Neue Anleihen für die EZB
Draghis bunter Einkaufskorb

Die EZB überrascht Anleger mit der Breite der geplanten Anleihekäufe. Selbst Bonds von britischen, amerikanischen und russischen Unternehmen könnte die Notenbank kaufen. Was das für den Markt bedeutet.

FrankfurtSechs Wochen lang haben Investoren gerätselt und spekuliert: Anleihen von welchen Unternehmen wird die Europäische Zentralbank (EZB) wohl kaufen? Dass die Währungshüter um EZB-Chef Mario Draghi bald auch bei Firmenbonds zugreifen würden, hatten sie bei ihrer Sitzung am 10. März beschlossen, blieben dabei aber vage. Im Vorfeld sind aber die Renditen von Firmenbonds deutlich gesunken. Jetzt hat Draghi beim April-Treffen der Notenbanker seine Einkaufsliste präsentiert.

Und die ist überraschend bunt. „Die Auswahlkriterien sind viel weniger streng als erwartet“, meint Peter Schaffrik, Stratege bei RBC Capital Markets. Verblüffend finden Strategen dabei vor allem zwei Punkte: Die EZB kann auch Anleihen von Unternehmen außerhalb der Euro-Zone kaufen und sie erwirbt auch Anleihen, denen einige Ratingagenturen nur eine schwache Bonität attestieren.

Los gehen die Käufe der EZB im Juni, wobei das Datum nicht feststeht. Gekauft werden nur auf Euro lautende Anleihen von Unternehmen. Dazu hatte die EZB im März lediglich gesagt, es müssten Anleihen von in der Euro-Zone etablierten Unternehmen mit soliden Investment-Grade-Ratings sein. Viele Analysten waren dabei davon ausgegangen, dass damit tatsächlich in der Euro-Zone beheimatete Unternehmen gemeint wären. Doch so ist es nicht.

Denn der Sitz der Konzernmutter kann nämlich durchaus außerhalb des Euro-Raums liegen, solange die Unternehmen Töchter im Euro-Raum haben und hier auch wirtschaftlich relevant sind. Zudem müssen die Unternehmen zu den Firmen gehören, deren Kredite Banken als Sicherheit bei der EZB einreichen können.

Damit finden sich auch Anleihen von Unternehmen aus Großbritannien wie Vodafone, Rolls Royce, National Grid oder British-American Tobacco auf der Liste. Mögliche US-Unternehmen, deren Bonds die EZB kaufen könnte, sind der Baumaschinenhersteller Caterpillar, der Landmaschinenhersteller John Deere, General Motors, General Electric oder Coca Cola. Aus Skandinavien finden sich Versorger wie Vattenfall, Dong Energy oder der Mobilfunkanbieter Telenor auf der Liste. Aus der Schweiz sind es ABB und Adecco. Und selbst russische Unternehmen wie Gazprom, Lukoil oder Russian Railways sind dabei.

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