Neue Freiheiten
Anleihefonds werden sich deutlicher unterscheiden

Verwalter von Anleihenfonds haben künftig dank einer neuen Richtlinie erheblich mehr Freiheiten beim Management. Die Unterschiede in der Leistung dürften daher zunehmen.

Es war nicht gerade leicht, in den vergangenen Jahren an den Börsen Geld zu verlieren. Doch mit festverzinslichen Anleihen und den entsprechenden Fonds erwies sich ausgerechnet jene Anlageklasse als Verlustbringer, die den sicheren Sockel in den meisten Depots bildet. Ein Blick auf die Kursentwicklung der festverzinslichen Wertpapiere zeigt: Seit fast zwei Jahren geht es deutlich bergab. Die durchschnittliche Rendite aller Bundesanleihen kletterte von einem Tief bei 2,8 Prozent im Spätsommer 2005 auf zuletzt 4,6 Prozent.

Steigende Zinsen gehen einher mit sinkenden Anleihekursen. In Zahlen: Eine Bundesanleihe mit einem Nennwert von 100 Euro, jährlichen Kupons von vier Prozent und einer Laufzeit bis 2016 kostete noch im Dezember 103 Euro. Binnen sechs Monaten sank ihr Kurs auf zuletzt 95,40 Euro. Zwar gleichen die Zinsen die Kursverluste teilweise aus. Nach Steuern haben die Anleger aber trotz der Zinseinnahmen mit Renten und Rentenfonds in den vergangenen zwei Jahren Geld verloren.

Kein Wunder, dass diese Fondsgattung derzeit auf der Verkaufsliste steht: Knapp fünf Milliarden Euro zogen deutsche Investoren binnen eines halben Jahres ab. Das ist ungewöhnlich, denn normalerweise profitieren die Anleihenfonds, wenn die Anleger ihr Geld aus den Aktien abziehen, wie es derzeit trotz steigender Kurse geschieht. Eine Besserung ist nicht in Sicht, der Zinsausblick ist trübe. Börsenpsychologen wie Heribert Müller, der den SEB Zinsglobal berät, erwarten weiteres Ungemach: „Wir haben vor zwei Jahren die Trendwende gesehen. Die Kapitalmarktzinsen werden sicher weiter steigen.“ Ein solcher Zinsanstieg führt zwangsläufig zu empfindlichen Kursverlusten, vor allem bei den länger laufenden Papieren.

Viele Fondsgesellschaften arbeiten daher an neuen Konzepten, um Rentenfonds auch in diesem schwierigen Umfeld attraktiv zu machen. Durch das neue Investmentrecht – OGAW III genannt (siehe Glossar) – erhalten sie dabei neue Freiheiten. „In der Vergangenheit konnten Fondsmanager an den Kreditmärkten nur auf positive Entwicklungen setzen“, sagt Michael Krautzberger, Fondsmanager des Merrill Lynch Euro Bond Fund. „Dadurch waren sie in Krisenzeiten wie den Jahren 2001 und 2002 erheblichen Risiken ausgesetzt.“

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