Neuer Terminkontrakt
Bund-Future bekommt einen Bruder

Der Terminkontrakt Bund-Future bekommt Gesellschaft. Am Montag führt die deutsch-schweizerische Terminbörse Eurex einen Terminkontrakt auf italienische Staatsanleihen ein. Der neue sogenannte BTP-Future verdankt sein Leben der Finanz- und Wirtschaftskrise.

FRANKFURT. Ähnlich wie der Bund-Future bezieht er sich auf Anleihen mit Laufzeiten von achteinhalb bis elf Jahren, nur eben nicht auf deutsche, sondern auf italienische. Damit sollen institutionelle Investoren die Entwicklungen der langlaufenden Staatsanleihen im Euro-Raum absichern können, die keine Top-Bonitätsnote von den Ratingagenturen haben. Dies sind laut Eurex inzwischen mehr als die Hälfte aller ausstehenden Euro-Staatsbonds.

Der neue sogenannte BTP-Future verdankt sein Leben der Finanz- und Wirtschaftskrise. Vorher galt der Bund-Future als sehr gutes Absicherungs- und Spekulationsinstrument für zehnjährige Staatsanleihen im gesamten Euro-Währungsgebiet. Im Zuge der Krise kamen aber sogar Spekulationen über einen Zusammenbruch der Währungsunion auf. In der Folge drifteten die Renditen der Staatsbonds im Euro-Raum extrem auseinander. Alle Länder mussten im Vergleich zu Deutschland hohe Risikoprämien (Spreads) zahlen.

Inzwischen hat sich die Lage zwar wieder beruhigt, trotzdem liegen die Renditen von zehnjährigen italienischen Staatsanleihen immer noch 0,8 Prozentpunkte über denen von deutschen. In Spanien liegt der Aufschlag bei 0,6 und in Griechenland bei 1,3 Prozentpunkten. Anfang 2007 lagen zum Beispiel die italienischen Spreads bei 0,2 bis 0,3 Prozentpunkten. "Die Risikoprämien sind immer noch sehr hoch, und viele Banken und Fonds haben uns Interesse an einem Future auf italienische Staatsanleihen signalisiert", sagt ein Sprecher der Eurex.

Investoren profitieren von Terminkontrakten auf Staatsanleihen, weil sie so mit kleinem Kapitaleinsatz auf die Entwicklung von Zinsmärkten spekulieren und ihre bestehenden Staatsanleihe-Positionen absichern können. So haben der Bund-Future und der BTP-Future Kontraktwerte von je 100 000 Euro. Davon müssen Investoren aber nur einen Bruchteil als Sicherheit (Margin) bei der Eurex hinterlegen. Die kleinste Kursänderung der Kontrakte beträgt einen Basispunkt, also zehn Euro.

Andere wichtige Terminkontrakte sind Futures auf amerikanische, japanische und britische Staatsanleihen. Dabei gibt es jeweils Futures für verschiedene Laufzeiten. In Deutschland gibt es neben dem Bund-Future noch den Bobl-Future für rund fünf-, den Schatz-Future für rund zwei- und den Buxl-Future für rund 30-jährige Bundespapiere.

Alle Futures sind Terminkontrakte auf fiktive Anleihen mit festen Zinsscheinen von in der Regel sechs Prozent. Die Futures haben Laufzeiten von meist neun Monaten. Am Ende der Laufzeit müssen die Verkäufer der Futures den Käufern die entsprechenden Anleihen liefern oder sich von dieser Verpflichtung durch den Kauf neuer Terminkontrakte lösen.

Die Handelsspannen sind bei Terminkontrakten sehr gering. Beim Bund-Future liegen sie bei nur einem Basispunkt. Um dem italienischen BTP-Future auf die Beine zu helfen, werden voraussichtlich fünf Banken und zwei Finanzdienstleister als Market Maker Handelsspannen stellen. Im Monatsdurchschnitt müssen dabei die Spannen der gestellten An- und Verkaufskurse bei acht Basispunkten liegen.

Die Liquidität und die Absicherungs- und Spekulationsmöglichkeiten der Futures verbessern auch die Handelbarkeit der zugrunde liegenden Staatsanleihen. Wilson Chin, Zinsstratege bei der niederländischenGroßbank ING, geht davon aus, dass der neue BTP-Future dabei nicht nur den Handel mit italienischen, sondern auch mit zum Beispiel spanischen, portugiesischen und griechischen Staatsbonds erhöhen wird.

Die Umsätze im BTP-Future dürften zunächst aber noch gering sein. Johannes Rudolph, Zinsstratege bei HSBC Trinkaus, schätzt, dass der Terminkontrakt auf italienische Staatsbonds so viel gehandelt werden könnte wie der Buxl-Future für 30jährige Bundesanleihen, der vor vier Jahren neu aufgelegt wurde. Seine Umsätze lagen in diesem Jahr im Schnitt bei 3 500 Kontrakten pro Tag. Zum Vergleich: Im Bund-Future wurden 2009 im Schnitt knapp 700 000 Kontrakte täglich gehandelt. Damit ist er neben dem T-Note-Future für zehnjährige US-Bonds der umsatzstärkste Terminkontrakt der Welt.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%