Ramsch-Anleihen
Die Schrottblase

Selbst schwächste Firmen bringen Anleihen an den Mann. Der Markt für Ramschanleihen wächst rasant - und droht nun zu überhitzen. Experten warnen vor steigenden Ausfallquoten. Verantwortlich dafür sind die Notenbanken.
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New YorkDie Niedrigzinsen verleiten Investoren zu höheren Risiken. Weil sichere Anleihen kaum noch Rendite abwerfen, schauen sie sich nach riskanteren Papieren um. Nun droht der Markt für Ramschanleihen heiß zu laufen.

Es hat drei Jahrzehnte gedauert, bis das Volumen von Anleihen mit einer spekulativen Bonitätsnote eine Billion Dollar erreichte. Es hat jedoch nur etwa sieben Jahre gedauert, bis die Marke von zwei Billionen Dollar erreicht wurde.

Der Markt für auf Dollar lautende Ramschanleihen ist seit Ende 1997 von 243 Milliarden Dollar um mehr als das Achtfache gewachsen, so Morgan Stanley. Hingegen hat sich der Markt für Anleihen mit einem Rating der Kategorie Investmentgrade lediglich vervierfacht, auf 4,2 Billionen Dollar.

Uneins sind sich die Investoren, wie es nun am Junkbond-Markt weiter geht. Während einige weiteres Wachstum sehen, befürchten andere Überhitzungserscheinungen.

Die Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve hat dazu geführt, dass Investoren Jagd auf Papiere mit höheren Renditen machten. Infolgedessen hatten selbst die bedürftigsten Unternehmen, die andernfalls zahlungsunfähig geworden wären, Zugang zum Kapitalmarkt. Aber nun nimmt die Besorgnis zu, dass die Zahlungsausfälle steigen, wenn die Leitzinsen wieder erhöht werden. Martin Feldstein, früher Präsident des National Bureau of Economic Research, sagte in der vergangenen Woche, dass ein Anstieg der niedrigen Zinsen zugelassen werden sollte, da diese die Investoren zu einem riskanten Verhalten verführen.

„Das Wachstum am Markt und das zur Verfügung stehende Angebot ist weniger wichtig als die Qualität der Emissionen“, sagt Adam Richmond, Kreditstratege bei Morgan Stanley in New York. „Wenn wir ein erhebliches Volumen an Transaktionen mit geringerer Qualität sehen, sollten wir uns ein wenig Sorgen machen.“

Emittenten von Michaels Stores bis zu Chesapeake Energy haben die Emission von auf Dollar lautenden Hochzinsanleihen und US-amerikanischen institutionellen Krediten einschließlich Refinanzierungen in diesem Jahr auf 704,5 Milliarden Dollar getrieben, verglichen mit 466 Milliarden Dollar in den ersten drei Quartalen 2012, wie von Bloomberg zusammengetragene Daten zeigen.

„Wenn sich die Zinsen stabilisieren, selbst auf einem höheren Niveau, wird es weiterhin ein starkes Angebot geben“, sagte Richmond. „Wenn die Konjunktur an Fahrt gewinnt, könnten wir mehr Emissionen“ im Zusammenhang mit Fusionen, LBOs und Investitionen sehen statt der Refinanzierung von höher rentierlichen Papieren, erwartet er.

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Ausfallquoten steigen

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  • Die Gier regiert die Spekulanten und die Arbeiter dürfen dafür bluten! Danke "Mutti"!

  • Wer in den unseligen Markt der Mittelstandsanleihen in Deutschland investiert, wird noch sein blaues Wunder erleben, sobald die Notenbanken die Liquidität verknappen. Ebenso wird es den Emittenten gehen, die keine Anschlussfinanzierung mehr bekommen und im schlimmsten Fall zahlungsunfähig werden! Dieser Markt ist auf der Fremdkapitalseite das was der Neue Markt einst für die Eigenkapitalseite war.

  • Wenn die Kurse von lächerlichen Ramschanleihen a la Scholz oder Air Berlin zu Kursen über 100 gehandelt werden bzw im Fall Scholz viel zu lange wurden, sollte auch der Dümmste wissen, was das heißt.

    Wer darüber immer noch aufgeklärt werden muß, verdient es auch nicht besser. Stupid money.

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