ist oft unendlich. Banken können sie zwar nach meist zehn Jahren vorzeitig tilgen, verpflichtet sind sie dazu aber nicht. Nachdem zuletzt die Deutsche Bank und die spanische Banco Sabadell etwas anders geartete nachrangige Anleihen nicht zum frühestens Zeitpunkt gekündigt haben, ist die Unsicherheit noch gestiegen.

Wegen der untypischen Anleihe-Eigenschaften können Banken Tier-1-Anleihen zum Teil auf ihr Kernkapital anrechnen. Das machte sie bei den Emittenten beliebt. Jetzt geht aber nichts mehr. Die letzte Euro-Emission kam nach Daten von Société Générale im Dezember von der französischen Crédit Agricole. "Im Moment ist der Markt für neue öffentlich platzierte Tier-1-Papiere nicht offen", sagt Jörg Birkmeyer, der bei der DZ Bank das Research für Bankenanleihen leitet. Das könnte mit dazu führen, dass Banken weitere Risikoaktiva abbauen müssten, meint Birkmeyer. Banken müssen ihre vergebenen Kredite und ihre Wertpapierportfolios mit Eigenkapital unterlegen. Kernkapital ist die wichtigste Komponente des aufsichtsrechtlich vorgeschriebenen Eigenkapitals.

Willem Sels, leitender Kreditstratege bei Dresdner Kleinwort, erklärt die missliche Lage damit, dass Investoren mit Blick auf die hochkomplexen Tier-1-Anleihen der Banken "extrem verunsichert" seien. Fachleute sind einig, dass die Papiere auch im Handel noch weiter unter Druck bleiben werden. Die meisten Analysten raten dazu, sie stark unterzugewichten. Gründe dafür und für den bisherigen Absturz gibt es viele. "Wenn wir in den nächsten Wochen und Monaten noch negative Nachrichten sehen, dann wohl vor allem aus dem Bankensektor", meint Sels. So hätten zuletzt die Nachrichten über Verluste von Banken im Geschäft mit den kriselnden osteuropäischen Staaten, viele Kernkapital-Anleihen zusätzlich belastet.

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