Neue Risikolust
Bundesanleihen kaum gefragt

Die Konjunktur springt an und die Euro-Schuldenkrise rückt erst einmal aus dem Fokus der Anleger. Bundesanleihen sind als sicherer Hafen weniger gefragt - und auch der Euro fällt.
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Lange Zeit sah es so aus, als ginge der Höhenflug der deutschen Bundesanleihen immer so weiter. Sogar die griechische Umschuldung konnte zunächst kaum Anleger zum Verkauf bewegen. Doch nun scheint die US-Notenbank mit ihrer Geldpolitik die Anleger zum Umdenken gebracht zu haben.

„Die Fed hat sich einigermaßen optimistisch über die Konjunktur geäußert, die US-Banken haben insgesamt den Stresstest ganz gut überstanden und nach der Griechenland-Umschuldung wird die Schuldenkrise etwas beiseitegeschoben“, sagte Mario Mattera von der Metzler Bank. „Die Bundesanleihen sind als Versicherung gegen eine Eskalation der Schuldenkrise in der Euro-Zone einfach nicht mehr das Nonplusultra.“ Die Anleger sind einfach wieder risikofreudiger, fügte ein Händler hinzu.

Der Bund-Future brach um 1,09 Punkte auf 137,14 Punkte ein, die Renditen der zehnjährigen deutschen Bundesanleihen schnellte bis auf 1,917 von 1,816 Prozent in die Höhe. Damit näherten sie sich den US-Renditen wieder etwas an. Denn für die entsprechenden US-Anleihen bekommen Anleger schon wieder 2,17 Prozent. „Das dürfte auch das Ziel bei den Bundesanleihen sein“, erklärte ein Händler.

Zugleich waren die Anleihen Italiens gefragt, was die Renditen über alle Laufzeiten drückte. Zudem nahm das Land problemlos insgesamt sechs Milliarden Euro auf, musste den Anleger dafür aber weniger Rendite zahlen als zuletzt. „Vermutlich wurde das durch den Drei-Jahres-Tender der EZB begünstigt“, erklärte Helaba-Analyst Ralf Umlauf.

Von der sinkenden Risikoscheu am Rentenmarkt konnte der Euro dagegen kaum mehr profitieren. Mit 1,3050 Dollar notierte er etwas niedriger als am Vorabend. Händler führten auch dies auf ein Umdenken der Anleger zurück, da bislang bei einer sinkenden Risikoaversion der Euro gewonnen hatte. „Die Zinsdifferenz wirkt sich mehr und mehr zugunsten des Dollar aus“, erklärte Mattera. Die Kursbewegung des Euro hänge vor allem mit der Fed-Politik zusammen. Die Notenbank hatte am Dienstagabend angesichts der einsetzenden Erholung am Arbeitsmarkt vorläufig auf weitere Geldspritzen für die US-Konjunktur verzichtet, auch wenn sie an der Nullzinspolitik festhielt.

Vor allem der Konjunkturausblick löste Händlern zufolge Käufe aus, da damit die Spekulationen auf eine spätere starke Geldspritze etwas gedämpft wurden. Mit Blick auf die Renditen der zehnjährigen Anleihen hat der Dollar aber jetzt schon einen Zinsvorteil. „Irgendwie ist der Euro der neue Dollar - mit Potenzial zur Lieblingswährung für die Kreditaufnahme an den globalen Kapitalmärkten zu avancieren“, erklärte Jens Nordvig, Währungsstratege bei Nomura.

Der Dollar holte unterdessen auch zum Yen kräftig auf: Mit 83,65 Yen nach 82,90 am Vorabend notierte er zeitweise so hoch wie seit elf Monaten nicht mehr. Die Analysten von Barclays Capital erhöhten ihr Kursziel auf 90 Yen. „Wir glauben, dass der Kurs in sechs Monaten da steht und auch noch heute in einem Jahr“, erläuterte Analyst Raghav Subbarao, Währungsstratege der Bank.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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