Österreich
Das Land, das seine Gläubiger nicht bezahlt

Das malerische Kärnten ist der Alptraum für Anleger. Die mit einer Landeshaftung versehenen Anleihen der Bank Hypo Alpe Adria sind wertlos. Österreich kann zahlen, will aber nicht. Das trifft vor allem deutsche Anleger.
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WienDas kristallklare Wasser des Wörthersees hat nie seine Magie verloren. Im Sommer lockt es die Reichen und Schönen in den noblen Ferienorte Velden und Pörtschach. Manche leben in diesem Paradies an der Alpensüdseite für immer wie Ingrid Flick, die Witwe des deutschen Industriellen Friedrich Karl Flick. Der Milliardär ruht seit seinem Tod am Wörthersee in einem Mausoleum in Velden. Spätestens seit der Fernsehserie „Ein Schloss am Wörthersee“ ist Kärnten zum Synonym für ein paradiesisches Leben aufgestiegen. Doch die Urlaubsidylle trügt.

Denn Kärnten ist heute zugleich ein Synonym für eine finanzpolitische Kaltschnäuzigkeit, die in Europa ihresgleichen sucht. Es geht um die Folgekosten für die 2009 verstaatlichte Skandalbank Hypo Alpe Adria mit Sitz in Kärntens Hauptstadt Klagenfurt. Österreich hat entschieden, dass die Inhaber von Anleihen, die mit einer Haftung des Bundeslandes Kärnten versehen wurden, nicht zurückgezahlt werden. Österreich kann zahlen, will es aber nicht, um die heimischen Steuerzahler angesichts der Folgekosten für die Abwicklung der früheren BayernLB-Tochter Hypo Alpe Adria ein Stück weit zu schonen. Die nachrangigen Anleihen haben nach Angaben des österreichischen Finanzministeriums ein Volumen von 890 Millionen Euro.

Im Dachgeschoss seines Wiener Ministeriums, nur wenige Schritte vom Stephansdom entfernt, hat Vizekanzler und Finanzminister Wolfgang Spindelegger von der konservativen ÖVP an einen heißen Sommerabend zur Vorstellung seines Planes eingeladen, der viele Sparer um ihr Geld bringen wird. Er macht den Anlegern im kleinen Kreis vor Journalisten wenig Hoffnung. Nur wenn am Ende der Abwicklung der Hypo Alpe Adria etwas übrig bleibe, könne Geld fließen. Die Wahrscheinlichkeit dafür geht aber gegen null.

Die österreichische Regierung wollte auf Anfrage nicht nennen, welche Gläubiger davon betroffen sind. Nach Informationen der österreichischen Zeitung „Die Presse“ wurden vier Fünftel der Schuldscheinverschreibungen in Deutschland verkauft. Die Bonds der Klagenfurter Bank waren insbesondere bei Versicherungen und Pensionsfonds beliebt. Denn schließlich garantierte das Bundesland Kärnten für die ordnungsgemäße Rückzahlung. Was sollte da schiefgehen, dachten sich viele Anleger.

Offenbar sind österreichische Investoren nur zu einem geringeren Teil betroffen. Darunter ist die Vienna Insurance Group. Der Marktführer in Österreich besitzt nachrangige Anleihen im Wert von 100 Millionen Euro. Davon sind nach Unternehmensangaben rund die Hälfte mit einer Garantie des Landes versehen. Auch die Wiener Versicherung und Raiffeisen-Tochter Uniqa ist mit 34 Millionen Euro an Hypo-Anleihen betroffen.

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Ein Monstrum im kafkaesken Bau

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Das Ansehen Österreichs leidet

Kommentare zu " Österreich: Das Land, das seine Gläubiger nicht bezahlt"

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  • dafür das die Bayern die Bank wesentlich herunter gewirtschaftet haben

    hahaha, nice try, kommt von einem Österreicher, kann nicht anders. Wenn's schief läuft gibt man den Deutschen die Schuld!

    Nein, nein Dümmchen Stoiber hat eine völlig marode Bank gekauft, weil er Heider auf den Leim gegangen ist. Der hat dann ganz schnell das gemacht, was jeder einigermassen intelligente Mensch machen würde und ein super Fussballstadion gebaut (kann man ja schwerlich wieder abmontieren). Irgendwann hat es dann doch gedämmert in den drei bayrischen Gehirnkrümmungen, dass der Deal vielleicht doch nicht so vorteilhaft war, wie ursprünglich geplant.

    Aber zum Runterwirtschaften war nicht mehr viel da, weil runtergewirtschaftet war das Ding schon vorher. Und wie man sieht, kann man ja Bayern jetzt wieder gut zum Südenbock verwenden.

    Die Masche wird doch langsam langweilig.

  • Die Regierung der Republik Österreich hat also vor, den Steuerzahler wieder einmal zu übervorteilen.
    Mir scheint die Regierung sollte um Asyl in Deutschland ansuchen.

  • Die Republik Österreich wird weit mehr als 10 Milliarden EUR in die Bank pumpen dafür das die Bayern die Bank wesentlich herunter gewirtschaftet haben. Das zumindest die Besitzen von Nachranganleihen keine volle Rückzahlung erhalten ist das Mindeste. Alle Anleihen die von der Republik Österreich garantiert werden, werden auch vollständig zurück bezahlt.

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