New York
Toxische Papiere falsch bewertet

S&P erwägt, neu verpackte Hypothekenanleihen herabzustufen. Experten befürchten eine erneute Destabilisierung des Finanzsystems.
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Die Ratingagentur Standard & Poor's erwägt bei 1 196 Wertpapieren auf Basis von US-Wohnbauhypotheken eine Herabstufung. Man habe die Anleihen aufgrund der Strukturierung der Zahlungen auf die Papiere "nicht korrekt analysiert", teilten die Bonitätswächter mit.

Bei den betroffenen Anleihen handelt es sich überwiegend um dieses Jahr aufgelegte sogenannte "Re-Remics" oder "Resecuritizations of Real Estate Mortgage Investment Conduits". In solchen Papieren verpackt die Finanzbranche komplizierte Anleiheprodukte neu - und kurbelt damit den brachliegenden Markt wieder an.

Kreditkosmetik kann das Finanzsystem destabilisieren

"Re-Remic" heißt die Zauberformel, mit der toxische Kreditpapiere aufgespalten und neu zusammengesetzt werden. Der Clou dabei ist: Der größte Teil des neuen Kunstprodukts hat danach ein besseres Bonitätsrating als vorher.

Seit Anfang vergangenen Jahres sind Re-Remics im Volumen von über 85 Milliarden Dollar auf den Markt gekommen. Mit ihnen wurden herabgestufte Hypothekenanleihen neu verbrieft, einige erhielten von den Ratingagenturen Top-Bonitätsnoten, wie aus einem Bericht der Amherst Securities Group aus Texas hervorgeht. Unter anderem haben Bank of America und Bank of New York Mellon solche Re-Remics begeben.

Experten befürchten nun, dass die Rückkehr zu einer derartigen Kreditkosmetik das Finanzsystem erneut destabilisieren wird. Gerade die komplexe Verpackung von Krediten in Anleihen hatte die aktuelle Krise mit ausgelöst. Der Internationale Währungsfonds warnte in seinem jüngsten Global Financial Stability Report vor den Re-Remics. Die neuen Produkte trügen das Risiko eines Wertverlustes, wenn sich die Konjunktur eintrübe.

Die nun von S&P diskutierte Herabstufung der Re-Remics wird damit begründet, dass die Ratingagentur ursprünglich nicht analysiert habe, welche Folgen es habe, wenn einige der Papiere gleich hohe Zinszahlungen auf unterschiedliche Tranchen leisten würden, statt die Tranchen in Reihenfolge ihres Rangs zu bedienen.

Das geht aus zwei Mitteilungen der Ratingagentur hervor. Darüber hinaus wollte sich S&P nicht äußern.

Jetzt hängt alles davon ab, wie stark die Ratings verändert werden

"Ein Schuldeingeständnis von einer Ratingagentur: das ist doch richtig erfrischend, und was für ein nettes Weihnachtsgeschenk", kommentierte Sylvain Raynes, Direktor bei R&R Consulting in New York die Mitteilung. "Ich wüsste nur gern, ob dafür auch jemand entlassen wird."

Von der Herabstufung dürften Re-Remics im Volumen von über 30 Milliarden Dollar betroffen sein, von denen die meisten ausschließlich von S&P bewertet worden waren, schätzt Scott Buchta, Leiter Investmentstrategie bei dem New Yorker Broker Braver Stern Securities.

"Das könnte für einige Eigentümer der Anleihen ziemlich große Auswirkungen haben. Es hängt davon ab, wie stark die Ratings verändert werden", erklärt er. Bloomberg

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