Neue Anleihe
Deutschland leiht sich Geld in Dollar

Vor vier Jahren begab der deutsche Staat erstmals Anleihen, die auf Dollar lauteten. Jetzt kommt die Finanzagentur des Bundes mit einer Neuauflage auf den Markt. Das Papier mit einer Laufzeit von drei Jahren wird voraussichtlich ein Volumen von fünf Mrd. Dollar haben. Mit der Emission in der US-Währung spart der Bund Zinskosten.

FRANKFURT. Die Bundesrepublik Deutschland betritt am Kapitalmarkt seltenes Terrain: Sie will ihre zweite Staatsanleihe begeben, die auf Dollar lautet. Damit will der Bund Zinskosten sparen und neue Investoren für seine Anleihen gewinnen. Die erste Dollar-Anleihe hatte Deutschland vor mehr als vier Jahren begeben.

Der neue Dollar-Bond wird nach Angaben der für Deutschlands Refinanzierung zuständigen Finanzagentur eine Laufzeit von drei Jahren haben. Das Volumen steht offiziell noch nicht fest. Im Handel werden aber fünf Mrd. Dollar als wahrscheinlich angesehen. Dieses Volumen hatte auch die erste Dollar-Anleihe, die im kommenden Juni fällig wird. Die Verzinsung der Anleihe soll laut Bankern 0,2 bis 0,25 Prozentpunkte unter dem dreijährigen Dollar-Swap-Satz liegen. Dieser Satz ist ein Referenzzins für US-Banken. Gestern lag er bei 1,83 Prozent.

Der deutsche Dollar-Bond wird über ein Bankenkonsortium direkt an Investoren verkauft. Als Konsortialbanken wählte der Bund Bank of America/Merrill-Lynch, Citigroup, Deutsche Bank und HSBC. Sie werden die Auftragsbücher für den Bond dem Vernehmen nach heute öffnen. Die Deutsche Bank war auch schon bei der Platzierung des ersten Dollar-Bonds im Boot.

Auf Euro lautende Anleihen begibt der Bund im Gegensatz zum Dollar-Papier im Auktionsverfahren. Dabei geben zunächst die derzeit zugelassenen 27 Banken Gebote ab und verkaufen die Anleihen erst danach zum großen Teil an Investoren. Das ist für den Bund günstiger als die Platzierung über ein Bankenkonsortium, an das Gebühren gezahlt werden müssen. Dafür gilt die Emission via Konsortium gerade für seltene Bonds als sichererer Weg, um Anleger zu finden.

Dass es so lange gedauert hat, bis Deutschland seine zweite Dollar-Anleihe begibt, erklären Banker damit, dass die Marktsituation nur selten so sei, dass der Bund Zinskosten über Dollar-Anleihen sparen könne. Die erste Dollar-Anleihe spart dem Bund im Vergleich zu einer fünfjährigen Euro-Anleihe unter dem Strich jährliche Zinskosten von 5,8 Mio. Euro. Dies hatte seinerzeit der heutige Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen erklärt. Risiken entstehen dem Bund durch die Ausgabe von Dollar-Anleihen nicht: Zins- und Währungsrisiken sichert die Finanzagentur über Banken ab.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%