Politische Risiken überschatten die glänzenden Wirtschaftsdaten des Landes – Bonds profitieren von der höheren Bewertung durch Moody’s
Anleiheexperten setzen auf die Ukraine

Anleiheanalysten sehen für ukrainische Staatsanleihen weiteres Potenzial. „Zwar sind die fetten Jahre vorbei, aber die Ukraine haben wir in einem schwierigen Markt übergewichtet“, sagt Dietmar Hornung, Senior Economist bei der Deka-Bank.

FRANKFURT. Die ukrainische Papiere seien nicht mehr billig, aber eignen sich für eine defensive Strategie“, sagt Michael Ganske, Rentenexperte von der DWS, „vor allem wegen der hervorragenden Wirtschaftsdaten“.

Aufgrund des seit vier Jahren anhaltenden starken Wirtschaftswachstums sowie der gestiegenen Devisenreserven, hatte die Ratingagentur Moody´s die Fremdwährungsanleihen der Ukraine in der vergangenen Woche von „B2“ auf „B1“ angehoben.

„Das Wachstum liegt in diesem Jahr bei 5,5 % und das dürfte anhalten“, glaubt Janis Hübner, Rentenexperte bei der DZ-Bank, „schließlich hänge die Ukraine an der Lokomotive Russland, die in diesem Jahr mit 6,5 % wächst.“ Zudem seien die Arbeitskräfte des Landes qualifizierter und billiger als in China, weiß Ganske von der DWS.

Nach der Moodys-Entscheidung ist der Renditeabstand der zehnjährigen ukrainischen Euroanleihe gegenüber der gleichlaufenden Bundesanleihe auf rund 400 Basispunkte gesunken. 1998 – nach der Russlandkrise – lagen die Spreads noch bei über 2 000 Basispunkten. Noch im vergangenen Jahr musste die Ukraine einen Kupon von 11 % für eine Laufzeit von 7 Jahren anbieten, um 350 Mill. Dollar am Kapitalmarkt einsammeln zu können. Im Juni dieses Jahres genügten der Regierung 7,65 % um einen Bond über 800 Mill. Dollar zu platzieren. Für die zehnjährige Anleihe lag die Nachfrage bei 5 Mrd. Dollar.

Achillesferse der Ukraine bleibt freilich die politische Instabilität: „Die Wahlen im Oktober 2004 werfen schon ihre Schatten voraus“, sagt Hornung. Und „die bergen ein politisches Risiko. Hohe Volatilitäten könnten im Vorfeld der Wahl die Spreads treiben“, befürchtet Ganske. Die Märkte hoffen auf einen Sieg des ehemaligen Zentralbankchefs Viktor Juschtschenko, immerhin darf Präsident Leonid Kuchma nicht wiedergewählt werden, es sei denn, er würde die Verfassung mit Zweidrittelmehrheit ändern. Das scheint aussichtslos, denn die politischen Kräfte setzen mit Blick auf einen späteren EU-Beitritt längst auf die Annäherung an Westeuropa. Dennoch: „Kuchma ist immer für eine Überraschung gut“, warnt Hübner. „Die strukturellen Probleme überschatten die glänzenden wirtschaftlichen Daten“, sagt auch Hornung. „Ohne die fragile politische Lage würde unser Länderrisikoindikator sogar ein Investmentgrade für die Ukraine ausspucken.“

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