Negative Rendite
Investoren beschenken Deutschland und meiden Spanien

Deutschland verdient Geld beim Schuldenmachen: Investoren nehmen bei einer Auktion erneut negative Renditen in Kauf. Der Zinssatz für spanische Anleihen erreicht derweil ein kritisches Niveau.
  • 18

MadridDie Auktion von deutschen Schatzanweisungen mit sechsmonatiger Laufzeit spülte dem Bund am Montag 3,29 Milliarden Euro in die Kasse. Die Investoren nahmen dafür sogar eine negative Rendite von durchschnittlich 0,0344 Prozent in Kauf, um in den Besitz der als ausfallsicher geltenden Papiere zu kommen. Die für das Schuldenmanagement des Bundes zuständige Finanzagentur sprach von einer positiven Resonanz der Anleger.

Die Zinsen für Bundeswertpapiere sind zuletzt wegen der eskalierenden Schuldenkrise in Europa in den Keller gerauscht. Deutsche Papiere gelten als sicherer Hafen. Anleger sind deshalb bereit, deutliche Abschläge bei der Rendite hinzunehmen. Bereits im Januar nahmen sie bei einer Emission eine negative Rendite in Kauf und zahlten dem Bund damit faktisch ein Prämie.

Genau umgekehrt sieht es bei Anleihen aus Südeuropa aus: Kurz vor den Beratungen der Euro-Gruppe über ein Hilfsprogramm für Spanien sind die Renditen für zehnjährige spanische Staatsanleihen wieder über die kritische Marke von sieben Prozent gestiegen. Am Montagmorgen betrug die Rendite 7,026 Prozent und lag damit erstmals seit dem 19. Juni über der Sieben-Prozent-Schwelle. Bei Börsenschluss am Freitag hatte die Rendite bei 6,912 Prozent gelegen. Die Investoren erwarteten keine großen Fortschritte vom Treffen der Euro-Finanzminister am Montagnachmittag, sagte der Analyst Patrick Jacq von BNP Paribas.

Die Euro-Gruppe will in Brüssel die Arbeit an einer Vereinbarung mit Spanien über ein Hilfsprogramm vorantreiben. Das Land benötigt Unterstützung in Milliardenhöhe, um seinen angeschlagenen Bankensektor zu stützen. Zudem befassen sich die Euro-Finanzminister mit dem Hilfsgesuch Zyperns und dem Stand der vereinbarten Spar- und Reformmaßnahmen in Griechenland. Die neue Regierung in Athen fordert eine Anpassung, da das Programm "teilweise entgleist" sei.
Auf dem EU-Gipfel Ende Juni waren auf Druck Spaniens und Italiens direkte Bankenhilfen sowie ein Aufkauf von Staatsanleihen reformwilliger Mitgliedsländer durch die Euro-Rettungsfonds vereinbart worden. Spaniens Regierung hatte kurz vor dem Gipfel zudem offiziell Finanzhilfen der Euro-Zone für die angeschlagenen Banken des Landes beantragt. Madrid wurden bis zu 100 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Negative Rendite: Investoren beschenken Deutschland und meiden Spanien"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das läuft genau solange, wie es eben geht, und das ist nicht mehr sehr lange. Bald schon wird es dunkel Freunde.

  • Ganz logische Sache:

    Durch das Schuldgeldsystem ist viel zu viel Geld vorhanden. (Merken: Dort wo es Schuldner gibt, gibt es auch Gläubiger. D.h., alle Schulden gehören ja auch jemandem. Bloß wem denn eigentlich...?)

    Diejenigen, die nun in dem Besitz der Schulden sind, dieser riesigen Menge Geld, die uns allen Angst macht, aber andere erfreut, da sie diese Menge Geld ja besitzen, müssen dieses Kapital anlegen. "Alles ist eine Anlage". Sei es in Bargeld, Immobilien, Unternehmensanteilen...

    Deutschland ist ein sicherer Hafen. Das wissen diese Anleger, entweder durch Spekulation, oder durch Vorwissen.

    Bricht das ganze System zusammen, dann kommt irgendwann eine neue Währung, und Deutschland, mit seiner starken Industrie und seinen tatkräftigen Arbeitern, wird irgendwann das Geld dann auch zurückzahlen. (Siehe letzte Reparationszahlungen für den I. Weltkrieg vor 2-3 Jahren)

    Andere Staaten werden sich das bequemer machen, und ihre Gläubiger nicht bedienen.

    Und dann beginnt das ganze Spiel von vorne, mit dem nächsten Zyklus des Schuldgeldsystems, was für eine Generation dann gut geht, die nächste kennt ja dann die vergangene Krise gar nicht mehr...

  • O-Ton 'karstenberwanger'
    -------------------------------
    "Investoren beschenken Deutschland - und meiden Spanien"

    Investoren die anscheinend nicht bis 3 zählen konnten waren mir schon immer die liebsten :D
    -------------------------------

    Ganz im Gegenteil, verehrter Herr Berwanger.

    Die Investoren kapieren allmählich, daß auf dem Brüsseler Gipfel NICHT der Ausverkauf Deutschlands beschlossen wurde.

    Sondern überhaupt nichts konkretes, was die Kreditwürdigkeit Deutschlands beschädigen könnte.

    Weshalb inzwischen die Umlaufrenditen der 10-jährigen Bundesanleihe wieder auf 1,3% p.a. gefallen ist.

    Wenn das nach den Zockern in London auch die Journalisten und Professor Unsinn und die 170 Wutwirte begreifen, dann könnte sich das ganze aufgeregte Gegacker langsam beruhigen.

    ------------------------

    Womit ich natürlich nicht sagen will, daß keine Wachsamkeit hinsichtlich einer möglichen Verschärfung der Ausbeutung Deutschlands durch das Ausland geboten wäre.

    Denn die Grenze der Belastbarkeit Deutschlands ist nunmehr erreicht.

    Aber - wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.

    Das unsinnige Geschrei das seitens der Wutwirte und -bürger hinsichtlich des ESM und angeblicher Ausverkaufsvereinbarungen in Brüssel gemacht wurde beschädigt leider die Glaubwürdigkeit jeder echten Vertretung deutscher Interessen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%