Privatanleger
Handel mit Griechen-Anleihen läuft wieder

Private Anleger können ihre Griechenland-Anleihen wieder verkaufen. Am Morgen verzeichneten die Börsen in Stuttgart, Frankfurt und Berlin bereits nennenswerte Umsätze. Gestern war der Börsenhandel gestoppt worden.
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DüsseldorfDer Handel mit griechischen Anleihen läuft wieder. Ein Sprecher der Börse in Stuttgart bestätigte dies auf Anfrage des Handelsblatts. Die größten Umsätze verzeichnete am Morgen Stuttgart, wie sich aus den Internetinformationen der Stuttgarter Börse ergibt. Auch über die Börse in Frankfurt liefen nennenswerte Umsätze. Außerdem tätigten Anleger in Berlin Geschäfte. An den anderen deutschen Börsenplätze taxierten Händler zumindest Griechen-Anleihen.

Seit Montagmorgen waren an Handelsplätzen in Deutschland dagegen keine Kurse mehr gestellt worden. Damit hatten Privatanleger keine Möglichkeit, ihre Papiere loszuwerden. Wer sich etwa an der Börse Stuttgart über die am 20. März fällige Griechen-Anleihe (GR0110021236) informieren wollte, erhielt den Hinweis: „Vom Handel ausgesetzt.“ Heute morgen dagegen verzeichnet das System wieder Umsätze und Kurse.

Die Börsenbetreiber verwiesen gestern auf regeltechnische Gründe: „Die im März fällige griechische Staatsanleihe wurde heute vom Handel ausgesetzt, da nun ein offizielles Rückkaufangebot der griechischen Regierung vorliegt. Dies entspricht den üblichen Handelsusancen in einem solchen Fall“, sagte Markus Gross, zuständig für den Handel mit Euro-Staatsanleihen an der Börse Stuttgart.

Den Handel beflügeln könnte heute auch die jüngste Aktion der Ratingagentur Standard & Poor's. Die Analysten reagierten auf den Schuldenschnitt mit einer erneuten Abstufung der Kreditwürdigkeit und senkten am Montag die schon mangelhafte Note „CC“ auf ein „Selective Default“, also einen teilweisen Zahlungsausfall. S&P hatte dies angedroht. Grund ist, dass Griechenland die Anleger notfalls per Gesetz zwingen will, beim Schuldenschnitt mitzumachen. Die Ratingagentur Fitch hatte sich ähnlich geäußert. Ein Zahlungsausfall ist deshalb problematisch, weil damit Kreditausfallversicherungen fällig werden könnten. Auch Feri EuroRating stufte heute die Bonität Griechenlands auf „Default“ herab.

Diese sogenannten Credit Default Swaps (CDS) waren einer der Gründe, warum die Finanzkrise des Jahres 2008 so dramatische Ausmaße angenommen hatte. Damals war es zu einer Kettenreaktion im Finanzsystem gekommen. Erst kurz zuvor hatte der Deutsche Bundestag dem 130 Milliarden Euro schweren neuen Hilfspaket für Griechenland zugestimmt. Einer der Kernpunkte ist, dass die Gläubiger aus der Privatwirtschaft freiwillig auf Teile ihrer Forderungen verzichten und bestehende Anleihen in neue, länger laufende und niedriger verzinste Papiere umtauschen.

Experten hatten ausgerechnet, dass Verluste vom ursprünglichen Wert der Anleihen von mehr als 70 Prozent drohen. S&P stufte die in den Schuldenschnitt einbezogenen Staatsanleihen sogar auf „D“ ab, was Zahlungsausfall bedeutet. Wenn genügend Anleihebesitzer ihre Wertpapiere wie vorgeschlagen umtauschen, kann sich die Kreditsituation für Griechenland jedoch schnell wieder entspannen, wie S&P erklärte. In diesem Fall sei es gut möglich, dass der „teilweise Zahlungsausfall“ als abgewendet angesehen werde und die Ratingnote auf ein „CCC“ steige, hieß es. Auch das Athener Finanzministerium wies auf den Umstand hin.

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Griechenland-Gläubiger sollen auf mehr als die Hälfte verzichten

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  • Gibt genug Dummköpfe, sonst würden nicht jeder alle 4 Jahre "wählen" gehen und glauben er hätte etwas mitbestimmt.

  • Wer kauft denn noch diesen Müll? Das können doch nur süchtige Automatenzocker sein.

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