Privatanleger
Griechischer Schuldenschnitt? Ohne uns!

Wenn der griechische Schuldenschnitt kommt, ist kein Privatanleger gezwungen, mitzumachen. Jeder hat es selbst in der Hand: Wer zockt und die Umschuldung ablehnt, könnte am Ende sogar als Gewinner dastehen.
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DüsseldorfBis zum geplanten Referendum, bei dem die Griechen über das zweite Rettungspaket abstimmen sollen, ist noch alles offen: Ob der Schuldenschnitt kommt, ob Griechenland zur Drachme zurückkehrt – und wie die Anleger am Ende dastehen.

Nach dem aktuellen Stand wird Griechenland Anfang nächsten Jahres seinen privaten Gläubigern einen Schuldenschnitt von 50 Prozent anbieten. Wie die Banken damit fertig werden sollen, ist ein viel diskutiertes Thema, doch auch die Kleinanleger kann das treffen. Griechenland plant, sein Tauschangebot allen privaten Investoren vorzulegen – dazu zählen Banken, Versicherer und Pensionsfonds, aber auch die Kleinanleger.

Die Anleger können auch im Falle eines Schuldenschnitts selbst entscheiden, was aus ihren Papieren wird – es ist kein Umtauschzwang, sondern ein Angebot. Der Verband Deutsche Kreditwirtschaft betont in einem aktuellen Statement: „Der Umtausch für die privaten Investoren ist freiwillig.“

Doch wer den Schuldenschnitt ablehnt, wettet darauf, dass Griechenland seine Haushaltsprobleme in den Griff bekommt und in Zukunft wieder zahlungsfähig wird. „Zu diesem Zeitpunkt kann ihnen niemand eine verbindliche Auskunft darüber geben, was im Fall einer Nichtannahme geschieht“, so die Deutsche Kreditwirtschaft. Schlimmstenfalls verlieren die Anleger ihr Geld komplett.

Es gibt allerdings auch Stimmen, die Anleger davor warnen, mit dem Schuldenschnitt die Hälfte ihres Geldes abzuschreiben. „Das Beispiel Argentinien-Bonds hat gezeigt, dass es sich durchaus gelohnt hat, wenn sich Anleger zusammenschließen und einen Schuldenschnitt nicht akzeptieren“, sagt Max Schott, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Sand und Schott in Stuttgart. In Argentinien hatte 2005 ein Viertel der Gläubiger eine Umschuldung abgelehnt. Für Kleinanleger verlief das glimpflich: Wer weniger als 50.000 Dollar in Anleihen hielt, bekam am Ende neue Schuldscheine mit einem niedrigeren Zinssatz, aber ohne einen Teil der Anleihesumme zu verlieren.

Außerdem ist weiterhin offen, ob Griechenland seinen Schuldzahlungen nicht doch noch nachkommen kann. „Ob Griechenland tatsächlich keine Vermögenswerte besitzt, um die Anleihen zurück zu zahlen, werden wahrscheinlich irgendwann Gerichte klären müssen“, so Schott.

Die EZB, die griechische Anleihen in großem Stil aufgekauft hat, wird den Schuldenschnitt nicht mitmachen. Die Notenbank geht davon aus, dass sie ihr Geld - finanziert durch den EFSF - zu hundert Prozent zurückbezahlt bekommt. Daran sollten sich auch die Kleinanleger orientieren, meint Gottfried Urban, Vorstand Neue Vermögen AG. Nur für die Banken bestehe ein "freiwilliges Muss".  

Das Prozedere des Schuldenschnitts: Griechenland steht in der Pflicht, seine Gläubiger über die Details zu informieren. Offen ist derzeit zum Beispiel, über welche Laufzeit und zu welchem Zinssatz die neuen Anleihen im Tausch ausgegeben werden. Banken und Sparkassen können dann ihre Depotkunden informieren, doch dass ein erklärender Brief im Briefkasten liegt, darauf können sich die diese nicht verlassen.

Eine Alternative ist, dass die Kleinanleger bei der Umschuldung gesondert behandelt werden. Das müsste auf Initiative Griechenlands passieren. In dem Fall könnten sich die Anleger Hoffnung auf etwas bessere Konditionen bei der Umschuldung machen. Allerdings ist zwischen diesen Gruppen schwer zu unterscheiden: Es gehören alle zu den privaten Investoren, denen Griechenland nach aktuellem Stand das Tauschangebot vorlegen würde.

Auch der Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone steht seit wenigen Tagen wieder zur Debatte. Was dieses dritte Szenario für die Eigentümer von Staatspapieren bedeuten würde, steht auf einem ganz anderen Blatt. Nur eins ist sicher: Die Anleger werden dabei auch nicht besser wegkommen.

Annika Reinert
Annika Williamson
Handelsblatt / Freie Mitarbeiterin

Kommentare zu " Privatanleger: Griechischer Schuldenschnitt? Ohne uns!"

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  • Entweder die Anleihen werden wie vereinbart ausgezahlt oder GR/IRL/I/ESP erklaert den Bankrott und zahlen weniger oder gar nichts. Im letzteren Fall nennt sich das Default und die CDS muss/sollte ausgezahlt werden. Es lohnt sich also schon stur zu bleiben und sogar auf einen Default zu hoffen um bei den CDS richtig zu kassieren. Dem Anleger ist es letztlich egal ob GR oder die Counter Party zum CDS bezahlt.
    Wenn die Zahlung von CDS verweigert wird, wie letztlich geschehen, dann werden die Risikopraemien auf die Zinsen aufgeschlagen. Statt 6% bezahlt Italien dann eben 8% oder 9% oder bekommt gar kein Geld mehr geliehen.
    Am besten die EZB druckt einfach soviel wie gebraucht wird. Bedienen kann die Schulden sowieso niemand mehr. Es ist Zeit der Realitaet ins Auge zu sehen.

  • Die entscheidende Frage ist - es ist bereits angeklungen -: Kommt es zu einem "Default" mit allen Konsequenzen im Hinblick auf die Kreditversicherungen, wenn Griechenland die Privat-Gläubiger nicht zu 100% auszahlt, wenn diese nicht freiwillig verzichten. Ich glaube, daß der 50%-Verzicht der Banken ausreicht, damit Griechenland einigermaßen für das nächste Jahr zahlungsfähig bleibt, und z.B. die Anleihen mit Laufzeit bis 2012 auszahlt. Ich selbst halte derartige Anleihen und kam und komme nicht im Traum auf die Idee, diese mit jetzt 60% Verlust zu verkaufen. Mit den restlichen 40% gehe ich dann auch noch ins Risiko. Mit Gier hat das übrigens gar nichts zu tun. Wir erinnern uns: Die Ex-Finanzminister Eichel und Waigel hat letztes Jahr Privatanleger aufgefordert, Griechenland zu unterstützen und GR-Anleihen zu kaufen. Die Bundeskanzlerin selbst hat dann versichert, daß diese Anleihen mit Laufzeit bis 2013 sicher (!!!) sind, da durch den Rettungsfonds garantiert. Ich vertraue weiter darauf. Ansonsten gibt es Prozesse. Das Schauspiel vor einer Wahl, ist es mir Wert "drin" zu bleiben, zumal der Markt eh sehr, sehr eng ist!

  • In der FAZ tönte es am 29.10.2011 ganz ähnlich . "Ich rette die Griechen nicht" erzürnte sich da Redaktionsstalent Patrick Bernau. Immerhin offenbarte Bernau ehrlichrweise sein eigenes wirtschaftliches Interesse beim Thema "Schonung der Privatgläubiger".Der junge Mann hatte im April 2010 GR-Anleihen
    zum Kurs von 83,95% erworben.Die Vorstellung, dass der erhoffte Tilgungsgewinn ((immerhin über 19% des Einsatzes)) mit einem persönlichen Risiko verbunden sein sollte, wollte dem Schreibtalent Bernau partout nicht einleuchten. Vehement vertrat er den Standpunkt, andere müssten ihm den Anlageerfolg garantieren -vor einer Verlustteilnahme (( die Bernau "Beitrag" nennt)) müsse er erst um Zustimmung gebeten werden.Ich hoffe, diese wirre Weltsicht schlägt nicht auf das Handelsblatt durch.
    Erste Anzeichen sind im Artikel erkennbar.

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