Negative Zinsen
Deutschland leiht sich Geld zu minus 0,61 Prozent

Viele deutsche Anleihen dürfen von der Europäischen Zentralbank nicht mehr aufgekauft werden. Denn sie notieren unterhalb der Schwelle von minus 0,4 Prozent Rendite. Eine neue Staatsanleihe findet trotzdem Abnehmer.

Der deutsche Staat verdient nach dem Brexit-Entscheid so viel Geld beim Schuldenmachen wie noch nie. Die Versteigerung neuer Schatzanweisungen mit zwölfmonatiger Laufzeit spülte am Montag 1,125 Milliarden Euro in die Kasse. Die Investoren begnügten sich mit einer rekordniedrigen Rendite von minus 0,6107 Prozent, teilte die für das Schuldenmanagement zuständige Finanzagentur des Bundes mit.

Statt Geld für ihre Leihgabe zu bekommen, zahlen sie also noch eine Art Gebühr an den Staat, um an die Papiere zu gelangen. Trotzdem überstieg die Nachfrage das Angebot um das 1,7-Fache. Das bisherige Rekordtief für diese sogenannten Bubills lag bei minus 0,5427 Prozent und wurde am 23. Mai erreicht.

Anleger suchen angesichts der zunehmenden Verunsicherung nach dem Brexit-Votum der Briten händeringend nach sicheren Anlagen, wozu Bundeswertpapiere gehören. Sie sind deshalb bereit, auf Rendite zu verzichten - zumal sie Strafgebühren bezahlen müssen, wenn sie ihr Geld bei der Europäischen Zentralbank parken. Europa hangelt sich seit Jahren von Krise zu Krise: Von der Finanz- zur Staatsschulden- und Griechenland- bis hin zur Flüchtlingskrise und nun auch nur dem Brexit, das Aktienmärkte und viele Währungen wie das britische Pfund belastet.

Wegen zu niedriger Renditen sind mehr als die Hälfte aller Bundesanleihen mittlerweile für die für die Europäische Zentralbank (EZB) außer Reichweite. Die Rendite von 57 Prozent aller deutschen Titel liege derzeit unter der Marke von minus 0,4 Prozent, teilte der Vermögensverwalter Pictet am Montag mit. Vor zwei Wochen habe die Quote noch bei 50 Prozent und im Februar bei 45 Prozent gelegen.

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Rendite einjähriger Anleihen auf Allzeit-Tief

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