Prokon
Grüne Mega-Anleihe startet mit Kursabschlägen

Verkaufsdruck am ersten Handelstag: Die Mega-Anleihe von Prokon wird mit Abschlägen von bis zu acht Prozent gehandelt. Einige Altanleger möchten Kasse machen. Das Papier ist noch Teil des Insolvenzplans.

DüsseldorfEs war für die Börsen eine Art Wild Card: Die Anleihe des als Genossenschaft wiedererstandenen Prokon-Konzerns hat kein offizielles Rating, ihre Konstruktion ist ungewöhnlich. Die neue Mega-Anleihe von Prokon (WKN: A2AASM) mit einem Umfang von 500 Millionen Euro ist noch Teil des Insolvenzplans und soll früheren Prokon-Anlegern einen Teil ihrer Quote sichern. Am ersten Handelstag steht fest: Einige Altanleger möchten endlich Kasse machen.

„Der Kurs pendelt sich zwischen 97 und 98 Prozent ein“, stellte ein Hamburger Wertpapierhändler von MBB Fairtrade gegen 11 Uhr noch fest. Die Umsätze seien mit 300 000 Stück „recht moderat“ gewesen. Gegen Nachmittag sind die Kurse dann aber auf zuletzt 92 Prozent des Nominalwertes abgerutscht. Es sind offenbar einige Gläubiger da, die nun Quote mitnehmen möchten, sagte Anlageexperte Marius Hoerner von der Vermögensverwaltung Hinkel & Cie in Düsseldorf.

Die Anleihe ist ungewöhnlich konstruiert: Sie ist mit Windparks besichert und wird über die Laufzeit von 15 Jahren komplett zurückbezahlt. Die Zinshöhe beträgt 3,5 Prozent. Den Zins hatte Experte Hoerner als zu niedrig befunden, allerdings sei das Papier vernünftig strukturiert.

Es dürfte auch in den nächsten Wochen und Monaten spannend blieben: Das Management muss über die kommenden zwölf Monate rund 30 Prozent der Emission marktschonend verkaufen. Die Anleihe ist nämlich Teil der Insolvenzquote von 58 Prozent, die jedem Gläubiger zusteht. Immerhin 45000 von 63000 bezugsberechtigten Altanlegern hatten die Anleihe ins Depot genommen. Ein Volumen von mehr als 100 Millionen Euro muss nun aber noch neue Käufer finden. Damit könnte es doch noch zu weiteren Kursabschlägen kommen.

Eine Kursstütze ist dabei das derzeit niedrige Zinsniveau. Prokon Vorstand Henning von Stechow beruhigt: Wir stehen mit zahlreichen institutionellen Investoren in Kontakt und haben genug Zeit.“ Ein Vorteil dürfte auch sein: Prokon-Anleger sind eher an einem dauerhaften Investment in saubere, umweltfreundliche Energien interessiert und weniger an spekulativen Geschäften.

Die Anleihe ist mit den bestehenden Windparks von Prokon besichert. Die erste  Zinszahlung über 14 Monate seit Ende der Insolvenz erfolgt im Oktober.

Prokon hatte Anfang 2014 Insolvenz anmelden müssen. Firmengründer Carsten Rodbertus hatte zuvor von 75000 Anlegern 1,5 Milliarden Euro eingesammelt und dafür Genussrechte ausgegeben. Auf diese hatte Rodbertus bis zu acht Prozent Zinsen bezahlt. Nach dem Zusammenbruch hatte Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin Windparks im Wert von rund 500 Millionen Euro vorgefunden. Diese wurden fast komplett ohne Banken und nur aus Anlegergeld finanziert und stehen den Altanlegern damit fast vollständig als Teil der Quote zur Verfügung.

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