Notkredit
Abu Dhabi wehrt Schuldenkrise Dubais ab

Das Scheichtum Abu Dhabi springt für Dubai in die Bresche, lässt dem klammen Nachbaremirat einen Notkredit von zehn Milliarden Dollar zukommen. Dubai kann damit seinen Anleiheverpflichtungen nachkommen, was an den Finanzmärkten ein Feuerwerk der Erleichterung auslöst.
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DUBAI/FRANKFURT. Mit einer Liquiditätsspritze von zehn Mrd. Dollar für das klamme Nachbaremirat Dubai hat das Scheichtum Abu Dhabi ein Erleichterungsfeuerwerk an den Finanzmärkten ausgelöst. Der Notkredit war dringend notwendig geworden, weil Nakheel, der Immobilienfonds des staatseigenen Dachfonds Dubai World, am Montag eine Anleihe nach islamischem Recht in Höhe von 4,1 Mrd. Dollar zurückzahlen musste. Wäre Nakheel in Verzug geraten, wären neben dieser Anleihe zwei weitere Anleihen als notleidend eingestuft worden und hätten zur sofortigen Rückzahlung angestanden. Die übrigen knapp sechs Mrd. Dollar nutzt Dubai World, um seine Rechnungen zu bezahlen, bis eine angestrebte Schuldenrestrukturierung mit den Gläubigern abgeschlossen ist.

Nakheel ist der Träger der berühmten palmenförmigen Sandinseln, mit denen in Dubai der Strandtourismus weiterentwickelt werden soll. Der Fonds ist in Schieflage geraten, weil er hohe Abschreibungen auf seinen Immobilienbesitz vornehmen musste.

„Abu Dhabis Hilfe ist wichtig, es zeigt, dass das Emirat die Stabilität der Wirtschaft der Vereinigten Arabischen Emirate und des Finanzsystems zu garantieren bereit ist“, betonte Jan-Willem Plantagie von der Ratingagentur Standard & Poor's.

Börse Dubai legt zehn Prozent zu

Mit einem Sprung um zehn Prozent nach oben machte die Börse Dubai rund die Hälfte der Verluste seit Beginn der Krise wett. Dubai World hatte am 25. November Zahlungsschwierigkeiten eingeräumt und seine Gläubiger um ein Stillhalteabkommen gebeten. Auch die Aktien und Währungen vieler Schwellenländer legten kräftig zu. Diese hatten besonders unter der erhöhten Risikoaversion internationaler Anleger gelitten, die der Dubai-Schock ausgelöst hatte. Europäische Bankaktien profitierten ebenfalls, insbesondere Standard Chartered, HSBC und Royal Bank of Scotland gewannen, da diese Banken stark in den Vereinigten Arabischen Emiraten engagiert sind.

Abu Dhabi im Sog Dubais

Abu Dhabis Hilfsbereitschaft dürfte auch damit zusammenhängen, dass das Emirat selbst in den Strudel von Dubais Schuldenkrise geraten ist. Moody's hatte in der vergangenen Woche angekündigt, sieben Staatsunternehmen in Abu Dhabi auf eine Herabstufung zu überprüfen – darunter Ferrostaal-Großaktionär IPIC und EADS-Partner Mubadala. „Die gegenwärtigen Bewertungen profitieren von der Annahme, dass die Regierung implizit eine starke Unterstützung bietet“, hieß es in dem Bericht. Nach den Erfahrungen mit Dubai World müsse dies überdacht werden.

Dubai World gehört der Regierung zu 100 Prozent. Diese hat allerdings keine expliziten Garantien für den Fonds übernommen. So sieht Moody's den Bail-out zwar als positives Zeichen, drängt aber auf mehr Transparenz. „Unter welchen Kriterien ist Abu Dhabi bereit, Dubai zu unterstützen?" fragt Philipp Lotter, der bei Moody's für die Region zuständig ist: „Solange dieser Prozess nicht transparenter verläuft, wird dies keine nachhaltigen Auswirkungen auf unsere Ratings haben.“

Abu Dhabi ist das größte und ölreichste der sieben Emirate, die die Vereinigten Arabischen Emirate bilden. Dubai ist das zweitgrößte. Dubai und seine vom Staat kontrollierten Unternehmen haben nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg Kredite von 80 Mrd. Dollar aufgenommen, um mit neuen Einnahmequellen die zu Neige gehenden Ölvorräte zu ersetzen. Die jetzige Hilfsaktion des Nachbaremirats ist bereits die dritte, seit die Weltfinanzkrise einen Immobilienboom in Dubai abrupt beendete.

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