Pluspunkte: Hohe Barreserven und Kreditlinie – Trotz besserer Quartalszahlen ist der Konzern noch nicht über den Berg
Bei Fiat gelten nur Kurzläufer als sicher

Der italienische Traditionskonzern Fiat, zu dem neben der Autosparte der LKW-Hersteller Iveco und der Landmaschinenproduzent CNH gehören, ruft bei Anleihe-Experten keine Begeisterung hervor.

FRANKFURT/M. Im Vergleich zu 2002 – als Fiat einen Rekordverlust von 4,3 Mrd. Euro einfuhr und seine Ratings innerhalb des sicheren Investment-Grade verlor – steht der Konzern zwar wieder besser da. Aber Fiat-Anleihen gelten immer noch als riskantes Investment, das nur mit vergleichsweise niedrigen Risikorprämien entlohnt wird. Für relativ interessant halten Experten lediglich die Anleihen von Fiat, die in den nächsten beiden Jahren fällig werden. Der liquideste Bond unter den Fiat-Kurzläufern läuft im nächsten Mai aus und hat ein Volumen von 1,7 Mrd. Euro.

Diese Anleihe rentiert mit rund drei Prozent und bietet damit einen Prozentpunkt mehr als die vergleichbare Bundesanleihe. Dabei können Anleger nach Meinung von Cyril Benayoun, Analyst für Unternehmensanleihen bei BNP Paribas, relativ sicher sein, dass Fiat die kurz laufenden Anleihen bedienen kann. Bis Ende nächsten Jahres würden zwar Fiat-Bonds über mehr als 2,5 Mrd. Euro fällig, aber die könne der Konzern aus seinen Barreserven von mindestens sechs Mrd. Euro zahlen. Dazu haben Banken Fiat Ende Juni eine Kreditlinie über eine Mrd. Euro gewährt, die drei Jahre lang gilt.

Auch Felix Fischer, Analyst für Unternehmensanleihen bei der Hypo-Vereinsbank (HVB), hält die Fiat-Anleihen für die nächsten zwei Jahre für sicher und findet sie attraktiv für Anleger, die für diese kurze Laufzeit Geld parken wollen. Fiat-Anleihen böten zwar etwas weniger Rendite als zum Beispiel Anleihen von General Motors (GM). Dafür seien sie aber auch nicht so schwankungsanfällig wie GM-Bonds, und außerdem sei der Rating-Trend bei Fiat stabiler als bei GM.

Die Ratingagenturen Standard & Poor’s (S&P), Fitch und Moody’s stufen die Kreditwürdigkeit von Fiat zwar immer noch mit „BB-“ beziehungsweise „Ba3“ und damit drei Stufen unter Investment-Grade ein. Aber immerhin hat S&P Anfang August den Ratingausblick auf „stabil“ von zuvor „negativ“ angehoben. S&P erwartet, dass sich die Autosparte allmählich erholt. Fiat-Chef Sergio Marchionne will mit der Autosparte 2007 wieder Gewinn machen. „Das ist ein sehr ambitioniertes Ziel“, urteilt Fischer von der HVB. Im zweiten Quartal brachte das Autogeschäft Fiat noch einen operativen Verlust von 88 Mill. Euro ein. Insgesamt wies der Konzern für das zweite Quartal einen Nettogewinn 217 Mill. Euro aus, aber nur dank der Finanzspritze von GM. Der US-Konzern hat sich für 1,5 Mrd. Euro von seiner Verpflichtung freigekauft, die Autosparte von Fiat zu übernehmen. Die letzte Tranche von 419 Mill. Euro dieser Zahlung fiel im zweiten Quartal an.

„Die Quartalszahlen waren ein Schritt in die richtige Richtung, aber ob Fiat so bald den Turnaround in der Auto-Sparte schafft, ist unsicher“, meint Benayoun von BNP Paribas. „Fiat plant zwar viele Modelle, aber es ist vor allem wichtig, dass der neue Mittelklassewagen Fiat Punto gut ankommt“, sagt Benayoun. Der neue Punto soll im Anfang September in Turin vorgestellt werden. Innerhalb eines Jahres sollen 360 000 neue Puntos verkauft werden. Bis 2008 will Fiat zehn Mrd. Euro in seine Autosparte investieren. Bis dahin sollen 20 neue Modelle der Marken Fiat, Lancia und Alfa Romeo auf den Markt kommen. 23 existierende Modelle will Fiat überarbeiten. Bislang sei außer den Bekundungen noch nicht viel an Verbesserungen zu erkennen, kritisiert Union Investment. Die Fondsgesellschaft gewichtet die Anleihen von Fiat derzeit neutral und hält sich dabei eher an die kurzen Laufzeiten.

Etwas skeptisch stimmt Experten, dass sich die Anleihen von Fiat schon sehr gut entwickelt haben. Die Kurse sind stetig gestiegen und die Renditen im Gegenzug gesunken. Im November 2002 – als Fiat noch das Rating-Gütesiegel Investment-Grade hatte – brachten ein Jahr später fällige Anleihen des Unternehmens Renditen von knapp elf Prozent. Damals stand der gesamte Markt unter anderem immer noch unter dem Schock der Bilanzskandale um Worldcom und Enron. Seitdem haben Unternehmensanleihen aber durch die Bank eine beeindruckende Rally hingelegt. Im April dieses Jahres – als sich abzeichnete, dass auch die US-Autokonzerne GM und Ford ihre Investment-Grade-Ratings verlieren, kam der Markt für Unternehmensanleihen zwar unter Druck. Inzwischen hat sich die Lage aber wieder weitgehend beruhigt.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%