Premiere
Der Pfandbrief geht nach Amerika

Der deutsche Finanzmarkt exportiert ein Erfolgsprodukt in die USA: Washington Mutual, die größte nordamerikanische Sparkasse, bereitet ihren ersten Pfandbrief (Covered Bond) vor. Sie ist das erste US-Institut, das sich über ein Instrument refinanziert, dessen Wurzeln in Deutschland liegen.

FRANKFURT. Pfandbriefe sind mit Anleihen oder Krediten an die öffentliche Hand gedeckt. Sie sind das traditionelle Refinanzierungsinstrument deutscher Hypotheken- und Landesbanken. „Es ist faszinierend, dass nicht nur der US-Kapitalmarkt seine Produkte nach Europa exportiert, sondern der Pfandbriefgedanke auch in den USA Fuß fasst“, sagt Louis Hagen, Hauptgeschäftsführer des Verbands deutscher Pfandbriefbanken (VDP).

Washington Mutual plant ein Volumen von mindestens einer Mrd. Euro. Die Emission ist mit privaten Hypothekendarlehen gedeckt und soll als „Jumbo“ platziert werden. Jumbos sind mindestens eine Mrd. Euro schwer, und während der gesamten Laufzeit stellen die Konsortialbanken An- und Verkaufskurse in engen Spannen. Bald beginnt die Roadshow, bei der sich die Amerikaner europäischen Investoren vorstellen. Konsortialführer sind Barclays Capital, ABN Amro und Deutsche Bank.

Experten gehen davon aus, dass der Markt durch US-Emittenten dauerhaft bereichert wird. „Es gibt noch große Nachfrage von Häusern aus den USA“, sagt Hagen. In Finanzkreisen ist etwa eine Hand voll Emittenten im Gespräch, darunter sind große Hypothekenfinanzierer wie Wells Fargo, Wachovia oder Countrywide. Bislang machten US-Emittenten und Investoren um Covered Bonds einen weiten Bogen. Die Banken refinanzieren ihre Hypothekendarlehen unter anderem durch verbriefte Anleihen, so genannte Mortgage Backed Securities, (MBS). Bei diesen werden die Kredite anders als bei Covered Bonds aus der Bilanz ausgegliedert.

Covered Bonds sind einfacher strukturiert und gelten als besonders sicher. Deshalb müssen Emittenten für Covered Bonds Schätzungen zwischen 0,25 und 0,30 Prozentpunkte weniger Zinsen zahlen als für MBS. Das macht sie für Emittenten attraktiv.

Bei europäischen Investoren dürfte Washington Mutual keine Probleme haben, die Papiere unterzubringen, sagt Claudia Vortmüller, Analystin bei der Commerzbank. Großanleger suchten ständig nach der Möglichkeit, ihr Portfolio zu diversifizieren, schon von daher sei die US-Emission interessant. Hagen geht zudem davon aus, dass die Emission auch amerikanische Investoren generell für gedeckte Anleihen aufgeschlossener machen wird. Von der Erweiterung der Investorenbasis und dem generell breiteren Markt würden dann auch die deutschen Pfandbriefbanken profitieren.

Seite 1:

Der Pfandbrief geht nach Amerika

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%