Neues Angebot
Bund bietet Tagesgeld an

Der Staat lockt Privatanleger mit einem neuem Angebot: Ab Juli bekommen Privatanleger Tagesgeld direkt vom Bund. Dafür bringt der Staat über die Finanzagentur, die für sein Schuldenmanagement zuständig ist, eine sogenannte Tagesgeldanleihe auf den Markt. Im Vergleich zu anderen Angeboten kann sich das Produkt durchaus sehen lassen.

FRANKFURT. „Damit bieten wir erstmalig ein Zinspapier mit täglicher Verfügbarkeit an“, sagte Carl Heinz Daube, seit Februar amtierender Geschäftsführer der Finanzagentur. Die Verzinsung orientiert sich am Eonia, dem Tagessatz, zu dem sich Banken untereinander Geld im Euro-Raum leihen. Bei einem Eonia zwischen zwei und sechs Prozent bekommen Anleger 92,5 Prozent des Eonia. Bei einem Eonia über sechs Prozent gibt es den Satz minus 0,45 Prozentpunkt, bei einem Eonia unter zwei Prozent liegt der Abschlag bei 0,15 Prozentpunkt. Beim aktuellen Eonia von gut vier Prozent bekämen Anleger die Tagesanleihe mit 3,7 Prozent verzinst. Bei Banken erhalten Anleger für Tagesgeld bei einer Anlage von bis zu 5 000 Euro nach Berechnungen der FMH Finanzberatung derzeit im Schnitt eine Rendite von nur 3,24 Prozent. Die höchsten Angebote, mit denen Banken neue Kunden gewinnen wollen, liegen indes über fünf Prozent.

Auch im Vergleich zu durchschnittlichen Geldmarktfonds kann sich das Angebot der Finanzagentur sehen lassen. Nach Berechnungen der Schuldenmanager hätte die Tagesanleihe in den vergangenen zehn Jahren eine Rendite von im Schnitt 2,97 Prozent pro Jahr gebracht, verglichen mit durchschnittlich 2,59 Prozent von Euro-Geldmarktfonds. Dies liegt vor allem daran, dass Anleger die Tagesanleihe, wie auch andere Bundeswertpapiere, ohne Gebühr direkt bei der Finanzagentur kaufen und über ein Einzelschuldbuchkonto kostenfrei verwalten lassen können. Dies geht zum Beispiel online unter www.tagesanleihe.de.

Der Preis, zu dem das neue Bundeswertpapier täglich ge- und verkauft werden kann, erhöht sich um die täglich gutgeschriebenen Zinsen. Dadurch profitieren Anleger vom Zinseszinseffekt. Per Ende eines jeden Jahres fällt der Tagespreis dann wieder auf den Nennwert von 100 Prozent. Die aufgelaufenen Zinsen werden in neue Anteile der Tagesanleihe gewandelt.

Für das laufende Jahr hält Jörg Plinke, Leiter des Privatkundengeschäfts bei der Finanzagentur, bei der Tagesanleihe einen Absatz von 1,35 Mrd. Euro für ein „realistisches Ziel“. Die Tagesanleihe sei ein erster Schritt, um mehr Privatanleger zu gewinnen, sagte Geschäftsführer Daube. Ende 2007 hatten Privatanleger bei der Finanzagentur rund 15 Mrd. Euro in Bundeswertpapieren angelegt. Damit halten sie direkt nur 1,7 Prozent aller ausstehenden Bundeswertpapiere. Weitaus wichtiger sind institutionelle Investoren. Bis 2013 will die Finanzagentur den Anteil der Privatanleger auf drei bis fünf Prozent steigern. Dies sei mit dem Gesellschafter der Finanzagentur – also dem Bund vertreten durch das Bundesfinanzministerium unter Bundesfinanzminister Peer Steinbrück – vereinbart worden.

Kritik daran kam am Dienstag von der Union. Steffen Kampeter, haushaltspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion betonte, das gesamte Privatkundengeschäft sei im Hinblick auf den äußert begrenzten Betrag am Gesamtvolumen zur Finanzierung der Bundesschuld „wenig effizient und im Grunde nicht notwendig“. Die Tagesanleihe bezeichnete er als „ordnungspolitisch äußerst bedenklich“, weil der Bund damit in einen „offenen Wettbewerb mit den Kreditinstituten“ trete. Der Bundesverband deutscher Banken sieht die Tagesanleihe dagegen nach Worten eines Sprechers „gelassen“. Der Markt sei ohnehin sehr wettbewerbsintensiv und die Banken mit Blick auf die letztlich entscheidenden Konditionen recht gut aufgestellt. Auch der deutsche Fondsverband BVI gab sich entspannt: „Konkurrenz belebt das Geschäft, und die Geldmarktfonds sind wettbewerbsfähig aufgestellt“, sagte eine BVI-Sprecherin.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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