Negative Rendite

Investoren meiden Spanien

Deutschland verdient Geld beim Schuldenmachen: Investoren nehmen bei einer Auktion erneut negative Renditen in Kauf. Der Zinssatz für spanische Anleihen erreicht derweil ein kritisches Niveau.
Update: 09.07.2012 - 12:05 Uhr 18 Kommentare
Deutsche Euro-Münze. Bislang profitiert der Bund von der Schuldenkrise in Europa. Quelle: dpa

Deutsche Euro-Münze. Bislang profitiert der Bund von der Schuldenkrise in Europa.

(Foto: dpa)

MadridDie Auktion von deutschen Schatzanweisungen mit sechsmonatiger Laufzeit spülte dem Bund am Montag 3,29 Milliarden Euro in die Kasse. Die Investoren nahmen dafür sogar eine negative Rendite von durchschnittlich 0,0344 Prozent in Kauf, um in den Besitz der als ausfallsicher geltenden Papiere zu kommen. Die für das Schuldenmanagement des Bundes zuständige Finanzagentur sprach von einer positiven Resonanz der Anleger.

Die Zinsen für Bundeswertpapiere sind zuletzt wegen der eskalierenden Schuldenkrise in Europa in den Keller gerauscht. Deutsche Papiere gelten als sicherer Hafen. Anleger sind deshalb bereit, deutliche Abschläge bei der Rendite hinzunehmen. Bereits im Januar nahmen sie bei einer Emission eine negative Rendite in Kauf und zahlten dem Bund damit faktisch ein Prämie.

Genau umgekehrt sieht es bei Anleihen aus Südeuropa aus: Kurz vor den Beratungen der Euro-Gruppe über ein Hilfsprogramm für Spanien sind die Renditen für zehnjährige spanische Staatsanleihen wieder über die kritische Marke von sieben Prozent gestiegen. Am Montagmorgen betrug die Rendite 7,026 Prozent und lag damit erstmals seit dem 19. Juni über der Sieben-Prozent-Schwelle. Bei Börsenschluss am Freitag hatte die Rendite bei 6,912 Prozent gelegen. Die Investoren erwarteten keine großen Fortschritte vom Treffen der Euro-Finanzminister am Montagnachmittag, sagte der Analyst Patrick Jacq von BNP Paribas.

Die Euro-Gruppe will in Brüssel die Arbeit an einer Vereinbarung mit Spanien über ein Hilfsprogramm vorantreiben. Das Land benötigt Unterstützung in Milliardenhöhe, um seinen angeschlagenen Bankensektor zu stützen. Zudem befassen sich die Euro-Finanzminister mit dem Hilfsgesuch Zyperns und dem Stand der vereinbarten Spar- und Reformmaßnahmen in Griechenland. Die neue Regierung in Athen fordert eine Anpassung, da das Programm "teilweise entgleist" sei.
Auf dem EU-Gipfel Ende Juni waren auf Druck Spaniens und Italiens direkte Bankenhilfen sowie ein Aufkauf von Staatsanleihen reformwilliger Mitgliedsländer durch die Euro-Rettungsfonds vereinbart worden. Spaniens Regierung hatte kurz vor dem Gipfel zudem offiziell Finanzhilfen der Euro-Zone für die angeschlagenen Banken des Landes beantragt. Madrid wurden bis zu 100 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.

  • afp
  • rtr
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18 Kommentare zu "Negative Rendite: Investoren beschenken Deutschland und meiden Spanien"

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  • Das läuft genau solange, wie es eben geht, und das ist nicht mehr sehr lange. Bald schon wird es dunkel Freunde.

  • Ganz logische Sache:

    Durch das Schuldgeldsystem ist viel zu viel Geld vorhanden. (Merken: Dort wo es Schuldner gibt, gibt es auch Gläubiger. D.h., alle Schulden gehören ja auch jemandem. Bloß wem denn eigentlich...?)

    Diejenigen, die nun in dem Besitz der Schulden sind, dieser riesigen Menge Geld, die uns allen Angst macht, aber andere erfreut, da sie diese Menge Geld ja besitzen, müssen dieses Kapital anlegen. "Alles ist eine Anlage". Sei es in Bargeld, Immobilien, Unternehmensanteilen...

    Deutschland ist ein sicherer Hafen. Das wissen diese Anleger, entweder durch Spekulation, oder durch Vorwissen.

    Bricht das ganze System zusammen, dann kommt irgendwann eine neue Währung, und Deutschland, mit seiner starken Industrie und seinen tatkräftigen Arbeitern, wird irgendwann das Geld dann auch zurückzahlen. (Siehe letzte Reparationszahlungen für den I. Weltkrieg vor 2-3 Jahren)

    Andere Staaten werden sich das bequemer machen, und ihre Gläubiger nicht bedienen.

    Und dann beginnt das ganze Spiel von vorne, mit dem nächsten Zyklus des Schuldgeldsystems, was für eine Generation dann gut geht, die nächste kennt ja dann die vergangene Krise gar nicht mehr...

  • O-Ton 'karstenberwanger'
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    "Investoren beschenken Deutschland - und meiden Spanien"

    Investoren die anscheinend nicht bis 3 zählen konnten waren mir schon immer die liebsten :D
    -------------------------------

    Ganz im Gegenteil, verehrter Herr Berwanger.

    Die Investoren kapieren allmählich, daß auf dem Brüsseler Gipfel NICHT der Ausverkauf Deutschlands beschlossen wurde.

    Sondern überhaupt nichts konkretes, was die Kreditwürdigkeit Deutschlands beschädigen könnte.

    Weshalb inzwischen die Umlaufrenditen der 10-jährigen Bundesanleihe wieder auf 1,3% p.a. gefallen ist.

    Wenn das nach den Zockern in London auch die Journalisten und Professor Unsinn und die 170 Wutwirte begreifen, dann könnte sich das ganze aufgeregte Gegacker langsam beruhigen.

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    Womit ich natürlich nicht sagen will, daß keine Wachsamkeit hinsichtlich einer möglichen Verschärfung der Ausbeutung Deutschlands durch das Ausland geboten wäre.

    Denn die Grenze der Belastbarkeit Deutschlands ist nunmehr erreicht.

    Aber - wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.

    Das unsinnige Geschrei das seitens der Wutwirte und -bürger hinsichtlich des ESM und angeblicher Ausverkaufsvereinbarungen in Brüssel gemacht wurde beschädigt leider die Glaubwürdigkeit jeder echten Vertretung deutscher Interessen.

  • Antwort auf die Frage:

    "Wie ist es möglich, dass Investoren bereit sind negative Zinsen bzw. Zinsen unter der Inflationsrate zu akzeptieren?"

    Die Frage wird zur Zeit von vielen "Sparern" gestellt. Die Antwort ist recht einfach:

    Institutionelle Anleger - also zum Beispiel Versicherungen - können ihre Milliarden nicht einfach auf einem Bankkonto als Tagesgeld liegen lassen, denn Banken sind gefährdet und können pleite gehen. Geld auf der Bank ist nicht sicher - jedenfalls nicht in riesigen Summen! Eine der wenigen Möglichkeiten, "Sicherheit" für große Summen zu kaufen, sind daher Bundesanleihen - selbst wenn diese nur noch negative Renditen bieten.

  • Nachtrag:
    Die Vermutung mit der Wette auf einen Euroaustritt Deutschlands bzw. einem Scheitern der Eurozone wäre natürlich auch möglich, zumindest bei den langfristigen Staatsanleihen und ich glaube hier geht es ja um die 10 Jahresanleihen.
    Aber ob die da wirklich einen Gewinn machen oder ob dann irgendein Schuldenschnitt oder sowas kommt...naja...ich halte es immernoch für Schwachfug xD

  • @DerEine

    Antwort zu Ihrer Frage:

    "1. Wie ist es möglich, dass Investoren bereit sind negative Zinsen bzw. Zinsen unter der Inflationsrate zu akzeptieren? Der reale Geldwert ist dadurch nach Ende der Laufzeit deutlich niedriger als heute. Wäre es nicht sinnvoller für diese Investoren in andere Anlagen zu investieren, wie bspw. Immobilien?"

    Antwort: Der Erwerb einer Immobilie ist:
    1.) Ein langwieriger Prozess der mit erheblichen Prüfungs- und Erwerbsnebenkosten verbunden ist. Der Anlagebetrag mindert sich somit an Tag 1 der Anlage um ca 9%
    2.) Anlagegelder auf der Suche nach Rendite müssen bis zur Identifikation einer besseren Anlage "sicher geparkt" werden.
    3.) Wurde eine gute Anlagemöglichkeit identifiziert, müssen die Mittel abrufbar sein - ein mehrmonatiger Verkaufsprozess einer großen Anlageimmobilie erfüllt dieses Kriterium nicht.
    4.) In der Vergangenheit haben Großinvestoren offene Immobilienfonds als eine Art Tagesgeldersatz benutzt - da vermeintlich sicher und schnell handelbar. Das Resultat: diverse offene Fonds mussten schließen als die Anlegergelder schnell abgezogen wurden (dies ohne dass der offene Fonds es durch Missmanagement selbst zu verantworten hätte).
    5.) Es ist ein verbreiteter Irrglaube, dass eine Immobilie DIE universelle Antwort auf Inflation ist und auch ein "sicherer" Wertzuwachs ist keineswegs garantiert. Nicht ohne Grund sind nur 60% des Beleihungswertes einer Immobilie (welcher ebenfalls unter dem Kaufpreis liegen kann) als Deckungsstockfähig im Sinne der Sicherung eines Hypothekenpfandbriefs zulässig.
    6.) Manchmal ist Absicherung gegenüber Wertverlust sehr viel wertvoller als eine hohe Rendite. Vor 2 Jahren wurden mir sichere Griechische Anleihen mit garantierter zweistelliger Rendite angeboten. Da die Höhe einer Rendite in der Regel mit der Höhe des Risiko Hand in Hand geht, habe ich dankend abgelehnt und "renditefreien" Dollar gekauft (+20%).

  • "Wieso gelten dt. Staatsanleihen immer noch als sicher? Auch wir haben eine Schuldenquote von über 80% des BIP, sind somit deutlich über den vorgeschriebenen 60%"

    Richtig,
    aber wir haben eine starke Wirtschaft.
    Die Sache mit der Schuldenquote ist die,
    sie ist totaler Schwachfug.
    Für ein Land ohne Industrie welches nur für den Eigenbedarf produziert und vielleicht ein paar Tourismuseinnahmen hat, wäre eine Schuldenquote von 80% ein Genickbruch.
    Ein Land welches starke Reserven und hohe Steuereinnahmen resultierend aus einer leistungsfähigen Wirtschaft besitzt, kann dagegen einen weitaus höheren Schuldenberg verkraften und auch in der Theorie (Dies ist der größte Knackpunkt von allen, real wird es wohl nie passieren aber in der Volkswirtschaft wird eh viel mit Theorie und Modellen gearbeitet) alles zurückzahlen.

    Zu deiner Frage 1:
    Wenn sie das Geld auf der Bank lassen müssen sie Gebühren bezahlen. Wenn sie es in Unternehmen oder Immobilien investieren können sie zwar deutlich mehr bekommen, aber ein Unternehmen kann weitaus schneller pleite gehen und Immobilien können sich ebenfalls als Blase entpuppen wie in den USA oder auch Spanien, und plötzlich massiv an Wert verlieren.
    Ein Staat wird nicht pleite gehen,
    das zeigt unsere EU ja überdeutlich das sie lieber Milliarden bishin zu Billionen verpulvern würden als einen Staatsbankrott zu riskieren.

    Ich denke das wird die Theorie hinter diesem Unsinn sein,
    ich selbst muss aber sagen, es ist NICHT meine Meinung,
    ich würde mein Geld lieber gestreut anlegen in Unternehmen, welche ich als zukunftsweisend oder zumindest beständig erachte...aber jeder wie er mag.

  • auf einem blog habe ich eine andere interpretation gelesen.

    investoren die geld bezahlen um deutsche anleihen zu kaufen spekulieren auf einen austritt deutschland aus dem €?

  • LONDON (Dow Jones) - Die Gegenreaktion gegen scheinbare Bereitschaft in Deutschland, um noch tiefer in Steuergelder Tasche greifen, um die Euro-Malaise einzudämmen an Schwung gewinnt.

    Als Finnland Brennstoffe Alarm über eine mögliche Rückabwicklung des Wirtschafts-und Währungsunion (WWU), eine Protestaktion von 172 deutschen Wirtschaftsprofessoren Zuschlagen Bundeskanzlerin Angela Merkel die Einigung auf direkte Rekapitalisierung für angeschlagene europäische Banken hat einen wütenden Krieg der Worte mit der Berliner Regierung ausgelöst.

  • Weil die Staatsanleihen beim Zusammenbrechen der Währung dann in DM ausgezahlt werden, und da die DM exterm aufwerten wird ist es keine Negativverzinsung sondern ein fetter Gewinn. Sie wetten Quasi auf den Zusammenbruch des EURO.

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