Plädoyer für Eurobonds
Soros ermahnt die Deutschen

Beim Weltwirtschaftssymposium in Kiel suchen Fachleute nach Lösungen für globale ökonomische Probleme. George Soros sieht die Eurobonds als nötig, um die Euro-Schuldenkrise zu beenden. Doch sie allein reichen nicht aus.
  • 43

KielDer US-Großinvestor George Soros fordert von Deutschland eine besondere Verantwortung in Europa und sieht gemeinsame Staatsanleihen der Euro-Länder unbeirrt als geeigneten Weg zur Bewältigung der Schuldenkrise. Durch Eurobonds könnten schwache EU-Länder von der Wirtschaftskraft der Bundesrepublik profitieren und die Zinslast so in Grenzen gehalten werden, sagte der 83-Jährige am Dienstag beim Weltwirtschaftsforum in Kiel. „Die Kosten der Schuldenaufnahme wären so sehr viel niedriger und es wären keine Transferzahlungen nötig.“

Soros wies Deutschland eine besondere Rolle zu. Die Eurozone werde nun - da die Krise vorüber sei - vom wirtschaftlich stärkstem Land in der Gemeinschaft angeführt. Die anderen Staaten hinkten wegen der Schuldenlast und den höheren Finanzierungskosten hinterher. Sollte dies so bleiben, würden sich die Unterschiede in Europa noch verschärfen, warnte Soros. Deutschland hätte einen „Pyrrhus-Sieg“ errungen. Daher sei es nötig, die Konstruktionsfehler der Gemeinschaftswährung zu beheben. „Nur Deutschland kann diesen Prozess anstoßen, weil es als das Land mit dem höchsten Kreditrating am Steuer sitzt“, betonte Soros.

Soros hat sich bereits mehrfach für die Einführung von Eurobonds stark gemacht. Die Wahrscheinlichkeit ihrer Einführung schätzt der gebürtige Ungar inzwischen allerdings als eher gering ein. Bundeskanzlerin Angela Merkel sei durch den Ausgang der Bundestagswahl in ihrer Ablehnung eher noch bestärkt worden, sagte er. CDU und CSU lehnen jede Form der Schulden-Vergemeinschaftung in der Euro-Zone ab. Aufseiten der Opposition werden Eurobonds dagegen befürwortet, um die Zinslast schwacher EU-Länder zu verringern.

Soros argumentierte, Deutschland würde von einer Stabilisierung der Eurozone profitieren. Er machte zugleich klar, dass er Eurobonds nicht für ein Allheilmittel hält. Die wirtschaftlich schwächeren Euroländer dürften in ihren Reformbemühungen nicht nachlassen. Eine Transferunion wolle niemand.

Soros hat sich in der Vergangenheit wiederholt mit starken Aussagen zur Finanzpolitik und über Investmentstrategien von sich Reden gemacht. Seinen Ruhm innerhalb der Investmentbranche begründete er Anfang der 1990er Jahre mit seinen erfolgreichen Marktwetten gegen das Britische Pfund. Sein Gesamtvermögen wird auf 20 Milliarden Dollar geschätzt. Soros gründete 1969 einen der ersten Hedgefonds überhaupt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Plädoyer für Eurobonds: Soros ermahnt die Deutschen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • warum werde ich das gefühl nicht los, dass beim Einführen von den geforderten Euro-Bonds von Soros gleich zu Beginn 1 MRD fehlen wird?

  • Seine sozialistischen Forderungen sind nur lächerlich und widersprechen seinem eigenen geldgierigen Handeln
    ____________________

    Kein Widerspruch, sondern sehr konsequent. Er sieht sich halt als einer der "Führer" in dieser Sache und somit privilegiert - im Gegensatz zum Rest der Menschheit, die nur Schachfiguren sind. Weist deutlich in Richtung Soziopathie.

  • ist doch klar, ALLE Ausländer wollen Eurobonds. Alle, außer die dummen Deutschen, würden profitieren.

    Wenn die Deutschen so dämlich wären da mitzumachen.

    Faktisch haben wir aber schon Eurobonds. Anleihenkäufe EZB, ESM, Target2 usw...

    Das Problem sind nicht die höheren Zinsen sondern die irgendwann gezogenen Bürgschaften.

    Ich würde ja auch nicht für meinen pleite Nachbarn für seine Kredite Bürgen, damit er in meinem Laden einkaufen kann.

    Das geht nur sehr kurze Zeit gut...

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%