Privatanleger: Griechenland-Anleihen vom Handel ausgesetzt

Privatanleger
Griechenland-Anleihen vom Handel ausgesetzt

Anleger stecken in der Klemme: Kaum liegt das Angebot zum Schuldenschnitt vor, kommt der Handel mit Griechen-Anleihen an den Börsen zum Erliegen. Damit haben Privatanleger heute keine Chance, die Papiere loszuwerden.
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DüsseldorfDer Handel mit griechischen Anleihen ist unterbrochen. Seit Montagmorgen werden an Handelsplätzen in Deutschland keine Kurse mehr gestellt. Damit haben Privatanleger derzeit keine Möglichkeit, ihre Papiere loszuwerden. Wer sich etwa an der Börse Stuttgart über die am 20. März fällige Griechen-Anleihe (GR0110021236) informieren will, erhält den Hinweis: „Vom Handel ausgesetzt.“

Die Börsenbetreiber verweisen auf regeltechnische Gründe: „Die im März fällige griechische Staatsanleihe wurde heute vom Handel ausgesetzt, da nun ein offizielles Rückkaufangebot der griechischen Regierung vorliegt. Dies entspricht den üblichen Handelsusancen in einem solchen Fall. Morgen wird das Papier wieder in den Handel eingeführt und ist dann wieder handelbar“, sagte Markus Gross, zuständig für den Handel mit Euro-Staatsanleihen an der Börse Stuttgart .

Auch in Frankfurt stammt der letzte Kurs vom Freitag. Ein Sprecher der Deutschen Börse erklärte dazu: „Am Freitagabend hat unsere Marktsteuerung eine Mitteilung des griechischen Finanzministeriums erhalten.
Daraus ging hervor, dass Griechenland beabsichtigt, Anleihen in andere umzutauschen. Deshalb hat die Deutsche Börse ab heute früh den Handel in allen griechischen Staatsanleihen für einen Tag ausgesetzt.“
Die Börse habe wenig Spielraum. Bei der Mitteilung von freiwilligen Rückkauf- oder Umtauschangeboten sowie von vorzeitigen Kündigungen oder Teilkündigungen von Schuldverschreibungen werde der Handel für die betreffenden Wertpapiere sofort bis zum Ablauf des folgenden Börsentages nach der öffentlichen Bekanntgabe einer solchen Maßnahme ausgesetzt. Am Dienstag will die Frankfurter Börse den Handel mit griechischen Staatsanleihen wieder aufnehmen.

Für Großinvestoren spielt der Handel an den Börsen keine maßgebliche Rolle. Sie handeln die Papiere untereinander am Telefon.

Am Freitag hatte die griechische Regierung den privaten Gläubigern ein offizielles Angebot zum Schuldenschnitt gemacht. Das entsprechende zehnseitige Dokument wurde auf einer Internetseite des Athener Finanzministeriums in englischer Sprache veröffentlicht. Am Wochenende kam ein 167 Seiten starkes "Invitation Memorandum" mit weiteren Details hinzu.

Der Schuldenschnitt betrifft ausstehende Anleihen mit einem Gesamtvolumen von 206 Milliarden Euro. Die griechische Schuldenlast soll durch den Gläubigerverzicht um 107 Milliarden Euro schrumpfen.

Insgesamt sollen private Gläubiger auf 53,5 Prozent ihrer Forderungen gegenüber Athen verzichten. Für die restlichen 46,5 Prozent erhalten sie neue Wertpapiere. In Form einer 30-jährigen griechischen Anleihe mit EFSF-Absicherung fließen 31,5 Prozent, in Form von EFSF-Papieren mit ein oder zweijähriger Laufzeit weitere 15 Prozent. Zusätzlich gibt es zu der griechischen Anleihe ein Wertpapier, das vom Wirtschaftswachstum Griechenlands abhängt. Für die neuen Anleihen wird englisches Recht gelten. Das Programm soll bis 2042 laufen.

Die neuen Anleihen sollen bis 2015 einen Zinssatz von 2 Prozent haben. Danach soll der Zinssatz stufenweise steigen - bis 2020 auf 3,0 Prozent, 2021 3,65 und danach 4,3 Prozent. Durch den Forderungsverzicht und die veränderten Konditionen summieren sich die Verluste auf mehr als 70 Prozent des Nominalwerts der Anleihen.

Die Anleger haben bis zum 8. März Zeit, um zu entscheiden, ob sie dem Schuldenschnitt zustimmen oder nicht. Der Umtausch soll dann möglicherweise zwischen dem
8. und 11. März erfolgen. Machen nicht genug mit, können die privaten Gläubiger notfalls auch zum Forderungsverzicht gezwungen werden. Stimmen weniger als 75 Prozent dem Umtauschangebot zu, wird die griechische Regierung den Schuldenschnitt zwangsweise durchführen. Bei einer Beteiligungsquote von 75 bis 90 Prozent hält sich die Regierung die Option zumindest offen. Machen mehr als 90 Prozent mit, kommt der Rest ungeschoren davon.

Es gilt als wahrscheinlich, dass die Ratingagenturen Griechenland nach Durchführung des Schuldenerlass' vorübergehend für pleite erklären - obwohl die Maßnahme zusammen mit dem zweiten Rettungspaket der internationalen Geldgeber das Land ja gerade vor dem Bankrott retten soll. Allerdings wäre die Herabstufung der Ratingagenturen technisch bedingt: Ein Schuldenschnitt bedeutet eben auch, dass ein Land seine Schulden nicht bedienen kann und damit de facto insolvent ist.

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter
Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales

Kommentare zu " Privatanleger: Griechenland-Anleihen vom Handel ausgesetzt"

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  • Staatsanleihen ,auch deutsche ,kann man schon seit mehreren Jahren nicht mehr kaufen.Wer´s trotzdem tut ,ist selber schuld.

  • Friedrich hat sich heute nicht als Held erwiesen sondern als Waschlappen, der mit "ja" abgestimmt hat. Helden ist Gauweiler und alle anderen Abweichler.

  • Totgesagte leben länger, womöglich auch der Euro.

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