Pimco-Chef El-Erian
„Die Situation in den USA ist kein Problem, sondern eine Krise"

Mohamed El-Erian, der Chef des weltgrößten Anleihehändlers Pimco, erwartet, dass die großen Notenbanken noch sehr viel mehr Geld in die Märkte pumpen werden. Anders seien die Herausforderungen nicht zu stemmen.
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FrankfurtDer weltgrößte Anleihenhändler Pimco geht davon aus, dass die wichtigsten Notenbanken der Welt zur Ankurbelung der schwächelnden Volkswirtschaften noch kräftig nachlegen werden. Diese Zentralbanken seien derzeit nicht nur hyperaktiv, sie würden auch noch bis zu einer Erholung überaktiv bleiben, sagte Pimco-Chef Mohamed El-Erian auf einer Bankenkonferenz in Frankfurt.

Die US-Notenbank Federal Reserve, die Europäische Zentralbank (EZB) und die japanische Notenbank (BoJ) seien dazu gezwungen, große Mengen Geld in die Wirtschaft zu pumpen, um die vor ihnen liegenden Herausforderungen zu bewältigen. Sie würden sich immer tiefer in noch unbekanntes Gebiet vorarbeiten. Pimco verwaltet Vermögen im Wert von rund 1,4 Billionen Dollar und ist eine weitgehend autonome Tochter des Münchener Allianz -Konzerns.

Die Sorgen der Federal Reserve um die hohe Arbeitslosenquote in der weltgrößten Volkswirtschaft seien berechtigt, sagte El-Erian. "Die Situation auf dem US-Arbeitsmarkt ist kein Problem sondern eine Krise." Für die nächsten zwölf Monate gehe er von einem Wirtschaftswachstum in den USA von einem bis 1,5 Prozent aus, während in Europa die Wirtschaftsleistung um ein bis 1,5 Prozent schrumpfen sollte. China dürfte seiner Einschätzung nach um 6,5 bis sieben Prozent und die Weltwirtschaft um zwei bis 2,5 Prozent zulegen.

In Europa hat sich die Situation zuletzt ein wenig entspannt. Portugal hat am Mittwoch erfolgreich einen weiteren Testlauf für seine Rückkehr an die Kapitalmärkte absolviert, Spanien hatte schon am Vortag rund 4,6 Milliarden Euro Anleihen am Kapitalmarkt platziert und der Euro behauptet sich gegenüber dem Dollar.

Ob der Aufwärtstrend von Dauer sein wird, ist allerdings völlig ungewiss, denn er dürfte auch stark von dem jüngst verkündeten Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) gestützt sein. Trotzdem ist insbesondere Portugals Auktion kurzfristiger Staatsanleihen ein Zeichen dafür, dass die Anleger wieder Vertrauen in das von der Euro-Krise geplagte Land setzen.

Bei Auktionen von Schuldtiteln mit sechsmonatiger und anderthalbjähriger Laufzeit nahm Portugal am Mittwoch zwei Milliarden Euro Kapital auf. Damit übertraf es das selbst gesteckte Ziel von 1,75 Milliarden Euro klar. Auch die Renditen waren niedriger als zuletzt. Für die 18-Monatspapiere wurden 2,9 Prozent Zinsen fällig, im April waren es noch 4,5 Prozent. Die sechsmonatigen Geldmarktpapiere rentierten mit 1,7 Prozent, im Juli lagen sie noch bei 2,2 Prozent. Die Nachfrage nach den 18-Monatsanleihen sei doppelt so hoch gewesen wie das Angebot, teilte das portugiesische Schatzamt mit, die sechsmonatigen waren sogar dreifach überzeichnet.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Wenn ich an die ganze Gelddruckerei denke, fällt mir spontan mein Bäcker ein.

    Schon mal drüber nachgedacht, was passiert, wenn man zu viel Hefe nimmt?

    Und BUMM hat’s gemacht …

  • Hier wird mal wieder deutlichst veranschaulicht dass die Herren, wie Herr El-Erian mit ihrer Auffassung die durch die Zentralbanken zur Verfügung gestellten Mittel würden der Wirtschaft zugute kommen, völlig den Überblick für die Realität verloren haben. Nur ein ganz kleiner Teil dieser Mittel erreichen die Wirtschaft und werden dem Konsum (der durch immer höhere Steuerbelastungen immer stärker abgewürgt wird) nicht stimulieren. Der größte Teil dieser Mittel wird wieder einmal die erreichen, die überhaupt die Ursache der Probleme sind in denen wir uns befinden. Die Finanzwelt. Und diese werden, immer mit Blick auf hohe Renditen und von Gier getrieben, diese frischen Mittel wieder dafür verwenden Spekulationsblasen zu bilden (mit denen man bis zum Platzen sehr viel mehr Geld verdient). So wird auf der einen Seite die Geldmenge exponential erhöht, auf der anderen Seite die Weltwirtschaftsleistung immer weiter herab gesetzt. Die Hyperinflation, dieses Mal weltweit, ist vorprogrammiert. Statt eine Medizin gegen die Infektion zu verabreichen um den geschädigten Körper zur, zugegeben schmerzhaften, Genesung zu verhelfen, wird die Infektion auch noch unterstützt sich weiter auszubreiten.

  • dem Pimco Chef muß die Düse gehen, denn er sitzt auf dem größten Giftmüllberg der Welt.

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