Optimismus in Athen Nach der Rückkaufaktion prüft Athen die Angebote

Freitag Abend, 18 Uhr, war die Frist für den griechischen Schuldenrückkauf. Dabei mussten sich die Bond-Eigentümer entscheiden, ob sie hohe Verluste hinnehmen wollen. Ersten Anzeichen zufolge war die Aktion erfolgreich.
Update: 08.12.2012 - 16:59 Uhr 27 Kommentare
Vollmond über der Akropolis: Die Frist für die Griechenland-Umschuldung läuft ab. Quelle: Reuters

Vollmond über der Akropolis: Die Frist für die Griechenland-Umschuldung läuft ab.

(Foto: Reuters)

AthenGriechenlands Schuldenrückkauf ist allen Anzeichen nach erfolgreich verlaufen. Es seien Offerten über knapp 30 Milliarden Euro abgegeben worden, berichteten griechische Medien unter Berufung auf Kreise im Ministerium. Wie die Nachrichtenagentur dpa aus dem Finanzministerium in Athen erfuhr, wurden die Angebote am Samstag noch im Detail geprüft. Wann die offizielle Bilanz bekanntgegeben werden sollte, blieb zunächst unklar.

Zu den offerierten Preisen von 30 bis 40 Cent je ein Euro Anleihen-Nennwert wurden der Regierung Schuldpapiere im Umfang von rund 30 Milliarden Euro angeboten, sagte am Samstag ein Regierungsvertreter. Er signalisierte damit, dass die Rückkaufaktion ihr gestecktes Ziel erreicht haben dürfte. Das ist umso wichtiger, als von deren Erfolg weitere Entlastungen und auch die Freigabe von insgesamt 43,7 Milliarden Euro an bereits früher zugesagten Kredithilfen für das Land abhängen.

Das Rückkaufangebot traf offenbar sowohl bei griechischen, wie bei ausländischen Haltern griechischer Staatsanleihen - darunter befinden sich viele Hedgefonds - auf Interesse. "Im Großen und Ganzen lief das Rückkaufprogramm gut", sagte ein griechischer Regierungsvertreter. Das, was die Anleger uns angedient haben, bewegt sich in der erwarteten Größenordnung von etwa 30 Milliarden Euro." Die griechischen Banken, die rund 17 Milliarden Euro an Staatspapieren von insgesamt gut 60 Milliarden Euro halten, die sich noch im privaten Besitz befinden, hatten bereits ihre Teilnahme an dem Programm angekündigt. Und auch ausländische Investoren haben sich nach Zeitungsberichten bereiterklärt, 15 bis 16 Milliarden Euro an Anleihen an die Regierung zu verkaufen.

Mit dem Rückkaufprogramm könnte die griechische Regierung auf Basis der gebotenen Preise und des Kaufumfangs ihre Schuldenlast um fast 20 Milliarden Euro verringern. Das hilft langfristig beim Abbau des Schuldenberges, der für das Land zumindest wieder einigermaßen tragbar sein muss - eine für den Internationalen Währungsfonds (IWF) ganz wichtige Anforderung. Griechenland wird außerdem kurzfristig von Zins- und Tilgungszahlungen entlastet.

Mit dem Schuldenrückkauf ist eine wesentliche Bedingung erreicht, um dem Land weitere Entlastungen im Bereich von Zinsen, Kreditlaufzeiten und Stundungen zu sichern, auf die sich die Euro-Länder und der IWF kürzlich verständigt hatten. Insgesamt haben all die Hilfen einen Umfang von etwa 40 Milliarden Euro. Formal darüber entscheiden wollen die Euro-Finanzminister am 13. Dezember. Dann wollen sie auch die früher schon zugesagten Kredithilfen von 43,7 Milliarden Euro freigeben. Gut 34 Milliarden Euro davon sollen schon im Dezember fließen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble verteidigte die Griechenland-Hilfen in der "Bild am Sonntag" noch einmal, auch wenn sie erstmals den deutschen Bundeshaushalt belasten werden. "Wie viel das insgesamt kostet, kann ich noch nicht abschließend sagen", sagte der CDU-Politiker der "Bild am Sonntag". Der Verzicht auf Zinseinnahmen belaufe sich für Deutschland auf rund 130 Millionen Euro im Jahr. Die Ausschüttung von Geldern, die den EZB-Gewinnen aus dem Anleihen-Ankaufprogramm von zehn Milliarden Euro bis 2035 entsprächen, bedeuteten insgesamt 2,7 Milliarden Euro weniger für Deutschland.

Athen hatte den Haltern verschiedener Staatspapiere mit langen Laufzeiten Angebote von 30,2 bis 40,1 Prozent des ursprünglichen Werts gemacht. Wegen der dramatischen Schuldenkrise Griechenlands waren die Staatsanleihen rasant im Wert gefallen. Nehmen die Gläubiger das Angebot an, sind sie die problematischen Papiere los.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) riet Anlegern von einer Teilnahme an dem Verfahren ab. „Wer aussteigen will, sollte dies über die Börse tun. Grundsätzlich sollte man aber ohnehin nur dann verkaufen, wenn aktueller Finanzbedarf besteht und man mit den steuerlichen Folgen leben kann. Denn eines ist klar: Wer aussteigt, egal auf welchem Weg, gibt möglicherweise die Klageberechtigung aus der Hand“, sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler.

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27 Kommentare zu "Optimismus in Athen: Nach der Rückkaufaktion prüft Athen die Angebote"

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  • Die Griechen werden solange im EURO bleiben bis wir Deutschen alle ihre Schulden bezahlt haben.
    Durch Schulden-Schnitt oder Anleihen-Rückkauf.
    Dann treten sie aus und fangen mit einer neuen DRACHME wieder an.
    Das ist der größte Betrug an den Deutschen seit 1923
    und die dummen deutschen Politiker machen mit.

  • Die Schulden sind nicht weg (abgebaut), die hat jetzt nur jemand anders!!

  • @DELINX
    Ich glaube nicht an eine solide und lügenfreie Durchführung und Publizierung des Ankaufs.
    ---------------------------------------------Das ist der entscheidende Satz in diesem Thread!

    Sollten wir tatsächlich so dumm und naiv sein, den griechischen Angaben zu ihrem "erfolgreichen Ankaufprogramm" zu glauben - wo wir doch wissen, dass die Griechen in diesem und im letzten Jahrhundert noch niemals die Wahrheit berichtet haben?

    Warum also sollten wir ihnen ausgerechnet heute in Bezug auf ihren "Beitrag" zur Sanierung ihres exorbitant verschuldeten Staatsapparat glauben? Sollten wir wirklich so dumm sein?

  • Ja, wer den Griechen in diesem Jahrhundert auch nur noch einen Cent leiht, muss mit dem Klammerbeutel gepudert sein.

    .............. auch wenn sie erstmals den deutschen Bundeshaushalt belasten werden.
    ----------------------------------------------------
    Und ich dachte, es handelt sich lediglich um Garantien, Bürgschaften, ....... die nie gezogen werden müssen!

    Herr Schäuble, sind Sie ein ganz mieser und verkommener Lügner?

  • Legalisierter Betrug durch die "politischen" Mittäter. Welcher Idiot geht schon bei Aldi klauen, wenn er "legal" einen ganzen Planeten plündern kann?

  • Vor ca. einem Jahr betrug das CDS-Volumen ca. 100 Milliarden Euro bei einer Staatsverschuldung von 350 Milliarden. Im Wesentlichen werden die CDS von amerikanischen Banken abgesichert - Morgan Stanley, Goldman Sachs, JP Morgan u.a.

    Der Versicherungskonzern AIG musste infolge der Subprimekrise Staatshilfen beantragen, da er die abgesicherten Kreditausfallversicherungen nicht vollständig bedienen konnte.

    Aus diesem Grund wird mit Hilfe der Rating-Agenturen alles versucht, dass der Zahlungsausfall von Griechenland nicht als Ausfall gewertet wird - "freiwillig".

    Die Fürsorge unserer amerikanischen Freunde ging inzwischen so weit, dass unser Finanzminister im Urlaub von seinem Kollegen Geithner besucht worden ist - Thema zu der Zeit war eine eventuelle Pleite Griechenlands.

    Eine offizielle Pleite ist deshalb ebenso erwünscht wie Volksabstimmungen in Europa.

  • Rückkaufprogramm
    ================
    Die Steuerzahler "schenken" also Griechenland 10Mrd€, damit sie ihre Schrottpapiere zurückkaufen können. Das ist dann Voraussetzung für weitere Steuergeschenke.
    Auch diese 10Mrd€ werden niemals zurückgezahlt.

    So ist es auch mit den "sogenannten" Einsparungen von 11,5Mrd€ bis 2016, welche Griechenland "angekündigt" hat, damit es im Dezember 44,5Mrd€ an "Hilfsgelder" erhält.
    Dann folgt der nächste Schuldenschnitt und das nächste "Hilfspaket". Aber Griechenland ist immer noch pleite.

  • @Ludwig500

    So werden wieder einmal die Schulden sozialisiert, ohne die Bevölkerung darüber zu informieren. Die Differenzen werden von den Verkäufern steuerlich geltend gemacht und somit uns Steuerzahler aufgebürdet. Schuldenschnitt light.

  • Das ist doch ein windiger Finanztrick. Griechische Banken realisieren Verluste in Höhe von ca. 30 Milliarden. Dafür gibt es 44 neue Milliarden. Von denen fliesst der Grossteil wieder zu den Banken. Der Staat hat auf dem Papier 30 Milliarden weniger Schulden, dafür werden die Banken jetzt 30 Milliarden mehr brauchen und bekommen. Toll!

    In welcher Grössenordnung tatsächlich auch private Investoren zugegriffen haben wird sicherlich nicht kommuniziert werden.


  • Nach einer gestrigen Meldung verzockte eine Währungstussi Bundesland Salzburg alleine in paar Jahren 300 Mio Euro.

    Sollte ein "fall out szenario GR" greifen , GR Politik den Währungscrash über Banken provozieren, reichen paar Computermafiatricks für anhaltenden black days.

    Die EU Führung begeht kollektvien Selbstmord in Guyanasued., die USA schickt Nationalguard auf die Stasse, um malls zu schützen. Michel verhungert ohne Einmachglas.

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