Pleitesegment Mittelstandsanleihen
Der deutsche Mittelstand ramponiert sein Image

Unter den Mittelstandsanleihen gibt es immer mehr Ausfälle – bei Mifa und Mox Telecom ermitteln sogar die Staatsanwälte. Solide Unternehmen bangen um ihr Image. Der Mittelstand macht sich Sorgen um seinen Ruf.
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DüsseldorfPleiten, Pech und Pannen bei Mittelstandsanleihen – Anleger haben sich mittlerweile fast schon daran gewöhnt. Sie fürchten um ihr Erspartes, ärgern sich über falsche Versprechen, viel zu laxe Ratingagenturen und reiben sich erstaunt die Augen, wenn vermeintlich solide Unternehmen Insolvenz anmelden oder die Staatsanwaltschaft ermittelt. Doch es geht längst nicht mehr nur um das Geld der Investoren, das im Feuer steht. Inzwischen ist die heilige Kuh der Deutschen in Gefahr, das worum uns die Welt beneidet: „The German Mittelstand“.

So jedenfalls sieht es Klaus Nieding, profilierter Anwalt, wenn es um die Interessen von Anlegern hierzulande geht:  „Es wird nicht nur das Image des Mittelstands – immerhin das Rückgrat der deutschen Wirtschaft – ramponiert, sondern auch gleich die Anlageform Anleihe. Vor allem Privatanleger wenden sich ab“, sagt der Anlegeranwalt von der Kanzlei Nieding + Barth. „Der Kollateralschaden ist immens.“

Der Suppenhersteller Zamek, das Modelabel Strenesse, der Maschinenbauer Rena, Unternehmen aus dem Bereich erneuerbare Energien wie Solar Millennium und Windreich – die Liste der Pleiten ist lang und wird immer länger. Von den 134 Firmen, die seit 2010 an einer der fünf Mittelstandsbörsen in München, Hannover, Stuttgart, Düsseldorf und Frankfurt viel Geld von Privatanlegern eingesammelt haben, sind mittlerweile 15 zahlungsunfähig.

Die neueste Insolvenz ist gerade einmal einen guten Monat her. Ende Juli hatte der international tätige Telefonanbieter Mox Telecom die Segel gestrichen. Offenbar wollten Banken auslaufende Kreditlinien nicht verlängern, obwohl das Unternehmen aus Ratingen bei Düsseldorf bis zuletzt gute Zahlen präsentiert hatte. Nun stehen Betrugsvorwürfe im Raum, die Staatsanwaltschaft prüft den Fall. Der Aktienkurs liegt seitdem im Keller, und auch Anleihegläubiger bangen um ihr Geld. 35 Millionen Euro hatte sich Mox bis 2017 vom Kapitalmarkt geliehen – wie viel davon an Anleger zurückfließen wird, weiß derzeit allerdings niemand.

Ein anderer Fall sind die Mitteldeutschen Fahrradwerke (Mifa). Auch wenn der angeschlagene Fahrradbauer in letzter Minute einen Investor gefunden hat, ist er keineswegs aus dem Schneider. Mifa kämpft jetzt gegen Betrugsvorwürfe an. Die Staatsanwaltschaft in Halle ermittelt, wie das Handelsblatt exklusiv berichtete. Ex-Vorstand Peter Wicht könnte unter anderem gegen das Aktiengesetz verstoßen haben. Anleger werden das genau beobachten, mussten sie doch auf 60 Prozent ihrer Forderungen verzichten, um Mifa zu retten.

Andere Unternehmen kämpfen mit überholten Geschäftsmodellen – und könnten bis zur Fälligkeit ihrer Anleihen in einigen Jahren noch ins Straucheln geraten. Auch bekannte Marken, darunter der Magenbitter-Hersteller Semper idem Underberg, der Getränkeproduzent Valensina oder das „Traumschiff“ MS Deutschland hatten zuletzt Probleme damit, schwarze Zahlen zu schreiben.

Kommentare zu " Pleitesegment Mittelstandsanleihen: Der deutsche Mittelstand ramponiert sein Image"

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  • Ist einfacher eine Anleihe zu tätigen, als sich von den Banken Machtspielchen abhängig zu machen. Siehe Deutsche Bank gegen diverse Erben, Quelle, Karstadt/Kaufhof, usw.

  • Solange man nicht endlich wieder auf die Basis der freien Marktwirtschaft zurück kommt und Rechtssicherheit bietet, wird sich daran auch nichts ändern. Beispiel? EEG: Erst Laufzeitverlängerung für AKWs, plötzlich Vollbremsung. In diesen Land wird bei vielem überreguliert, aber wo es Not täte (bei windigen Finanzanlagen), da passiert nichts oder das falsche.

  • Was will man erwarten, wenn die Hälfte dieser Mittelstandsanleihen auf der Basis eines EEG Gesetzes basieren und damit nicht Markt-Wettbewerbsfähig sind. Ein EEG das politisch diktiert ist und gegen jede Marktwirtschaftliche Vernunft spricht, ist ein Gesetz, dass zum Scheitern verurteilt ist. Und somit sind ALLE Unternehmen, die sich auf dieses EEG stützen auch zum wirtschaftlichen Untergang verdammt. Solarworld z.b. treibt schon seit über 2 jahren Insolvenzverschleppung.

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