Nachrangige Anleihen
Spezialanleihen locken mit Extra-Zinsen

Hybride Firmananleihen werfen hohe Renditen ab. Die nachrangigen Bonds bergen zwar Gefahren, weil sie im Falle einer Insolvenz des Emittenten nachrangig behandelt werden. Angesicht rückläufiger Zinsen für herkömmliche Unternehmensanleihen gelten die Papiere aber dennoch als attraktiv. Warum Experten jetzt zum Kauf der Papiere raten - und was Investoren unbedingt beachten sollten.

FRANKFURT. Anleger, die Anleihen von soliden Unternehmen mit hohen Renditen suchen, haben es schon wieder schwer. Bonds von Dax-Konzernen wie Bayer, Deutsche Börse, Henkel, Linde oder Siemens rentieren nur noch zwischen gut drei und gut vier Prozent. Wagemutige Investoren müssen schon zu nachrangigen Anleihen guter Firmen abseits der Finanzbranche greifen, die mehr als doppelt so viel Rendite bieten.

Seit März ist die Risikofreude vieler Investoren gestiegen. Damit zogen auch die Kurse dieser Spezial-Bonds an und ihre Renditen fielen entsprechend. Die sogenannten hybriden Firmenanleihen werfen aber trotzdem noch so viel Rendite ab wie kurz nach dem Schock durch die Pleite der US-Bank Lehman Brothers im September 2008. "Für langfristig orientierte Anleger sind viele Hybrid-Anleihen von Unternehmen als Beimischung im Portfolio noch attraktiv", sagt Marco Ryll, Kreditstratege bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). "Hybrid-Anleihen bieten noch verlockende Renditen", meint auch Sven Kreitmair, Ko-Leiter des Kreditresearchs bei Unicredit. Es könne aber gegebenenfalls noch bessere Einstiegszeitpunkte, sprich günstigere Kurse geben, weil die Kurse der Hybrid-Bonds stark mit den Aktienkursen korrelieren.

Die Korrelation liegt daran, dass die hybriden Bonds riskanter als herkömmliche Anleihen sind. Sie sind nachrangig und sowohl Rück- als auch Zinszahlungen sind ungewiss. Wenn ein Unternehmen zahlungsunfähig wird, werden erst andere Kreditgeber bedient. Die Laufzeit der Papiere ist sehr lang oder unendlich. Nach fünf bis zehn Jahren können Unternehmen die Bonds vorzeitig zurückzahlen. Machen sie dies nicht, ändern sich die Zinsscheine von fix auf variabel. Dabei steigen sie um meist um einen weiteren Prozentpunkt verglichen mit dem Interbankensatz zum Zeitpunkt der Emission.

Da die Renditen so deutlich gestiegen sind, wäre es für viele Firmen aus heutiger Sicht günstiger, den Zinsaufschlag zu zahlen statt eine neue hybride Anleihe zu begeben. Deshalb ist es unsicher, ob die Anleihen getilgt werden.

Einige Banken haben bereits Kündigungstermine für nachrangige Anleihen verstreichen lassen. Europäische Industrieunternehmen begeben noch nicht so lange hybride Anleihen, deshalb stehen Kündigungstermine erst in den nächsten Jahren an. Anders als bei Bank-Hybriden wie stillen Einlagen und Genussscheinen müssen Anleger bei Firmen-Hybriden nicht fürchten, dass die Rückzahlungswerte gesenkt werden, wenn die Firmen einen Bilanzverlust ausweisen. Das macht sie laut Ryll weniger komplex und attraktiver als entsprechende Bank-Papiere.

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